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Deutscher Multimediakongress Internet-Branche richtet den Blick auf „das Machbare“

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Von der einstigen Euphorie ist in der Internet-Branche derzeit nichts mehr zu spüren. Spätestens seit Cisco Systems, Lieferant von Datennetz-Architektur und ehemals an der Börse wertvollstes Unternehmen der Welt, vor zwei Wochen die Streichung von 8.500 Jobs ankündigte, lässt sich die weltweite Hightech-Krise kaum noch wegreden.

Die Anspannung ist in diesem Jahr auch den Teilnehmern des 9. Deutschen Multimedia Kongresses (DMMK) anzumerken, der bisher als Gipfeltreffen der deutschen Internet-Szene galt. Rund 2.000 Experten und Unternehmer diskutieren seit Mittwoch in Stuttgart über neue Technologien und Geschäftsstrategien für das kränkelnde Medium.

„Endlich trennt sich Spreu vom Weizen“

Den „Unkenrufen“ wolle man trotzen, verkündet Volker Tietgens, Aufsichtsratschef des Web-Dienstleisters Concept! AG. Der Manager kann der momentanen Krise auch positive Seiten abgewinnen: „Endlich trennt sich die Spreu vom Weizen. Unausgegorene Geschäftsmodelle, die nur darauf ausgerichtet waren, das schnelle Geld zu verdienen, werden nach und nach vom Markt verschwinden.“ Klaus Haasis, Sprecher des DMMK-Kongressbeirats, beschwört wiederum den „Blick fürs Machbare“.

Aus der Konsolidierungsphase würden eben die Unternehmen gestärkt hervorgehen, die „ihren Kunden wirklich etwas zu bieten haben.“ Ob diese Logik tatsächlich aufgeht, könnte sich noch in diesem Jahr herausstellen. Die Ankündigung diverser Internet-Unternehmen, im vierten Quartal endlich schwarze Zahlen zu schreiben, gilt bei Finanzanalysten und Investoren als Gradmesser für den zukünftigen Erfolg. Der Daumen des Marktes könnte sich dann endgültig nach oben oder unten drehen.

Beispiel Brokat: Der Spezialist für Internet-Banking hat sich in der vergangenen Woche ein umfassendes Kostensenkungsprogramm verordnet, um das ehrgeizige Ergebnisziel zu erreichen. Die Umsatzprognose für 2001 wurde nach unten korrigiert. Der Aktienkurs des Unternehmens war auch ohne die für den Neuen Markt typischen Skandale in den vergangenen Monaten aus Höhen von 200 Euro auf unter zehn Euro abgestürzt.

Von Turnschuhen zu Nadelstreifen

Die Unberechenbarkeit des neuen Mediums Internet spiegelt sich auch in der jüngsten Geschichte des DMMK wider. Vor zwei Jahren hatte das Schlagwort „E-Commerce“ erstmals die Kongress-Rhetorik bestimmt, propagiert von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Das ursprünglich auf Kommunikation ausgerichtete Datennetz wurde zur Handelsplattform umdefiniert, bei den Messe-Ausstellern lösten Nadelstreifen die einst obligaten Turnschuhe und Jeans der ersten Internet-Jünger ab.

In den Kongress-Workshops stehen in diesem Jahr unter anderem die Themen Online-Logistik und Sicherheit im Internet hoch im Kurs. Möglich ist aber auch, dass ein durchaus verräterisches Geschäftsmodell die Runde macht: Jenseits des Atlantiks ersteigern Unternehmen wie Overstock.com und Bid4assets.com die Konkursmasse von Pleite gegangenen Internet-Firmen - und kassieren beim Weiterverkauf satte Gewinne.

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