Home
http://www.faz.net/-gqe-791oa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Deutsche Bank-Chef kritisiert EZB „Die billige Liquidität ist nicht gesund“

Deutsche Sparer erleiden real Verluste, weil die Zinsen niedriger sind als die Teuerungsrate. Deutsche Bank-Chef Fitschen nennt das „nicht gesund“ und fordert die EZB auf, das zu ändern. Gegen mehr Konsum und weniger Sparen in Deutschland hat er aber nichts.

© Fricke, Helmut Vergrößern Jürgen Fitschen

Der Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert. „Die billige Liquidität von der Zentralbank ist nicht gesund“, sagte Fitschen und forderte: „Wir sollten möglichst schnell dahin kommen, dass  die Realzinsen positiv werden.“ Damit bezieht er sich darauf, dass die Zinsen, die Kunden deutscher Banken derzeit auf ihre Spareinlagen bekommen, unterhalb der aktuellen Teuerungsrate liegen - also reale Verluste darstellen. Und dieses, obwohl die Inflationsrate in Deutschland nur leicht oberhalb von 1 Prozent liegt.

Dass die Deutschen wegen dieser negativen Realzinsen weniger sparen und mehr konsumieren, hieß Fitschen jedoch gut. „Ein bisschen mehr Konsum haben wir doch immer angemahnt“, sagte er: „Dagegen habe ich überhaupt nichts.“

Fitschen: Sinkende Bankgehälter werden wir wohl nicht erleben

Die Europäische Zentralbank hat infolge der weiterhin schwachen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in vielen Mitgliedsländern der Währungsunion zuletzt den Leitzins abermals gesenkt. Er befindet sich mit nun 0,5 Prozent auf einem Rekordtief. Im Vorfeld dieser Zinsentscheidung hatte es eine Debatte über die Wirksamkeit dieses Instruments gegeben, in die sich sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eingemischt hatte. Merkel sagte vor Sparkassenvertretern, dass alleine mit Blick auf die Bundesrepublik der Leitzins eigentlich etwas höher sein müsse. Der Deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen argumentierte, der niedrige Zins komme dort, wo er gebraucht würde, derzeit überhaupt nicht an - in den Peripherieländern.

Mehr zum Thema

Die niedrigen Zinsen in allen Industrieländern sind Folge der Finanzkrise. Verändern werde sich wegen der Krise aber auch die Bankenbranche. Auf die Angestellten deutscher Banken sieht Jürgen Fitschen harte Zeiten zukommen. „Es wird nicht zu vermeiden sein, dass in einigen Bereichen weniger Personal benötigt wird“, sagte er der F.A.S. Dass die Gehälter sinken werden, glaubt er allerdings nicht. „Das werden wir wohl nicht erleben“, sagte er.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kommentar Gutes Geschäft und hohe Strafen für die Deutsche Bank

Das Geschäft läuft für die Deutsche Bank wieder ziemlich gut. Doch ihr drohen noch viele Strafen, und das drückt auf die Laune. Nicht jedes Bußgeld lässt sich von der Steuer absetzen. Mehr

29.07.2014, 14:23 Uhr | Wirtschaft
Amerikas Notenbank Eigennützige Rüge für die Deutsche Bank

Der amerikanische Steuerzahler hat nicht vergessen, dass er infolge der Finanzkrise 8,5 Milliarden Dollar an die Deutsche Bank zahlte. Droht nun eine ähnlich hohe Strafe für das Geldhaus? Mehr

23.07.2014, 16:59 Uhr | Wirtschaft
Espírito Santo Angst vor der Bankenpleite

Die Muttergesellschaft einer portugiesischen Bank ist pleite. Jetzt wächst die Angst vor einer Panik an der Börse. Experten versuchen zu beruhigen. Mehr

19.07.2014, 16:12 Uhr | Finanzen

Fluch der bösen Tat

Von Carl Moses

Wieder droht Argentinien eine Schuldenkrise. Das ist nicht zuletzt dem rabiaten Umgang mit den Gläubigern nach der letzten Krise zuzuschreiben. Mehr 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Wirtschaft in Zahlen Der Taxi-Markt konzentriert sich

Uber schreckt die Taxis auf. Die etablierten Unternehmen verteidigen ihre Pfründe – in einem Markt, der sich immer weiter konzentriert. Mehr