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Deutsche Bank Zinsaffäre bringt Anshu Jain in Not

 ·  Der Deutschen Bank droht im Zinsskandal ein Milliardenschaden. Einem darin verwickelten Händler soll für das Jahr 2008 ein Bonus von 80 Millionen Euro zugesagt worden sein.

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© dapd Vergrößern Anshu Jain muss von dem Bonus gewusst haben.

Die Deutsche Bank erwägt derzeit nicht, schon ausgezahlte Prämien ihrer wegen der Zinsaffäre entlassenen Händler wieder einzuklagen. Die Doppelspitze von Anshu Jain und Jürgen Fitschen könnte damit aber ein Zeichen in ihrem Kulturwandel setzen, dass mit den Sünden der Vergangenheit aufgeräumt wird. Am Mittwoch meldete der „Stern“, dass dem Ende 2011 wegen der Zinsaffäre entlassenen Händler Christian Bittar für das Geschäftsjahr 2008 ein Bonus von 80 Millionen Euro zugesagt worden sei. Damit sollte er an seinem Handelsgewinn aus Zinsgeschäften von 500 Millionen Euro beteiligt werden.

Ein Sprecher der Deutschen Bank kommentierte dies nicht. Der Bonus überrascht, weil die Bank im Jahr des Lehman-Zusammenbruchs einen Verlust von 3,9 Milliarden Euro ausgewiesen hatte. Über Bittars Handelsgewinn von 500 Millionen Euro berichten in- und ausländische Medien seit Wochen. Mitte Januar wurde zudem bekannt, dass dem inzwischen für den britischen Hedgefonds Blue Crest tätigen Händler schon zugesagte Boni von 40 Millionen Euro nicht mehr ausgezahlt werden. Ob Bittar die Hälfte der Erfolgsvergütung schon vollständig erhalten hat oder weniger, ändert in der Außenwahrnehmung nichts. Der Bonus hatte ein Niveau erreicht, dass die Exzesse im damals von Jain geleiteten Investmentbanking verdeutlicht. Der frühere Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann erhielt im erfolgreichen Geschäftsjahr 2007 seine höchste Gesamtvergütung von 14 Millionen Euro.

Der Bank droht ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro

Jain muss über Bittars Bonus und dessen Ursachen gewusst haben. Das kann ihn in Erklärungsnot bringen. Denn Ende 2011 musste Bittar zusammen mit dem Händler Guillaume Adolph gehen. Grund waren die Manipulationen von Geldmarktzinsen wie dem für Dollar-Geschäfte maßgeblichen Libor oder dessen Euro-Pendant Euribor. In der vergangenen Woche beurlaubte die Bank fünf weitere Händler aus dem Frankfurter Geldmarkthandel, darunter auch zwei Bereichsleiter. Noch immer läuft die Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin. Parallel wird auch hausintern untersucht. Es gibt nach Angaben der Bank noch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gewinne aus den 2008 durchgeführten Handelsgeschäften und das „unangemessene Verhalten einer begrenzten Zahl von Mitarbeitern“ miteinander verbunden sind. Die Handelsstrategie, mit der Bittar seinen Superbonus verdiente, würdigt die Bank auch heute noch: Sie habe auf einer legitimen Markteinschätzung basiert, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise das Portfoliorisiko diversifizierte und verringerte. Nach einem vor Monaten vom Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner vorgelegten Bericht war in die Zinsaffäre kein Vorstandsmitglied beteiligt. Da aber die Bereiche dem Investmentbanking zuzuordnen sind, wird früher oder später die Frage nach der übergeordneten Verantwortung laut. Dann kann es für Jain eng werden.

Denn die Deutsche Bank muss in der Zinsaffäre nicht nur mit hohen Geldstrafen der Aufsichtsbehörden, sondern auch mit vielen Schadenersatzklagen von Kunden rechnen, die mit Zinsderivaten hohe Summen verloren haben. Dazu zählen Kommunen und mittelständische Unternehmen. In den Vereinigten Staaten wurde schon eine Sammelklage eingereicht, an der sich auch eine Tochtergesellschaft des Bankhaus Metzler beteiligt hat.

Mittelfristig droht der Bank aus dem Zinsskandal ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro. Dass nicht versucht wird, die dafür verantwortlichen Mitarbeiter auch nachträglich zu belangen und schon ausgezahlte Prämien zurückzufordern, werden Jain und Fitschen vor den Aktionären kaum rechtfertigen können. Zumal die Commerzbank die Auszahlung schon zugesagter Boni an frühere Investmentbanker der Dresdner Bank noch immer verweigert, weil die Erfolgsgrundlage weggefallen ist.

„Die Zinsmanipulationen machen mich am meisten krank“, räumte Jain Mitte Januar ein. Im Zentrum stand eine Gruppe meist französisch sprechender Händler aus verschiedenen Banken, die in der britischen Presse „French Connection“ getauft wurde. Die Absprachen sollen von Philippe Moryoussef dirigiert worden sein. Der Marokkaner hatte von Mai 2005 bis August 2007 für die britische Bank Barclays und danach bis Juni 2009 für die Royal Bank of Scotland (RBS) gearbeitet. Beide Banken zahlten wegen der Zinsabsprachen Strafen von knapp 450 Millionen beziehungsweise 600 Millionen Dollar. Der frühere Barclays-Chef Bob Diamond musste danach gehen, auch bei RBS „rollen Köpfe“. Die höchste Strafe wurde gegen die Schweizer UBS mit 1,4 Milliarden Franken verhängt.

Die „French Connection“ stimmte sich auf Französisch unter anderem in Chaträumen der Bloomberg-Handelssysteme ab. Die Händler wetteten mit Derivaten auf den künftigen Libor oder Euribor. Gleichzeitig teilten die Kollegen aus dem Geldmarkthandel die Refinanzierungssätze, zu denen ihre Bank von Wettbewerbern Kredit erhielten, den zuständigen Stellen mit. Für den Libor ist dies der britische Bankenverband BBA und für den Euribor der europäische Bankenverband EBF. Der Libor beruhte auf 18 Banken und der Euribor auf mehr als 40. Über Absprachen konnten die Banken das Verfahren manipulieren und die Zinsen in die von ihren Kollegen aus dem Zinshandel gewünschte Richtung treiben.

Die Manipulationen haben Aufsichtbehörden und Politik aufgeschreckt, weil alleine vom Libor Finanzprodukte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar abhängen. Betroffen können auch einfache Häuslebauer sein, die ihre Immobilie mit variabel verzinslichen Krediten finanziert haben.

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