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Deutsche Bank und Commerzbank Zwei Großbanken im Krisenmodus

02.01.2012 ·  Für den Erfolg internationaler Großbanken wie der Commerzbank und der Deutschen Bank ist die Kontrolle der Risiken entscheidend. Weniger Risiken einzugehen kann daher mehr sein.

Von Markus Frühauf
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Die Finanzkrise hat den Abstand zwischen den beiden deutschen Großbanken beträchtlich vergrößert. Die Deutsche Bank blickt den schärferen Aufsichtsregeln selbstbewusst entgegen, während die schwächelnde Commerzbank versucht, eine abermalige Kapitalhilfe des Staates abzuwehren.

Gegen den Bund geht nichts

Deren Vorstandsvorsitzender Martin Blessing gibt sich nach den jüngsten Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht EBA kämpferisch: Der Kapitalbedarf von 5,3 Milliarden Euro soll bis Mitte des Jahres aus eigener Kraft gestemmt werden. Doch ohne Staat läuft bei der Commerzbank nichts: Der Bund hat mit einer Beteiligung von 25 Prozent ein Vetorecht bei wichtigen Grundsatzentscheidungen der zweitgrößten Bank in Deutschland.

Eine abermalige Kapitalerhöhung dürfte Blessing gegenwärtig nicht wagen. Denn den Aktionären liegt noch die Rekordkapitalerhöhung im Frühjahr von 11 Milliarden Euro schwer im Magen. Der Aktienkurs ist 2011 um 70 Prozent gefallen. Zunächst will Blessing riskante Vermögenswerte wie Kredite oder Wertpapiere im Volumen von 30 Milliarden Euro abbauen, um gebundenes Kapital freizusetzen.

Neues Beihilfeverfahren droht

Auch hier geht es nicht ohne den Bund, weil die Commerzbank vor allem kritische Bereiche ihres Sorgenkinds Eurohypo auslagern will. Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck das neue Gesetz für den Bankenrettungsfonds Soffin maßgeschneidert: Künftig dürfen auch Staatsanleihen auf staatlich garantierte Abwicklungsanstalten übertragen werden. Auf den Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo entfällt der Löwenanteil der Staatsanleihen aus den Euro-Krisenländern, die sich im Konzern Ende September auf 13 Milliarden Euro belaufen haben.

Doch droht der Commerzbank mit dieser Bad-Bank-Lösung, über die mit der Bundesregierung schon erste Gespräche geführt werden, ein neues Beihilfeverfahren der EU-Kommission. Brüssel hatte die erste Staatshilfe über 18 Milliarden Euro 2009 an die Bedingung geknüpft, dass die Commerzbank die Eurohypo bis Ende 2014 verkaufen muss. Dass nun vorzeitig Teile an den Staat gehen, dürfte genauso mit Argusaugen verfolgt werden wie eine weitere Kapitalzufuhr.

Blessing muss noch viel Überzeugungsarbeit leisten

In der Belegschaft stoßen Blessings Versuche, eine direkte Kapitalzufuhr des Staates zu vermeiden, auf Kritik. Die angekündigten Sparmaßnahmen und Einschränkungen der Kreditvergabe erzeugen Unmut. Einige Mitarbeiter erklären diese Einschnitte damit, dass der Vorstand die gesetzliche Auflage, wonach Topmanager einer staatlich gestützten Bank im Jahr nicht mehr als 500.000 Euro verdienen dürfen, unbedingt vermeiden will. Von dieser Auflage ist die Commerzbank seit der Rückzahlung staatlicher Kapitalhilfen im Sommer entbunden. Blessing muss auch in der Bank für seinen Abwehrkampf noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Die Deutsche Bank hingegen dürfte die von der Aufsicht festgestellte Kapitallücke von 3,2 Milliarden Euro aus eigener Kraft, insbesondere durch den Abbau von Risikoaktiva, schließen. Nach dem Machtkampf zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig steht die Bank Ende Mai vor einem personellen Neuanfang. Doch ruhigere Zeiten sind in dem Krisenumfeld nicht zu erwarten. Die neue Vorstandsspitze mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie der noch amtierende Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender müssen den von Ackermann angestoßenen Kurs zu einem ausgeglicheneren Ertragsverhältnis fortsetzen. Gerade die Krisenjahre zeigen, dass das kapitalmarktabhängige Investmentbanking schwankungsanfällig ist, während sich im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft stabile Erträge erzielen lassen.

Investmentbanker wittern Morgenluft

Gleichwohl können diese die Einbrüche im Investmentbanking, zu denen es vor allem mit der Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise im zweiten Halbjahr gekommen ist, noch längst nicht auffangen. Deshalb wurde das Ziel eines Rekordgewinns von 10 Milliarden Euro im zurückliegenden Jahr aufgegeben.

Die Investmentbanker aus der Londoner City sind Jains Hausmacht, sie könnten nun Morgenluft wittern. Denn die Finanzkrise und das strengere regulatorische Umfeld zwingen Wettbewerber aus der Schweiz, Frankreich und Großbritannien, auf diesem Feld kürzerzutreten. Die Deutsche Bank könnte ihre Marktposition ausbauen, wenn sie hier nicht so stark auf die Bremse tritt wie die Konkurrenz.

Doch ein starkes Investmentbanking macht die Aufsichtsbehörden erst recht misstrauisch, das könnte bei den Kapitalanforderungen unliebsame Überraschungen nach sich ziehen. Schließlich ist für die zahlreichen Rechtsverfahren, mit denen die Bank auf beiden Seiten des Atlantiks konfrontiert ist, größtenteils das Investmentbanking verantwortlich. Dieser Geschäftsbereich wird in Zukunft aufgrund der strengeren Aufsichtsregeln auch nicht mehr so hohe Renditen abwerfen wie vor der Finanzkrise. Für den Erfolg einer internationalen Großbank ist die Kontrolle der Risiken entscheidend. Weniger Risiken einzugehen kann daher mehr sein.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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