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Der Rohstoffhändler Glencore arbeitet am Rand der Legalität

24.05.2011 ·  Die Aktienkäufer wurden auf Korruption hingewiesen / Aus Rücksicht auf amerikanische Anleger auf das Geschäft mit Iran verzichtet / Kritik am Börsenlisting

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bes. LONDON, 24. Mai. Der offizielle Handel von Glencore-Aktien an der London Stock Exchange (LSE) hat begonnen. Noch am Dienstagabend wurde der Wert nach der größten Börseneinführung in London in den Aktienindex FTSE 100 aufgenommen. Glencore wurde im Rahmen des "Premium Listing" an der LSE eingeführt. Doch Goldstandard hin oder her: Seit der umstrittenen Börseneinführung des russischen Konzerns Rosneft hat es in London nicht mehr so viel Kritik gehagelt wie bei der Börseneinführung von Glencore. Die Vorwürfe von Umweltorganisationen und kritische Berichte der Medien über vermeintliche Korruption, Steuerhinterziehung, Marktmanipulation und Verstöße gegen Umweltvorschriften reißen nicht ab.

Zum Geschäft von Glencore gehört es, physische Ware um den Erdball zu transportieren, also Rohstoffe am Markt billig einzukaufen und dort abzusetzen, wo ein höherer Preis ausgenutzt werden kann. Dies funktioniert umso besser, je früher die Händler von Glencore über eine Über- oder Unterversorgung der Märkte informiert sind - am besten, bevor die Konkurrenz es weiß. Dies erklärt die oft monierte Verschwiegenheit des Geschäftes.

Da Rohstoffe weitgehend von Ländern in Afrika oder dem Nahen Osten oder von Russland und China gehandelt werden, die es mit Korruption, Menschenrechten und Umweltschutzbestimmungen nicht so genau nehmen, bewegt sich das Geschäft von Glencore mitunter hart an der Grenze der Legalität.

Die Vorwürfe zahlreicher Umweltgruppen gegen Glencore lauten: Verstoß gegen die Menschenrechte und unwürdige Arbeitsbedingungen in Bergbauminen zum Beispiel in Kongo; schwere Umweltschäden durch Kupferminen in Sambia oder Wasserverschmutzung in Bolivien; extreme "Steuervermeidung" in den Schwellenländern, zum Beispiel in Sambia, und immer wiederkehrende Korruptionsvorwürfe. So wird in Belgien gegen die Niederlassung Glencore Grains Rotterdam ermittelt, die den holländischen Mitarbeiter der EU, Karel Brus, bestochen haben soll, um Insiderinformationen über Getreidepreise und -quoten zu erhalten. Viele Vorwürfe werden von Glencore bestritten oder relativiert.

In London heißt es, Lord Brown, der ehemalige Chef von BP, habe den Posten des Chairman von Glencore dennoch wohlbedacht abgelehnt, bevor Simon Murray, ein im Ausland lebender Veteran der Rohstoffbranche, berufen wurde.

Läutert die Börseneinführung die Geschäfte von Glencore? Im vergangenen Januar beendete der Konzern seine umfangreichen Benzinlieferungen an Iran. Grund waren angeblich nicht nur Drohungen der amerikanischen Regierung, sondern auch die Furcht, die Glencore-Aktien nach der Börseneinführung nicht bei amerikanischen Investoren absetzen zu können.

Teil der Börseneinführung ist die Veröffentlichung eines Prospektes, der eine Warnung an Investoren über Risiken des Geschäftes enthalten muss. In diesem Risiko-Bericht wird zum Beispiel eingeräumt, dass die Schwefeldioxid-Abgase der Mopani-Kupferminen in Sambia "ununterbrochen" die Grenzwerte überschritten und es die Minen versäumt hätten, fristgerecht die Umweltbelastungen zu reduzieren. Der Bericht beschreibt auch, dass illegal Abwässer in Flüsse eingeleitet worden seien mit entsprechender Grundwasserverseuchung.

Der Risikobericht widmet sich auch dem Thema Betrug und Korruption. Nicht nur wird auf den belgischen Korruptionsfall verwiesen, sondern es wird betont: "Glencores Vermarktungsaktivitäten sind weit verzweigt. Dies bedeutet, dass illegale oder versehentliche Transaktionen schwer zu erkennen sind. Außerdem sind einige von Glencores Produktionsstätten in Ländern angesiedelt, in denen es bekannterweise Korruption gibt." Eine der für die Börseneinführung mitverantwortlichen Banken, UBS, wird zudem von der "Financial Times" mit einem internen Bericht an Investoren zitiert. Dieser Bericht nimmt auf profitable Eigenhandelsgeschäfte Bezug, die Glencore mit Weizen tätigte, als Russland vergangenes Jahr sein Exportverbot verhängte und Glencore davon "extrem zeitig" Kenntnis erhalten habe.

Das Londoner Premium-Listing bedeutet, dass sich ausländische Konzerne mindestens den gleichen Qualitätsstandards unterwerfen müssen, die für Börseneinführungen in der Europäischen Union gelten - allein schon, um europäische Unternehmen nicht zu benachteiligen.

Im Sommer tritt zudem das britische Anti-Korruptions-Gesetz in Kraft, der Bribery Act 2010. Er wird in juristischen Kreisen als das härteste Korruptionsgesetz der Welt eingestuft. Für jedes Unternehmen, das in Großbritannien auch nur tätig ist, wird es dann eine Straftat sein, zu bestechen oder sich bestechen zu lassen - und zwar überall auf der Welt. Selbst Bestechungen einer Konzern-Niederlassung in Afrika sind dann in Großbritannien strafbar. Unternehmen wie Glencore müssen dann nachweisen, dass sie "angemessene Vorkehrungen" zur Korruptionsprävention treffen. Umweltgruppen kritisieren freilich, dass Gemeinschaftsunternehmen - wie zahlreiche Bergbauaktivitäten von Glencore in Afrika - nicht von dem Gesetz erfasst würden.

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