Home
http://www.faz.net/-gqe-73g7r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Deutsches Zoll-Dickicht Stradivari im roten Kanal

1,5 Millionen Euro soll eine japanische Star-Geigerin zahlen, weil sie sich im Zoll-Dickicht verstrickte. Finanzminister Schäuble schaltete sich angeblich ein - und sorgte für Verstimmung bei seinen Beamten. Dabei hätte sich die Künstlerin den Ärger ersparen können.

© dpa Vergrößern 7,6 Millionen Dollar kostet die Stradivari der japanischen Star-Geigerin Yuki Manuela Janke - nun soll sie auch dem Zoll Geld zahlen

Eine Geige sorgt für Verstimmungen - zunächst zwischen Japan und Deutschland, nun wohl auch zwischen den deutschen Zollbeamten und ihrem obersten Dienstherrn, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Grund dafür ist ein Vorfall von Ende September, als der Zoll die 7,6 Millionen Dollar teure Stradivari der japanischen Star-Geigerin Yuki Manuela Janke beschlagnahmte. Der Vorwurf: Sie habe bei der Einreise nach Deutschland ihr Arbeitsinstrument nicht ordnungsgemäß deklariert und müsse deshalb Steuerschulden in Höhe von 1,5 Millionen Euro begleichen.

Corinna Budras Folgen:    

Die „Bild“ berichtet nun, Schäuble habe sich eingeschaltet und angeordnet, die beschlagnahmte Violine freizugeben. Die Zollbeamten sollen darüber nun angeblich so empört sein, dass sie sich mit einer Anzeige gegen ihren Dienstherren revanchieren - wegen des Vorwurfs der Strafvereitelung. Offiziell bestätigen kann die Anzeige in Berlin niemand, dementieren allerdings auch nicht.

Mehr zum Thema

Dabei hätte sich die Künstlerin den ganzen Ärger ersparen können, hätte sie am Flughafen den „roten Kanal“ gewählt und den wartenden Beamten ihr Musikinstrument gezeigt. In solchen Fällen können Reisende, die sündhaft teure Musikinstrumente gewerblich nutzen, eine „vorübergehende Verwendung“ anführen - und sind dann von der Steuerpflicht befreit. Das gleiche gilt für Ausstellungsstücke auf Messen oder Formel-1-Autos, welche die ganze Welt befliegen.

Dann wird die „Nämlichkeit“ der Gegenstände gesichert, wie Klaus Leprich, Bundesvorsitzender der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ, es vorschriftsmäßig formuliert. Dabei werden die wertvollen Gegenstände entweder genau beschrieben oder durch eine „Zollplombe“ gesichert, also durch ein Aluminiumstück mit zwei Löchern und einer rot-grünen Schnur mit eingedrehtem Metalldraht. Dadurch wird sichergestellt, dass der wertvolle Gegenstand nicht doch heimlich gegen eine billige Kopie ausgetauscht wird.

Für „vorübergehende Verwendung“ ist auch Sebastian Vettels Formel-1-Auto von der Steuerpflicht befre © dapd Vergrößern Für „vorübergehende Verwendung“ ist auch Sebastian Vettels Formel-1-Auto von der Steuerpflicht befreit

Durch den „grünen Kanal“ darf man am Flughafen gehen, wenn die eingeführten Waren nicht teurer als 430 Euro waren. Wählt man diesen Weg zu unrecht, ist die Steuerschuld automatisch entstanden. Dann müssen die Beamten ermitteln, ob nur eine Formvorschrift verletzt wurde. In diesem Fall habe der Reisende schon gar keinen Vorsatz, Steuern zu hinterziehen, sagte der Hamburger Zollrechtler Lothar Harings von der Wirtschaftskanzlei Graf von Westphalen. Seiner Einschätzung nach wissen viele Künstler überhaupt nicht, dass sie ihre teuren Instrumente anmelden müssen. Auch Geschäftsführer, die im Ausland ihre Wohnung auflösen, gerieten oft in eine solche Situation.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ist das aus dem Jahr 1736 stammende Instrument eine der letzten von Antonio Stradivari gebauten Geigen. Heute gehört sie der japanischen Stiftung, die sie an Musiker für ihre weltweiten Tourneen verleiht. Nach Angaben der Stiftung soll Janke den Leihvertrag, die Versicherungspolice für das wertvolle Instrument und ein Attest für den legalen Import der Geige vorgezeigt haben.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurter Zoo Quarantäne für Neue und Illegale

Die Neuen im Frankfurter Zoo werden jetzt ganz modern empfangen. In der neuen Quarantäne ist für alle Platz - vom Nashorn bis zum Papagei. Die Käfige sind recht spartanisch. Mehr

30.09.2014, 15:49 Uhr | Rhein-Main
So klingt das teuerste Instrument der Welt

Erstmals seit Jahrzehnten wird eine der äußerst seltenen Bratschen des italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari verkauft. Die Macdonald-Stradivari aus dem Jahr 1719 wird laut Auktionshaus Sotheby's auf mehr als 32,6 Millionen Euro taxiert. Mehr

16.04.2014, 15:36 Uhr | Gesellschaft
Niedersachsen Fahranfänger erfasst Schülergruppe

Aus bislang ungeklärter Ursache fährt ein Mann in eine Schülergruppe. Sieben Menschen werden verletzt, ein 17 Jahre altes Mädchen schwer. Nach kurzer Flucht kann der Fahrer gestellt werden. Mehr

19.09.2014, 14:33 Uhr | Gesellschaft
3,3 Tonnen Kokain in Peru beschlagnahmt

Am Dienstag haben Drogenfahnder in der peruanischen Stadt Trujillo einen Drogenring hochgenommen und dabei 3,3 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Die Drogen waren versteckt in Steinen aus Kohlenstoffteer und sollten nach Spanien und Belgien verschifft werden. Mehr

27.08.2014, 09:26 Uhr | Gesellschaft
Historisches E-Paper: 23.09.1914 Versagt die Feldpost?

Briefe sind für die Moral der Soldaten unersetzlich. Die Frankfurter Zeitung berichtet am 23. September 1914 von einer Feldpost, die nach wenigen Kriegswochen vor dem Kollaps steht. Mehr

16.09.2014, 15:36 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.10.2012, 16:37 Uhr

Alle gegen Google

Von Patrick Bernau

Politiker denken sich harte Gesetze aus, um die Internet-Konzerne zu zähmen. Dabei gibt es eine sanftere Idee. Die wirkt sogar noch besser. Mehr 21 21


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Der Herbst gehört dem deutschen Film

Der deutsche Thriller „Who am I“ führt die Kinocharts hierzulande an. Passend zum beginnenden Herbst ist damit wieder ein deutscher Film erfolgreich in den Kinos. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden