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27 Jahre Wiedervereinigung : Im Osten kaum Neues

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Leerstehender Plattenbau in Chemnitz Bild: dpa

Kein einziger Dax-Konzern, geringere Wirtschaftskraft, mehr Arbeitslose: Ostdeutschland hängt Westdeutschland laut Regierungsbericht in vielen Teilen immer noch hinterher.

          Das Bundeskabinett hat am Mittwoch nach Angaben von Teilnehmern den Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit gebilligt. Demnach bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland auch 27 Jahre nach der Wiedervereinigung noch starke Unterschiede in der Wirtschaftskraft.

          Obwohl sich diese in den vergangenen Jahren weiter angenähert habe, habe der durchschnittliche Abstand im Jahr 2016 noch 27 Prozent betragen. Ohne Berlin seien es sogar 32 Prozent. Die Verringerung des Abstands bei der Wirtschaftskraft habe sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten "erheblich verlangsamt".

          Insgesamt lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner dem Bericht zufolge in Ostdeutschland im vergangenen Jahr bei 73,2 Prozent des westdeutschen Vergleichswerts. Vergleicht man das reale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, so lässt sich feststellen, dass die ostdeutschen Bundesländer seit der Wiedervereinigung zwar erheblich aufgeholt haben, aber noch immer beträchtliche Unterschiede bestehen. So ist das BIP pro Kopf in Westdeutschland seit 2010 von 34.000 auf 39.000 Euro im Jahr 2015 gestiegen, in Ostdeutschland liegt es mit knapp 29.000 Euro immer noch deutlich darunter.

          Wesentliche Gründe für die weiter bestehenden Unterschiede seien die Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft und ein Mangel an Konzernzentralen großer Unternehmen, schreibt die Bundesregierung in ihrem Bericht. Beispielhaft dafür: Kein einziges ostdeutsches Unternehmen ist im Dax notiert.

          Die Arbeitslosenquote hat sich in Ostdeutschland zwischen 2005 und 2016 im Jahresdurchschnitt zwar von 18,7 Prozent auf 8,5 Prozent mehr als halbiert. So hat sie sich der Arbeitslosenquote in Westdeutschland zwar angenähert, diese lag jedoch mit 5,6 Prozent im Jahr 2016 immer noch deutlich unter dem ostdeutschen Wert. Sehr auffällig sind auch die starken regionalen Unterschiede: zwischen 3,5 Prozent in Bayern über 9,7 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 10,5 Prozent in Bremen (2016).

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          Die Regierung befürchtet, dass die Globalisierung und der demografische Wandel regionale Unterschiede tendenziell verschärfen werden. Sie warnt zugleich, aus regionaler Strukturschwäche könnten sich Folgeprobleme für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft ergeben. "Gerade in den schwächsten Regionen, in denen sich Menschen 'abgehängt' fühlen mögen, können gesellschaftliche Spaltungen bis hin zu radikalen Einstellungen entstehen." Ein regionaler Ausgleich leiste daher immer auch einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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