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EZB-Studie : Deutsche kaum reicher als Euro-Durchschnitt

Die EZB veröffentlicht eine neue Studie zum Vermögen der Europäer Bild: dpa

Mit 65.000 Euro liegt das Geldvermögen der Deutschen nur minimal über dem Euro-Schnitt. Auch die neue Übersicht der EZB zum Vermögen wirft Fragen auf.

          Die Vermögen in Europa sind sehr unterschiedlich hoch. Neuen Daten der Europäischen Zentralbank zufolge liegen die durchschnittlichen Finanzvermögen je Einwohner in den Benelux-Ländern deutlich über 100.000 Euro. Im Durchschnitt des Euroraums sind es 64.200 Euro. An der Spitze liegen derzeit die Niederländer mit rund 139.400 Euro Geldvermögen. Die EZB verweist auf die Besonderheit des dortigen Rentensystems. Die Haushalte in den Niederlanden sparen in besonderem Maße privat und bauen eine kapitalgedeckte Altersvorsorge auf. Dies erhöht das individuelle Finanzvermögen. In den meisten anderen Ländern haben umlagefinanzierte Rentensysteme ein höheres Gewicht. An zweiter und dritter Stelle liegen laut den EZB-Daten die Finanzvermögen der Luxemburger (rund 120.000 Euro je Kopf) und der Belgier (109.000 Euro).

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die Geldvermögen der Deutschen betragen im Durchschnitt 65.000 Euro, so die EZB-Angaben zum ersten Quartal. Sie lagen also nur unwesentlich über dem Euroraum-Durchschnitt. Die unterschiedlichen Finanzvermögen spiegelten unterschiedliche Einkommensniveaus wider, schrieb Gabriel Quirós, Leiter der Abteilung für Makrostatistiken der EZB, in einer am Dienstag veröffentlichten Präsentation. Die EZB werde allerdings keine Schätzungen der Werte des Häuser- und Wohnungseigentums in den einzelnen Ländern veröffentlichen, erklärte sie auf Nachfrage. Gerade hier gibt es aber erstaunliche Unterschiede, die auch politischen Zündstoff bergen angesichts der geforderten Solidarität im Euroraum.

          Bild: F.A.Z.

          In einer EZB-Vermögensübersicht vor zweieinhalb Jahren, die auch Schätzungen zu Immobilien berücksichtigte, lagen Luxemburg, Zypern, Malta, Belgien und Spanien vorne. Die deutschen Haushalte erschienen im untersten Drittel der Übersicht, die größtenteils auf Daten einer Befragung von 2010 basierte. Die mittleren Vermögen (Medianwerte) in Deutschland lagen sogar auf dem untersten Platz im Euroraum. Dieser Befund inmitten der Euro-Krise hatte viel Aufsehen erregt. Die EZB und Politiker waren bemüht, ihn durch verschiedene Erklärungen zu relativieren. Hitzige Diskussionen löste die Studie vor allem deshalb aus, weil die mittleren Vermögen der Deutschen geringer als die der Portugiesen, Griechen, Spanier und Zyprer ausgewiesen wurden, die Milliardenkredite zur „Euro-Rettung“ erhielten, für die Deutschland den Löwenanteil der Haftung übernahm. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel fühlte sich bemüßigt, Stellung zu der EZB-Statistik zu nehmen. Sie sagte, die deutschen Vermögen sähen kleiner aus als sie seien.

          Moderate Zunahme im Durchschnitt

          Die neuen Daten der EZB zeigen nun, dass die Haushalte in den Euro-Peripherieländer in der Krise deutliche finanzielle Einbußen erlitten haben. Hier macht die EZB Angaben zu den Gesamtvermögen – also sowohl Immobilien- als auch Geldvermögen. Diese seien in Irland von 2009 bis 2013 um rund 18.500 Euro gesunken, vor allem wegen eines starken Wertverlusts der Immobilien. Die zweithöchsten Einbußen hatten die Griechen mit 16.900 Euro Minus je Kopf. Die drittgrößten Vermögenseinbußen hatten die Spanier mit rund 12.800 Euro Minus. Deutlich kleinere Einbußen mussten die Zyprer mit rund 4900 Euro verbuchen.

          Für den Euroraum-Durchschnitt gibt die EZB eine moderate Zunahme der Vermögen um 6600 Euro im Zeitraum von 2011 bis 2015 an. Zwar sind die Immobilienwerte in diesem Zeitraum noch leicht gefallen. Dies wurde aber überkompensiert durch finanzielle Investments, deren Kurse gestiegen sind. Die stärksten Zuwächse sollen demnach die Niederländer verbucht haben, deren Vermögen je Kopf um 33.600 Euro zugelegt haben soll, besonders wegen einer starken Aufwertung ihrer Finanzanlagen. Die zweitstärksten Gewinne haben demnach die Belgier mit 24.000 Euro Plus erzielt. An dritter Stelle stehen nach dieser EZB-Statistik die Deutschen mit 19.300 Euro Plus in vier Jahren, weil sowohl die Immobilienpreise als auch Finanzanlagen gestiegen sind.

          Eine andere Vermögensstudie brachte hingegen vor kurzem ein weniger erfreuliches Ergebnis. Nach einer Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sind die Vermögen der Deutschen in dem Jahrzehnt 2003 bis 2013 real, also inflationsbereinigt, sogar geschrumpft. Das DIW gab den realen Vermögensrückgang mit rund 20.000 Euro oder 15 Prozent an. Die EZB betont indes, dass seit 2013 die Vermögen wieder deutlich gestiegen sind. Ein Hauptgrund dafür war die Hausse an den Börsen.

          Quelle: F.A.Z.

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