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Der Staat schlägt Alarm : Junge Japaner scheuen Ehe und Kinder

Immer weniger Japaner finden zusammen, immer mehr bleiben alleine Bild: dapd

Bald schon werden in Japan fast 30 Prozent der Männer und jede vierte Frau ihr Leben lang Single bleiben - das hat Folgen für die Wirtschaft.

          Immer mehr Japaner und Japanerinnen wollen nicht mehr heiraten und verzichten auf Kinder. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hat das dramatische Folgen. Das geht aus einer Studie des Ökonomen Masataka Maeda vom Japan Center for Economic Research hervor, die jetzt in Tokio vorgestellt wurde. Die amtlichen Zahlen seien besorgniserregend, schreibt Maeda. Fast 30 Prozent der japanischen Männer, die 2030 älter als 50 Jahre sein werden, werden dann ihr ganzes Leben lang Single gewesen sein, zeigen Studien des Gesundheits- und Arbeitsministeriums.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Bei den Frauen erwarten die Wissenschaftler, dass 23 Prozent bis zu ihrem 50. Lebensjahr nicht heiraten werden. Noch vor 20 Jahren, als Japans Wirtschaft kräftig wuchs, lag die Quote der Unverheirateten in dieser Altersgruppe bei weniger als fünf Prozent. In Japan bedeutet die Abkehr von der Ehe, dass diese Menschen auch keine Kinder bekommen. Uneheliche Kinder sind in dem ostasiatischen Land gesellschaftlich geächtet und deswegen so selten, dass sie statistisch nicht ins Gewicht fallen.

          Und auch die verheirateten Paare bekommen nicht mehr so viele Kinder wie früher. Am Freitag (Ende Oktober) schlugen die Behörden Alarm. Zum ersten Mal sank die Zahl der Kinder in den japanischen Familien unter zwei, 1,96 waren es nach den neuesten Zahlen der Regierung 2010. 1959 hatte eine Familie in Japan im Durchschnitt noch vier Kinder, in den 60er Jahren 3 und 2005 immerhin noch 2,09. Verantwortlich für den Geburtenrückgang ist aber vor allem die wachsende Zahl der Unverheirateten, die überhaupt keine Kinder mehr bekommen. Keine Gesellschaft altert so schnell wie die japanische. Im September meldete die Regierung, dass 29,8 Millionen Japaner älter sind als 65. Das entspricht 23,3 Prozent der gesamten Bevölkerung. Japan ist damit bereits eine, wie der Leiter des Deutschen Instituts für Japanstudien, Florian Coulmas feststellt, „hyperalte Gesellschaft.“ Mit dem Altersdurchschnitt sinkt die Geburtenrate, 1,2 bis 1,3 Kinder gebärt eine japanische Frau im Durchschnitt, so wenig wie in kaum einem anderen Land der Welt. In der Hauptstadt Tokio liegt die Quote sogar bei nur 1,0. Die Neigung der jungen Menschen, nicht mehr zu heiraten, ist fatal für eine alternde Gesellschaft, deren wirtschaftliche Dynamik jetzt schon spürbar nachgelassen hat.

          „Wie bekommen wir noch einen Ehemann?“

          „Ein wachsender Anteil von Unverheirateten hat natürlich Auswirkungen auf die Geburtenrate, die eine alternde Gesellschaft wie Japan unbedingt steigern müsste“, sagt Maeda. 19,1 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen in Japan, die heute 50 Jahre alt sind, haben nach Statistiken aus diesem Jahr den Weg zum Traualtar nicht gefunden. Dass es bei den Frauen 2030 bereits doppelt so viele sein werden, sind nicht nur vage Schätzungen - die Grundlagen dafür sind heute bereits gelegt. Mehr als die Hälfte der Frauen über 30 sind nicht verheiratet und kinderlos, und bei den meisten wird es so bleiben. Tomoko und Mika aus Tokio zum Beispiel. Beide Frauen sind gut ausgebildet, haben einen sicheren, guten Job, sind 34 Jahre alt - und haben keinen Mann. Es ist nicht so, dass sie nicht heiraten wollten. „Wenn wir zusammen ausgehen, haben wir fast nur ein Thema“, berichtet Tomoko. „Wie bekommen wir noch einen Ehemann?“ Es sei aber schwer, den Richtigen zu finden. Japanische Männer seien entweder zu traditionell und erwarteten, dass die Frau ihren Beruf aufgibt und später die Schwiegereltern pflegt. Oder sie haben keinen sicheren Arbeitsplatz. „Makeinu“ werden Frauen wie Tomoko und Mika in Japan genannt, frei übersetzt bedeutet das soviel wie verlorene Hunde, Loser. In der konservativen japanischen Gesellschaft gelten diese Frauen als Versager, trotz ihrer Erfolge und obwohl es wichtig ist, dass gerade solche erfolgreichen Frauen eine Familie gründen. Ökonom Maeda sieht einen Grund für die Heiratsscheu darin, dass immer mehr junge Japaner in sogenannten prekären Jobs arbeiten.

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