Home
http://www.faz.net/-gqe-791oa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Deutsche Bank-Chef kritisiert EZB „Die billige Liquidität ist nicht gesund“

 ·  Deutsche Sparer erleiden real Verluste, weil die Zinsen niedriger sind als die Teuerungsrate. Deutsche Bank-Chef Fitschen nennt das „nicht gesund“ und fordert die EZB auf, das zu ändern. Gegen mehr Konsum und weniger Sparen in Deutschland hat er aber nichts.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (15)

Der Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert. „Die billige Liquidität von der Zentralbank ist nicht gesund“, sagte Fitschen und forderte: „Wir sollten möglichst schnell dahin kommen, dass  die Realzinsen positiv werden.“ Damit bezieht er sich darauf, dass die Zinsen, die Kunden deutscher Banken derzeit auf ihre Spareinlagen bekommen, unterhalb der aktuellen Teuerungsrate liegen - also reale Verluste darstellen. Und dieses, obwohl die Inflationsrate in Deutschland nur leicht oberhalb von 1 Prozent liegt.

Dass die Deutschen wegen dieser negativen Realzinsen weniger sparen und mehr konsumieren, hieß Fitschen jedoch gut. „Ein bisschen mehr Konsum haben wir doch immer angemahnt“, sagte er: „Dagegen habe ich überhaupt nichts.“

Fitschen: Sinkende Bankgehälter werden wir wohl nicht erleben

Die Europäische Zentralbank hat infolge der weiterhin schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in vielen Mitgliedsländern der Währungsunion zuletzt den Leitzins abermals gesenkt. Er befindet sich mit nun 0,5 Prozent auf einem Rekordtief. Im Vorfeld dieser Zinsentscheidung hatte es eine Debatte über die Wirksamkeit dieses Instruments gegeben, in die sich sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eingemischt hatte. Merkel sagte vor Sparkassenvertretern, dass alleine mit Blick auf die Bundesrepublik der Leitzins eigentlich etwas höher sein müsse. Der Deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen argumentierte, der niedrige Zins komme dort, wo er gebraucht würde, derzeit überhaupt nicht an - in den Peripherieländern.

Die niedrigen Zinsen in allen Industrieländern sind Folge der Finanzkrise. Verändern werde sich wegen der Krise aber auch die Bankenbranche. Auf die Angestellten deutscher Banken sieht Jürgen Fitschen harte Zeiten zukommen. „Es wird nicht zu vermeiden sein, dass in einigen Bereichen weniger Personal benötigt wird“, sagte er der F.A.S. Dass die Gehälter sinken werden, glaubt er allerdings nicht. „Das werden wir wohl nicht erleben“, sagte er.

  Weitersagen Kommentieren (20) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Deflations-Angst EZB schmiedet Pläne gegen sinkende Preise

Was tun, wenn die Preise sinken? Die Europäische Zentralbank denkt offenbar nach, von Banken Geld für ihre Einlagen zu verlangen. Auch ein Anleihe-Kaufprogramm wird weiter ausgearbeitet. Mehr

19.04.2014, 14:01 Uhr | Wirtschaft
Inflation Preiserhöhungen sind so selten wie lange nicht

Sinkende Energiepreise drücken die Inflation auf den niedrigsten Stand seit August 2010. Schon im April könnten die Teuerungsraten jedoch wieder anziehen. Mehr

11.04.2014, 12:32 Uhr | Wirtschaft
Sparda Bank in Baden-Württemberg Noch eine Bank streicht die Überziehungszinsen

Die Bundesregierung will eine Warnpflicht für überzogene Konten einführen. Der Chef der Sparda-Bank in Baden-Württemberg hält das nicht für zeitgemäß. In Zeiten von Online- und Telefonbanking hätten die Kunden ihr Konto ohnehin jederzeit im Blick. Mehr

21.04.2014, 12:00 Uhr | Finanzen

11.05.2013, 15:49 Uhr

Weitersagen

Feuersturm in der Textilbranche

Von Stephan Finsterbusch

Ein Jahr nach dem verheerenden Kollaps der Rana-Plaza-Fabrik in Bangladesch haben Großunternehmen erste Verbesserungen erwirkt. Die Kassen des Opferfonds sind jedoch weiterhin halb leer. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll jeder Autofahrer 100 Euro extra zahlen, um unsere Straßen instand zu halten?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Haushaltspolitik Wo der Staat mit den größten Mehreinnahmen rechnet

Der Aufschwung in Deutschland lässt die Steuerquellen sprudeln. Allein im März haben Bund und Länder 55,4 Milliarden Euro eingenommen. Mehr 11 1