Das letzte Wort scheint Josef Ackermann gern zu haben. Und zieht offenbar lieber die Konsequenzen, als sich mit dem zweiten Platz zufrieden zu geben. Unter seiner Ägide wird sich zeigen, ob die Deutsche Bank international zu den Spitzeninstituten aufschließen kann, oder ob die größte deutsche Bank weltweit ins Mittelfeld abdriftet.
Mit der Hauptversammlung an diesem Mittwoch übernimmt der Schweizer offiziell von Rolf Breuer die Verantwortung als Vorstandssprecher. Bis jetzt hat sich Ackermann, der den Investmentbanker angelsächsischen Typs verkörpert, eher im Hintergrund gehalten, aber schon durchaus einige Weichen für die Zukunft gestellt. So werden etwa die Strukturen in der Deutschen Bank radikal umkrempelt. Der Vorstand wird wesentlich kleiner als zu Breuers Zeiten, Ackermanns Wort gewichtiger.
Der geschrumpfte Vorstand soll sich zukünftig nur noch um die zentralen Funktionen wie Finanzen und Risikostreuung kümmern. Das operative Geschäft untersteht dann dem Exekutivkomitee, dem neben den Vorstandsmitgliedern die sieben Leiter der weltweit ausgerichteten Geschäftsbereiche angehören. Dass Ackermann beiden Gremien vorsteht, verleiht ihm eine Machtfülle, die einem amerikanischen Chief Executive Officer (CEO) gleicht.
Steiler Aufstieg in der Schweiz
Eine Rolle, die Ackermann liegt. In seiner bisherigen Laufbahn hat sich der 54-Jährige stets zielstrebig nach oben gekämpft. Nach der Promotion über den „Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen“ kehrte er der Elitehochschule St. Gallen den Rücken und begann 1977 seine Laufbahn bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA). Während der Wandlung des Instituts zu einem international ausgerichteten Finanzkonzern absolvierte der Arztsohn eine steile Karriere mit Stationen in New York und London. Mit 42 Jahren rückte er in die Generaldirektion auf, drei Jahre später war er Präsident der SKA.
Branchenkenner sahen Ackermann bereits auf dem Sprung an die Spitze der SKA-Muttergesellschaft, der Credit Suisse Group, als Nachfolger des Patriarchen Rainer Gut. Dieser soll Ackermann stets mit einem Lächeln im Gesicht begegnet sein, seitdem „Joe“, wie er sich seit seiner Studentenzeit rufen lässt, mit der Übernahme der Schweizerischen Volksbank 1993 einen strategisch wichtigen Deal einfädelte. Mitarbeiter und Weggefährten sagen ihm strategisches Geschick, gutes Timing und gewaltige Überzeugungskraft nach.
Überraschender Wechsel zu Deutschen Bank
Doch Unstimmigkeiten mit dem obersten Bankmanager über die weitere strategische Ausrichtung des Konzerns führten offenbar zum Rückzug Ackermanns. Im Juli 1996 verließ er für viele überraschend die Schweiz. Kurze Zeit später, im Herbst, übernahm Ackermann bei der Deutschen Bank als Vorstandsmitglied verschiedene Geschäftsbereiche. Über die Gründe des Wechsels äußerte er sich nie öffentlich.
In Frankfurt fand Ackermann in dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper einen engen Vertrauten und galt bald als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge Breuers. Welche Hausmacht er hinter sich aufgebaut hatte, wurde mit der geplatzten Fusion der Deutschen und Dresdner Bank im Frühjahr 2000 deutlich. Das von Breuer eingeleitete Zusammengehen scheiterte an den Auffassungen über die Zukunft des Investmentgeschäfts der Dresdner. Ackermann hatte offenbar Einspruch eingelegt.
Schon vor der offiziellen Übergabe hat Ackermann mit dem Umbau der Deutschen Bank begonnen. Industriebeteiligungen sollen verschwinden, der Börsenwert des Unternehmens steigen, hieß es vor einigen Wochen. Kann der Schweizer seinen bisherigen Kurs fortsetzen, profitiert die Deutsche Bank - oder Ackermann zieht die Konsequenz.