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Deutsche Börse Kandidaten für das Personalkarussell

11.05.2005 ·  Die Personaldiskussion über die Leitungsposten bei der Deutschen Börse ist in vollem Gange. CDU-Politiker Friedrich Merz gilt als Kandidat für den Aufsichtsrat. Chef werden will er dort nicht - vorerst.

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Der Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Werner Seifert, und die nahende Umstrukturierung des Aufsichtsrates des Unternehmens haben am Dienstag die seit Wochen laufende Personaldiskussion noch einmal verschärft. Rolf Breuer, der Chef des Aufsichtsrates will bis Jahresende einen Nachfolger für seine Position und vier weitere Aufsichtsräte sowie einen neuen Vorstandsvorsitzenden finden.

Einer der schärfsten Kritiker unter den Aktionären, der britische Hedge Fonds TCI, hat das Profil eines neuen Börsenchefs grob umrissen: "Es muß jemand sein, der den Handel kennt, vor allem das Derivatgeschäft. Er muß die Bedürfnisse des Kunden verstehen. Und er muß es besser als das frühere Management schaffen, die richtigen Partner in Europa oder außerhalb zu finden", sagte Patrick Degorce, Partner bei TCI, dem "Handelsblatt". Von deutscher Seite wird der Wunsch formuliert, auch einen Experten zu finden, der die deutschen Regeln zur Unternehmensführung (Corporate Governance) kennt. Der neue Kandidat soll auf Wunsch der Börse ein externer sein.

Wenige Namen werden gehandel - mancher immer wieder genannt

Spruchreife Kandidaten gibt es naturgemäß nach so kurzer Zeit noch nicht. Wenige Namen werden gehandelt. Immer wieder genannt wird Reto Francioni, Chef der Schweizer Börse. Er kennt die Deutsche Börse gut, denn er war von 1993 bis zum Jahr 2000 als Vorstand für die Kassamärkte zuständig. Er gilt als einer der Väter des ehemaligen Neuen Marktes. Er schied im Streit mit Seifert aus dem Unternehmen und wechselte zum Discount Broker Cortal Consors. Auf die Frage, ob er sich die Führung der Deutschen Börse vorstellen könne, hatte er gesagt, daß er sich in der Schweiz wohlfühle. Eine klare Absage wollte er damit aber offenbar nicht geben. Auch die kritischen Aktionäre würden Francioni als Chef offenbar unterstützen.

Einiges Ansehen hat auch Stefan Jentzsch, Vorstand der Hypo-Vereinsbank, erworben. Er ist dort für das Kapitalmarktgeschäft der Bank zuständig und brächte ausreichend Fachwissen mit. Allerdings ist er dadurch vorbelastet, daß er schon im Aufsichtsrat der Deutschen Börse sitzt, der von den rebellischen Fonds stark kritisiert wird. Große Spekulationen gibt es schon seit Wochen über neue Aufsichtsräte. TCI-Chef Christopher Hohn selbst hat den CDU-Politiker und Steuerexperten Friedrich Merz ins Spiel gebracht, der TCI auch berät. Er gilt in Deutschland als angesehene Persönlichkeit, hat aber keine Börsenerfahrung. Merz selbst hat am Dienstag klargestellt, daß er als Aufsichtsratschef nicht zur Verfügung steht. Merz sagte, er habe den Konflikt zwischen Management und Anteilseignern "nicht entschärfen" können. Gegen eine Kandidatur als einfacher Aufsichtsrat hat er hingegen bisher nichts eingewandt. Allerdings ist Merz unter den anderen kritischen Aktionären umstritten. Anerkennung hat sich hingegen Richard Hayden verdient, der zweite von Hohn namentlich genannte Kandidat. Er war Vizechef bei Goldman Sachs Europe und arbeitet jetzt für einen Hedge Fonds.

Kritik vor allem an der „alten Garde“

Völlig offen ist noch, wer den Aufsichtsrat verlassen wird. Bisher hat nur Lord Peter Levene, Chairman von Llodys, seinen Rücktritt erklärt. Drei weitere sollen nun nach dem Vorschlag der Börse aus dem Gremium ausscheiden. In Börsenkreisen heißt es, daß die Auswahl schwierig werden könnte. Die Posten seien mit Prestige und mit Geld für jede Sitzung verbunden. Zudem wolle niemand freiwillig mit einem Rücktritt die Fehler anderer ausbügeln. Kritisiert wurden vor allem die Aufsichtsräte der "alten Garde". Dazu gehören etwa Manfred Zaß, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und ehemals Chef der DekaBank und Uwe Flach, ehemals Vorstandsvorsitzender der DZ Bank. Sie repräsentierten früher die großen Aktionäre der Börse, die Banken. Mittlerweile haben diese aber ihre Anteile verkauft. Friedrich Metzler hingegen, ebenfalls aus dieser Garde, ist Mitglied der Findungskommission, die Breuer bei der Personalauswahl unterstützen soll. Daher ist ein vorzeitiges Ausscheiden unwahrscheinlich, zumal er sich offenbar in der Verantwortung sieht, über die Personalpolitik noch Einfluß auf die künftige Strategie des Unternehmens zu nehmen.

Auch Mehmet Dalman ist gefährdet, daß er Chef des Hedge Fonds WMG ist und damit ein eher kleiner Marktteilnehmer. Gesicherter ist der Posten von Udo Behrenwaldt, ehemals Geschäftsführer der DWS und damit Vertreter der Fondsindustrie.

Quelle: dys., F.A.Z., 11.05.2005, Nr. 108 / Seite 21
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