http://www.faz.net/-gqe-884mt

Automobilindustrie : Der VW-Skandal – Futter für die Dieselkritiker

Hier glänzt der Diesel-Motor – auf einer Autoshow in Los Angeles Bild: AP

Nur mit dem Diesel lassen sich die Klimaschutz-Ziele erreichen, sagt die Autoindustrie. Doch die Abgas-Manipulation bei Volkswagen offenbart die Probleme dieses Antriebs – und die Schwächen der Schadstoff-Kontrollen.

          Die Manipulation der Abgaswerte durch VW hat wenig zu tun mit den tatsächlichen Qualitäten eines Diesel-Antriebs – aber die Kritiker nutzen ihre Chance, gegen den Diesel Stimmung zu machen. Die Deutsche Umwelthilfe forderte umgehend ein Fahrverbot für Diesel in Autos, und stürzt damit auch die Kunden in Verwirrung: Ist das eigene Auto eine Dreckschleuder? Bald mehr oder weniger wertlos? Auch für die Gesamtwirtschaft ist das Thema nicht ohne: Jedes zweite Auto, das in Europa zugelassen wird, ist ein Diesel.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Besonders betroffen wäre von einer Diesel-Krise der Autozulieferer Bosch als unangefochtener Marktführer. „Bei uns sitzen viele schlaue Köpfe zusammen und bewerten die Lage. Aber für eine Beurteilung ist es zu früh“, sagte ein Bosch-Sprecher am Montag. Dass Bosch irgendeine Mitschuld tragen könnte am VW-Manipulationsskandal, weist man in Stuttgart weit von sich. Zwar beziehen viele Autohersteller mit dem Dieselsystem von Bosch auch die Motorsteuerung – auch VW gehört zu den Kunden. Doch die dort installierte Software ist nur eine Art Grundausstattung. Die Details werden von den Herstellern je nach Ausstattung des Fahrzeugs und gewünschter Fahrdynamik selbst programmiert. Über diese Umprogrammierungen habe Bosch keine Kenntnis.

          In Punkto Reichweite und Ressourcenschonung ist der Diesel aktuell der beste Antrieb für ein Fahrzeug, lautet das Credo bei Bosch. Auch der Automobilverband VDA stößt in dieses Horn: „Der moderne Diesel ist für die weitere CO2-Reduzierung ein ganz wichtiger Baustein. Ohne den Diesel sind die anspruchsvollen CO2-Ziele in Europa nicht zu erreichen.“

          Dieselquote in Europa: 50 Prozent. In Amerika: 3 Prozent

          In Europa hat die Autobranche mit dieser Botschaft längst Erfolg, jeder zweite Neuwagen hier ist ein Diesel. Mit knapp 48 Prozent Diesel-Anteil lag Deutschland sogar unter dem Durchschnitt. In Belgien, Frankreich und Spanien werden Diesel-Quoten von deutlich über 60 Prozent erreicht. Ganz anders in den Vereinigten Staaten. Gerade einmal 3 Prozent hat dort der Marktanteil laut dem dortigen Automobilverband erreicht. Bis zum Ende der Dekade dürfte die Diesel-Quote auf 10 Prozent steigen, erwartet man bei Bosch – das böte erhebliches Umsatzpotential.

          Doch die aktuellste Prognose des Autozulieferers ist auch schon zwei Jahre alt. Seither hat man sich mit konkreten Aussagen zurückgehalten, schon weil der Preisverfall an den Ölmärkten erhebliche Auswirkungen auf die Bereitschaft hat, ein Dieselauto zu kaufen. Während in Deutschland Diesel an den Tankstellen immer deutlich günstiger ist als Benzin, ist das in Amerika umgekehrt. Da muss man schon rechnen, um zu erkennen, dass der Antrieb auf Dauer dennoch der günstigere ist. Abgesehen davon hegt man in Amerika offenbar die alten Vorurteile, dass der „Knattermotor“ bei Minusgraden oder Hitze – also in Alaska oder Texas – so seine Probleme hat.

          Die Autoindustrie hält dagegen: Bis Ende dieses Jahres sollen in Amerika 52 Modelle in der Dieselvariante erhältlich sein, bis Ende 2018 sind 87 Modelle angekündigt. Immer häufiger sind auch Modelle darunter, wie sie die typische amerikanische Klientel wünscht, etwa der große Geländewagen Jeep Grand Cherokee oder der Titan, ein Pickup von Nissan. Und die „Take-Rate“ wächst, das heißt der Anteil jener, die sich für einen Diesel entscheiden, wenn es das gewünschte Modell in dieser Antriebsvariante gibt, ist in neuerer Zeit von 10 auf 30 Prozent gestiegen. Das passt zu den Zahlen von VW, wo offenbar von den verkauften Modellen jedes vierte Auto als Diesel verkauft wurde.

          Weitere Themen

          Bye Bye freies Internet Video-Seite öffnen

          Netzneutralität in Amerika : Bye Bye freies Internet

          Die Entscheidung ist ein Rückschlag für Google & Co und könnte das Internet nachhaltig verändern. Donald Trump und seine Regierung schaffen damit die der Obama-Regierung eingeführte Gleichbehandlung aller Daten im Netz ab.

          Topmeldungen

          Chinas Einfluss : Die Schlinge in Hongkong zieht sich zu

          Lange haben sich die Bewohner Hongkongs gegen den Einfluss Chinas gewehrt. Selbst bei Regen gingen sie auf die Straße, um demokratische Rechte einzufordern. Nun erhöht China den Druck.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.