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Zeitkonsistenz : Warum gute Vorsätze so selten halten

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

Eine Diät einzuhalten oder mit dem Rauchen aufzuhören - viele Menschen scheitern daran. Dass wir gute Vorsätze so oft brechen, bringt auch die Ökonomen in Verlegenheit.

          Eine gescheiterte Diät ist nicht nur eine Niederlage für denjenigen, der abnehmen wollte, sondern auch für die ökonomische Theorie: Wenn man heute beschließt, dass eine Diät nutzenmaximierend ist, warum ändert man diesen Entschluss später, wenn es darangeht, die Diät in die Tat umzusetzen?

          „Zeitinkonsistenz“ nennen Ökonomen das Problem gebrochener guter Vorsätze: Ob man die Kalorien reduzieren will, mit dem Rauchen aufhören oder für das Alter vorsorgen möchte oder mit dem Sport anfangen will - der heute gefasste Entschluss fällt allzu oft den Schwächen von Morgen zum Opfer. Mit der traditionellen ökonomischen Theorie lässt sich dieses verbreitete menschliche Verhalten nicht vereinbaren. Dort werden solche Entscheidungen mit Hilfe des sogenannten „discounted-utility“-Modells gefällt, dem Goldstandard der traditionellen Ökonomie, wenn es darum geht, die Präferenzen von Menschen über längere Zeiträume hinweg zu modellieren. Die Grundidee des DU-Modells besteht darin, dass Menschen ihren Gesamtlebensnutzen maximieren. Und da sie gegenwärtigen Konsum dem zukünftigen Konsum vorziehen, „diskontieren“ sie den Konsum späterer Perioden. Das heißt, sie zinsen ihn auf die Gegenwart ab, gewichten ihn also mit einem Faktor kleiner eins.

          Wenn die Diät ansteht, wiegen aktuellen Entbehrungen schwerer

          Eine der wichtigsten Implikationen dieses Modells ist Zeitkonsistenz: Eine Entscheidung zwischen zwei zeitlich verschiedenen Optionen ändert sich nicht, wenn man beide Optionen um die gleiche Zeitspanne verschiebt. Wer also heute bekundet, dass er lieber 13 Monate auf 110 Euro wartet statt 12 Monate auf 100 Euro, der wird (oder sollte) nach Ablauf der 12 Monate abermals lieber in einem Monat 110 Euro statt sofort 100 Euro wählen. Viele Experimente aber legen nahe, dass sich Menschen nicht so verhalten: Sie bevorzugen die 110 Euro in 13 Monaten statt 100 Euro in 12 Monaten; zugleich aber wollen sie lieber 100 Euro heute statt der 110 Euro in einem Monat - sie verhalten sich zeitinkonsistent.

          Genau dieses zeitinkonsistente Verhalten legen Menschen an den Tag, wenn sie ihre Diäten nicht einhalten oder andere gute Vorsätze beerdigen: Heute entscheiden Sie, dass der künftige Nutzen der Diät größer ist als die aktuellen Nachteile (sie ziehen also die 110 Euro in 13 Monaten den 100 Euro in 12 Monaten vor), doch wenn es zum Schwur kommt und die Diät ansteht, wiegen ihre aktuellen Entbehrungen schwerer als der künftige Nutzen (man greift zu den 100 Euro heute, statt einen Monat auf 110 Euro zu warten). Wer also seine guten Vorsätze nicht umsetzt, verhält sich aus traditionell-ökonomischer Perspektive „inkonsistent“.

          Die Abzinsung der Summe wird größer, wenn das Jahr zerlegt wird

          Die neuere Forschung zur Ökonomie der Zeit, inspiriert von den Ideen der Psychologie, versucht diesen Befund durch ein alternatives Modell zu erklären, das sogenannte hyperbolische Diskontieren. Die Idee ist, dass Menschen auf kurze Frist sehr ungeduldig sind, zu einem Aufschub ihres Konsums also nur gegen eine hohe Prämie bereit sind; auf lange Frist hingegen sind sie geduldiger und verlangen eine vergleichsweise geringere Kompensation für einen Aufschub. So ließe sich erklären, warum Menschen gute Vorsätze fassen, sie aber nicht einhalten, wenn der Moment der Versuchung naht: Wer heute eine Diät beschließt, tut dies mit Blick auf ihren künftigen Nutzen, der ihm hoch genug erscheint. Doch steht man unmittelbar vor der Wahl, ein schönes Mittagessen einzunehmen oder zu fasten, erscheint der künftige Nutzen aus der Diät nicht hoch genug, um für den gegenwärtigen Konsumverzicht zu entschädigen - also verstößt man gegen den Diätvorsatz. Alles dieses lässt sich mit Hilfe hyperbolischer Diskontfunktionen darstellen, wenngleich auch dieser Ansatz nicht ohne Kritik bleibt.

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