31.07.2012 · Anshu Jain, der obersten Investmentbanker der Deutschen Bank, hält einen Kulturwandel im Investmentbanking für erforderlich, um das Vertrauen der Kunden und der Gesellschaft wiederherzustellen. Um das zu erreichen, müssen die Banken ihren Eigenhandel vollständig aufgeben.
Von Markus FrühaufRichtlinien für Lesermeinungen
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Verbeugung für's Publikum - und dann machen wir wieder so weiter wie immer ...
Achleitners Schreiben an die Mitarbeiter der DB zeigt, dass der
angekündigte Kulturwandel wohl noch eine Weile auf sich warten
läßt - insbesondere ganz "oben". Schon die
Formulierung "... kein amtierendes oder früheres Mitglied des
Vorstands auf irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten
Vorgänge um Referenzzinssätze verwickelt." lässt die
Hintertür sperrangelweit offen. Wer so formuliert, hat entweder
Angst, dass noch mehr herauskommt, oder weiß sogar, dass noch mehr
herauskommen kann.
Wenn Wandel "oben" beginnt, dann sollten "oben" auch
Konsequenzen gezogen werden.
Reue ist schön und gut - Strafe ist besser
Die Deutsche Bank hatte in jedem Skandal ihre Finger drin, gegen viele
dieser Vorfälle sind noch Klagen anhängig. Erinnert sich noch
jemand an die Ermittlungen zum Umsatzsteuer-Betrug, der Spionage-Skandal
oder der Kirch-Prozess. Die Rechtsabteilung der Deutschen Bank
dürfte sehr üppig bestückt sein.
Da muss man sich doch die Frage stellen, warum dieser Laden immer wieder
mit Strafzahlungen, aber ohne Schuldgeständnisse davon kommt.
Gefängnisstrafen? Fehlanzeige. Was interessiert einen da die Reue
eines Herrn Jains der als langjähriger Leiter der Investmentsparte
seine Finger überall im Spiel hatte. Sicherlich brauchen wir
innerhalb der Banken einen Gesinnungswandel, aber sollten wir diesen
nicht anstoßen indem wir Herrn Ackermann aus seinem Ruhestand
holen und ihn mitsamt seiner Freunde anklagen? Wenn ein Staatsanwalt
erzählen möchte er würde keinen anklagbare Substanz gegen
diese Leute finden, sollte man ihn seines Amtes wegen Unfähigkeit entheben.
"Jains späte Reue" ist ja wohl ziemlich daneben. Das
suggerierte ja daß er eine besondere persönliche
Schuld/Verantwortung empfinden würde wo er doch einfach nur
Verluste erwartete und dementsprechend reagiert - ganz automatisch.
Ausserdem ist Jain ist nur eine von Hundert Anderen ersetzbare Figuren
in dem globalen Spiel. Die Spielregeln sind zu ändern und das aber
schnell; Reue müssten die Millionen Menschen haben ob Ihrer
Nachlässigkeit diese Spieler zu zulassen.
Die Argumentation gegen die DB trägt zunehmend groteske Züge. Wenn Kämmerer, die im Regelfall finanz- oder betriebswirtschaftlich ausgebildet sind, unbedingt spekulieren wollen, sollen sie das mit ihrem Geld machen. Auch in der FAZ liest man immer wieder den Rat an Privatanleger: Mach nur das, was Du auch verstehst!" Die Kämmerer sind nicht betrogen worden. Bei vielen ist die Spekulation aufgegangen, bei denen, die reingefallen sind, soll das nun auf die Bank abgeladen werden. Die Stimmung ist gut dafür, daran strickt die FAZ ja fleißig mit. Ich bin eher dafür, dass in solchen Fällen die Kämmerer mit ihrem Privatvermögen haften oder in den Knast wandern. Dann wäre das Problem, das man etwas tut, was man nicht versteht und was man als Sachwalter öffentlicher Gelder auf keinen Fall tun dürfte, überhaupt nicht vorhanden.
Kulturwandel im Investmentbanking
kann nur gesellschaftliche Ächtung für das Personal bedeuten. Vom Topansehen zum gesellschaftlichen Rating eines Puffbetreiber.
