http://www.faz.net/-gqe-93lsk

Maschinen statt Mitarbeiter : Deutsche-Bank-Chef stellt erheblichen Stellenabbau in Aussicht

John Cryan spricht gerne Klartext. Bild: dpa

„Wir beschäftigen 97.000 Leute. Die meisten großen Wettbewerber haben eher halb so viele“, sagt Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Und erklärt auch, was an die Stelle der qualifizierten Mitarbeiter treten wird: qualifizierte Maschinen.

          Den Mitarbeitern der Deutschen Bank steht auf längere Sicht offenbar noch ein weit größerer Stellenabbau bevor als bisher bekannt. „Wir beschäftigen 97.000 Leute. Die meisten großen Wettbewerber haben eher halb so viele“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank, John Cryan, nun in einem Interview mit der „Financial Times“.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit deutete er relativ unverblümt an, dass der aktuell geplante Abbau von 9000 Stellen bei Weitem nicht ausreichen dürfte. Vor allem durch die Digitalisierung werden aus seiner Sicht viele Aufgaben in der Bank überflüssig. In dieser Hinsicht habe das größte deutsche Geldhaus nach wie vor Nachholbedarf. „Wir machen zu viel Handarbeit, was uns fehleranfällig und ineffizient macht“, sagte Cryan. Vor allem durch das maschinelle Lernen – Stichwort Künstliche Intelligenz – könnte die Bank noch deutlich effizienter werden.

          Ähnlich radikal hatte sich Cryan schon im September auf einer Konferenz in Frankfurt geäußert – viele Banker arbeiteten ohnehin wie Roboter, sagte er damals. Dass der für seine Offenheit bekannte Brite seine Einschätzung nun noch einmal im Zentralorgan des Londoner Finanzplatzes wiederholt, dürfte in der Belegschaft allerdings für einigen Aufruhr sorgen.

          Denn dass die Bank weiter ihre Kosten senken muss, ist klar. In den jüngsten Geschäftszahlen musste sie die wegbrechenden Erträge auf der einen Seite mit Einsparungen auf der anderen Seite kompensieren. Innerhalb eines Jahres hat die Bank schon 4000 Stellen gestrichen und 180 Filialen geschlossen. Allein durch die Zusammenführung der Tochtergesellschaft Postbank mit dem eigenen Privat- und Firmenkundengeschäft will die Bank die Kosten um 900 Millionen Euro senken. Wie viele Stellen dafür gestrichen werden sollen, lässt sie aber noch offen.

          Dass sich seine weiteren Sparbemühungen aber nicht nur auf das Privatkundengeschäft beziehen werden, wird aber ebenfalls in dem aktuellen Interview deutlich: das Verhältnis von Mitarbeitern, die Erträge einbrächten und denen, die im sogenannten Back-Office nur die Bank am laufen hielten, sei aus dem Lot.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Der Präsident in der Schneekugel Video-Seite öffnen

          Emmanuel Macron : Der Präsident in der Schneekugel

          Obwohl der französische Staatspräsident sich nach seinem Amtsantritt bei vielen Wählern vor allem mit der Arbeitsmarktreform unbeliebt gemacht hat, findet die Macron-Schneekugel reißenden Absatz.

          Topmeldungen

          Umfrage : Mehrheit der Deutschen bedauert das Jamaika-Aus

          Hat sich Christian Lindner verkalkuliert? Für den Abbruch der Sondierungsgespräche bekommt die FDP laut der jüngsten Meinungsumfrage von den Wählern vor allem eines: Kritik.
          Robert Mugabe, der damalige Präsident Zimbabwes, verfolgt im Juni die Feierlichkeiten zum Tag des afrikanischen Kindes in Harare.

          Zimbabwe : Robert Mugabe tritt zurück

          Robert Mugabe hat Zimbabwe fast 40 Jahre lang geprägt. Zuletzt geriet der Präsident aber zunehmend unter Druck. Seine Partei setzte ihn als Vorsitzenden ab – und drohte ihm mit einem Amtsenthebungsverfahren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.