13.02.2012 · Der jahrelange Rechtsstreit zwischen den Erben des Kirch-Imperiums und der Deutschen Bank ist fast beigelegt. Geplant ist, dass die Bank den Kirch-Erben knapp 800 Millionen Euro zahlt. Damit wären alle Schadenersatzforderungen erledigt.
Von Henning PeitsmeierZehn Jahre nach der spektakulären Pleite des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch stehen dessen Erben vor einer Einigung mit der Deutschen Bank. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll die Deutsche Bank bereit sein, der Kirch-Seite und ihrem Insolvenzverwalter rund 800 Millionen Euro als Schadensersatz zu zahlen. Weder von der Bank noch aus dem Umfeld von Kirch gab es dafür eine Bestätigung. Angeblich soll der Vertrag unterschriftsreif sein. Mit dessen Unterzeichnung sei am Mittwoch zu rechnen, hieß es. Dann würden beide Seiten einen Schlussstrich unter eine Dauerfehde ziehen, und Vorstandschef Josef Ackermann könnte seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Deutsche Bank ohne die Kirch-Altlast übergeben.
Leo Kirch, der vor sieben Monaten starb, hatte mit seiner Münchner Film- und Fernsehgruppe im April 2002 Insolvenz angemeldet und die Schuld daran der Deutschen Bank und deren damaligem Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer gegeben. Deswegen begann Kirch eine Serie von Prozessen. Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt hatte Kirch im März vorigen Jahres vor dem Münchner Landgericht, es war eine Verhandlung vor dem 5. Zivilsenat, die den damals Vierundachtzigjährigen noch einmal mit seinen Gegnern zusammenbrachte. Kirch, im Rollstuhl sitzend, fast gänzlich erblindet und schwer zuckerkrank, wiederholte seine Anschuldigungen.
Tags zuvor hatte der zuständige Richter Guido Kotschy beiden Parteien einen Vergleich von 775 Millionen Euro vorgeschlagen. Damals lehnte die Bank noch ab. An Kotschys Vorschlag orientiert sich die neue Einigung, die angeblich auf Vermittlung von Clemens Vedder zustande gekommen sein soll. Der Unternehmer und Finanzinvestor kennt Fitschen persönlich, beide sind Nachbarn auf Sylt.
Vedder wurde vor gut zehn Jahren schlagartig bekannt, als er die Commerzbank kaufen wollte. Sein Hedgefonds Goldsmith Capital Partners soll auch in den Streit zwischen der Ergo-Versicherung und früheren Vertretern verwickelt gewesen sein. Dort scheiterte die Schlichtung allerdings, und danach kamen die pikanten Details um Lustreisen und Falschberatungen an die Öffentlichkeit.
Im Streit zwischen Kirch und der Deutschen Bank blieben Schlichtungsversuche stets ohne Ergebnis. Wiederholt sollen Kompromisse sondiert worden sein, einmal hätten beide Seiten sogar schon per Handschlag das Ende der Auseinandersetzung besiegeln wollen, wird kolportiert. Insgesamt machte Kirch die Deutsche Bank für einen Schaden von 3,6 Milliarden Euro verantwortlich.
Immer wieder versuchten Richter zu klären, was zwischen den Jahren 2001 und 2002 genau geschah, bevor Kirch Pleite machte. Wollte die Deutsche Bank das Medienimperium ihres Kreditkunden zerschlagen? Gab es heimliche Absprachen wegen Kirchs Springer-Aktien, die für einen Kredit bei der Bank als Pfand hinterlegt waren? Und welche Rolle spielte ein Abendessen in Hannover, an dem damals Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, der inzwischen verstorbene WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann und eben Deutsche-Bank-Chef Breuer teilnahmen?
All diese Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben, sollten beide Seiten sich nun einigen. Für die Beteiligten der Deutschen Bank würde es keine juristischen Nachspiele mehr geben. Erst im Dezember wurde ein Strafverfahren gegen Breuer wegen versuchten Prozessbetrugs eingestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Ackermann-Vorgänger unterstellt, im Verlauf der Kirch-Verfahren wahrheitswidrige Angaben über sein Wissen zum Kreditengagement der Bank gemacht zu haben. Breuer musste 350.000 Euro zahlen. Auch Ackermanns Abgang wird durch ein Ermittlungsverfahren überschattet. Ermittler haben deshalb sein Büro durchsucht. Dieses Verfahren dauert noch an.
Ja ja, der Herr Ackermann,
Birgit Zendel (BAZen)
- 14.02.2012, 07:23 Uhr
es gibt einige Kommentatoren
Michael Wagner (comic)
- 13.02.2012, 19:48 Uhr
an dem damals Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bertelsmann-Chef
Thomas Middelhoff ...
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 13.02.2012, 18:45 Uhr
Ich sage immer,
Horst Ziegler (pacificatore)
- 13.02.2012, 17:22 Uhr
Schade daß die Deutsche Bank einknickt
Ralph Kyritz (kyritz)
- 13.02.2012, 17:16 Uhr
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