"Anshu Jain, der obersten Investmentbanker der Deutschen Bank,
hält einen Kulturwandel im Investmentbanking für erforderlich,"
Die Aussage ist mehr als dreist. der Raub ist doch schon passiert. Die
Völker sind beraubt worden und er spricht von Kulturwandel.
Mir scheint, die Nachfolger von Herrn Ackermann sind nicht geeignet, um
Vertrauen zurückzugewinnen. Später wird man wohl sagen: Wir
wären froh, wenn Ackermann noch hier wäre. Er war sicher der
beste Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank seit Herrhausen.
PS: Ich hatte mal einen Berater bei einer Bank (es war nicht die
“Deutsche“), der war wirklich gut. Wenn ich das Gegenteil
dessen gemacht habe, was er mir empfahl, bin ich recht gut gefahren. Ich
habe nur eine ganze Zeit gebraucht, um diesen Zusammenhang zu erkennen…
Warum immer das Kind mit em Bade ausschütten?
... müssen die Banken ihren Eigenhandel aufgeben. Wenn man schon
mit der Sense unterwegs ist sollte man dem geneigten Leser beschreiben
was dies nun wieder ist oder Begriffsdefinitionen des Wortes
"Eigenhandel" vorlegen. Ich schlage vor verschiedenen
Journalisten, Bankangestellten, Finanzwissenschaftlern einen Fragebogen
zu schicken.
Was bedeutet das Wort: Eigenhandel? Am besten noch in verschiedene
Ländern. Ich denke das Ergebnis wird uns überraschen! oder
auch nicht je nach Erwartungshaltung.
Auweia, Leo
Leider hast Du recht (ich darf doch Du sagen). Im BMF und bei der BaFin arbeitet der Bodensatz der Finanzwelt, und die Kunden waren/sind genauso gierig wie die Banken, bis runter zu den VV der Kreissparkassen. Was folgt daraus? Ein System, das das zeitigt, ist Katzengold. Ich denke, wir verstehen uns.
Vollkommen richtig!
Die Amis haben es ja versucht (siehe Volcker-Rule, Dodd-Frank Act, ...). Seit 2,5 Jahren versuchen sie, eine Definition des Eigenhandels zu finden. Ohne Erfolg. Was ist denn Eigenhandel? Wenn ein Händler dem Kunden eine Aktie abkauft, und sie erst fünf Minuten später am Markt verkauft, dann hat er für fünf Minuten das Kapital der Bank eingesetzt, also Eigenhandel betrieben. Wenn man ihm das verbietet, dann wird der ganze Markt zusammenbrechen, weil dann entweder keine Bank mehr handelt, oder den Kunden die horrendesten Margen aufbürdet. Also sind fünf Minuten OK? Was ist mit fünf Stunden? Fünf Tagen? Wochen? Monaten? Und warum soll das irgendein Beamter/Politiker entscheiden, der - wenn er wirklich was von der Sache verstünde - einen "richtigen" Job bei einer Bank hätte, wo er das Vielfache verdienen würde? Denn das was im Finanzministerium/BaFin arbeitet ist ja der Bodensatz der Finanzfachwelt...
... verkauft dem Kunden ein saftiges Steak. Das schmeckt dem Kunden.
Daraufhin kauft er sich am nächsten Tag gleich wieder eins. Und
wieder. Und wieder. Irgendwann ist der Kunde sehr dick, aber er frisst
immer weiter. Und der Metzger verkauft ihm sehr gerne immer wieder ein
saftiges Steak. Dann bekommt der Kunde einen Herzinfarkt. Ist der
Metzger jetzt schuld?
Wenn die Kunden die Anlageprodukte nicht verstehen, dann sollen sie sie
nicht kaufen. Es hat sie ja keiner gezwungen. Und wenn sie sie kaufen
wollen, dann ist es ja wohl kaum in der Verantwortung der Banken, zu
sagen: " Also Herr Meier, wir glauben Sie sind zu doof das Produkt
zu verstehen. Aber ein Sparbuch, das verkaufen wir Ihnen gerne."
Und was die Deutsche Bank betrifft: Wann erkennt die Allgemeinheit
endlich einmal an, dass Herr Ackermann die DB zum einzigen Global Player
unter den Großbanken gemacht hat? Die Milliarden an Steuern in
Deutschland zahlt?
Nettes Beispiel um den mündigen Verbraucher in Haftung zu nehmen
Aber mal davon abgesehen, das 99% aller FAZ-Leser es nicht schaffen
würden das juristische Gewäsch eines Anlageproduktes zu
verstehen (und Gott behüte jemand hätte schlechte Augen, da
könnte man doch glatt das Kleingedruckte aber gleichzeitig das
wichtigste übersehen) ist ihr Beispiel mit dem Metzger eigentlich
sehr passend.
Denn wo heute Fleisch drauf steht, heißt noch längst nicht
das auch Fleisch drin ist. Und wenn der Metzger es nun schafft ein
Produkt zu entwickeln das aussieht wie Fleisch, schmeckt wie Fleisch
aber z.B. aus Korn besteht und komplett andere Nährwerte an den
Mann bringt, ist das schlicht und ergreifend Betrug. Mündiger
Verbraucher hin oder her. Das passiert sowohl in der
Nahrungsmittelindustrie als auch, wie wir das vernehmen durften, bei
Banken. Deswegen braucht es nicht nur einen mündigen Verbraucher,
sondern auch Kontrolle und im Falle von Mißbrauch saftige Strafen.
Und was letzteres anbetrifft gilt es noch einiges nachzuholen bevor es
zur Normalität zurückgeht
Ja, genau das ist es eben...
Sie haben Recht, die DB ist in kurzer Zeit von einer eher behäbigen
europäischen Bank zu einem der Top Player geworden. Das ist
Ackermanns Verdienst, das bestreitet niemand.
Was hier angesprochen wird ist der Flurschaden der dabei angerichtet
wurde.
Wer eine Makrele nimmt und daraus den Spitzenreiter im Haifischbecken
macht hat sicher seine Arbeit gut gemacht. Allerdings musste dafür
die Bank noch viel extremere Risiken eingehen als andere
Investmentbanken, die bereits in der ersten Liga angekommen waren. Die
Investment Banker der DB mussten sich noch viel mehr wie Haifische
gebärden um es an die Spitze zu schaffen. Nicht umsonst steckte die
DB bei jeder der schmutzigen Geschichten der letzten Jahre mit drin, und
zwar bis zur Halskrause.
Anshu Jain war bei allem dabei was stank, denn wer etablierte
Investmentbanker überholen will muss tief in die Trickkiste langen.
Das kommt langsam hoch; aber natürlich zahlt die DB viel Steuern.
Wäre ja noch schöner....
eben!
Steak ist nicht gleich Steak, da haben Sie völlig recht. Und wenn
ein Kilo Steak beim Discounter weniger kostet als ein Kilo Kartoffeln,
dann sollte sich der Kunde fragen, was er da gerade kauft. Tut aber
keiner, sonst würden Aldi & Co schon längst kein Fleisch
mehr verkaufen.
Wenn die IceSave den Kunden 14% Zinsen verspricht, während die
Sparkasse 2% zahlt, dann sollte sich der Kunde fragen, was er da
eigentlich kauft. Die Kunden waren nämlich genauso gierig wie die Banken!
Steak ist nicht gleich Steak
Lieber Herr Verteidiger,
Sie mögen ja in manchem Recht haben. Ihrem Vergleich halte ich
entgegen, dass ein Metzger
sehr wohl verantwortlich ist, wenn er minderwertige, verdorbene Steaks
verkauft, die er vielleicht vorher optisch aufgemöbelt hat.
Also: Der Vergleich hinkt. Wenn ich zum Metzger gehe, hab ich in der
Regel Vertrauen zu ihm.
Ein Steak zu kaufen ist aber wesentlich durchschaubarer als ein der
Kauff eines Anlageprodukts. Hier geht es nicht ohne Vertrauen ab, das
Vertrauen darin, dass der Vertreter der Bank mich seriös be
berät.
Früher war ich viele Jahre Kunde der Deutschen Bank, aber nach mehreren grottenschlechten ...
... Beratungen habe ich mich nachhaltig verabschiedet. Diese Bank wird mein Vertrauen niemals wieder gewinnen können und schon garnicht wenn Leute wie Herr Anshu Jain als Co-Vorstandsvorsitzender sozusagen die Chefrolle inne haben. Ich bin nur froh, daß mein angeborenes Mißtrauen gegen Banker mich immer vor Schaden bewahrt hatte. Und das geht so einfach: Immer wenn man mir etwas verkaufen will was ich nicht verstehe, dann lasse ich meine Finger davon.
Sie bringen hier einiges durcheinander Herr Frühauf!
Der letzte Absatz kann so nicht stehen bleiben! Den Kunden wurden keine
Produkte verkauft, mit denen sie gegen die Bank wetteten. Jedenfalls
nicht systematisch. Es ist eine Mär zu behaupten, dass die Bank auf
der Gegenseite saß und alles ein Nullsummenspiel war. Keine Bank
würde derartige Klumpenrisiken eingehen! Die Risiken wurden in den
Markt ausgelagert. An der Marge verdiente die Bank (z.t.
fürstlich). Bitte lassen Sie sich mal von einem Profi die Sache
näher erläutern!
Der Eigenhandel ist nur ein "Sündenfall" wenn er auf
Insider-Wissen basiert. Das war übrigens hierzulande jahrelang
völlig üblich und galt als allenfalls als Kavaliersdelikt! Es
spricht nichts gegen einen Eigenhandel, solange er klar aus dem
operativen Geschäft der Bank ausgegrenzt ist und ein klar
definiertes haftendes Kapital hat. Das Konstrukt eines Hedge-Fonds ist
hierfür wohl die beste Lösung. Und schlussendlich: Was ist
denn bitte so verwerflich daran ein Gewinnmaximierer zu sein?
@ T. Mirbach Gewinnmaximierer
solange Gewinn maximieren nicht mit Täuschung, leeren Versprechen (Lehmann), Betrug (Libor), Steuerflucht und Steuerhinterziehung (Steueroasen), Risiken eingehen, deren Verluste am Ende der Steuerzahler übernehmen muss, verbunden ist, das Ganze dann noch in einem halbwegs sozialverträglichen Rahmen stattfindet und der Gesellschaft als Ganzes einen Zusatznutzen stiftet, sprich, solange es sich um gute, ehrliche Arbeit handelt, ist gegen Gewinn Maximierung nichts einzuwenden. Jetzt müssen nur noch Häkchen gesetzt werden, hinter die Kriterien, die die Banken erfüllen oder besser, nicht erfüllen.
Erschreckend, dass sich der Kommentator der FAZ mit den Krokodilstränen ertappter Sünder zufrieden gibt. Wir leben in einer besonderen Zeit und einer besonderen Gesellschaft. Banken kaufen ihre kriminellen Mitarbeiter frei, indem Unsummen ( zu Lasten der Aktionäre) an Strafverfolgungsbehörden bezahlt werden. Die Schuldigen werden zum Dank befördert, bei der Deutschen Bank sogar zum CEO. Die Presse findet es toll und bejubelt die Einsicht derer, die sich durch solche Machenschaften ganz nach oben getrickst haben. Wenn solche Leute nicht endlich normal strafverfolgt werden und mit langen Gefängnisstrafen bestraft werden, wird sich nie etwas ändern. Reiche Betrüger haben keine Angst vor Geldstrafen. Lange Haftstrafen allerdings beeindrucken sie schon, kann man so doch die Früchte der Tricksereien nicht geniessen und muss obendrein noch fürchten Schaden an der eigenen Gesundheit zu nehmen. Wir würden sehen, das Getrickse und der Betrug wäre schnell beendet. Blose Appelle sind sinnlos.
Der Investmenthandel - unter anderem der Deutschen Bank - hat trotz der hehren Grundsätze von Ackermann unethisch gegen den König Kunde gehandelt.Hohe Boni der von Vorstand und Managern wurden eingestrichen, private Kunden, Kommunen und andere würden schon zahlen für Empfehlungen, die sie nicht verstanden; oft wohl auch die Verkäufer in den Banken nicht. In den USA sind laut WDR Gerichtsverfahren eingeleitet. Jain war vermutlich der Hauptverantwortliche. Wenn er jetzt bereut; warum scheidet er nicht ohne laufende Ansprüche und Rentenansprüche aus und zahlt einen angemessenen Betrag aus Gehalt und Boni zu Gunsten einer Stiftung für die Betrogenen? Da könnte er ein gutes Beispiel für zuständige Manager im eigenen (bisher) Haus und andere Kreditinstitute abgeben.
Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
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Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?