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Digitale Welt : Der PC stirbt einen schönen Tod

Schüler am Tablet: Mobile Kreativität Bild: dpa

Auf einen PC kommen inzwischen fünf verkaufte Smartphones. Die Welt wird nicht nur digitaler, sondern auch immer mobiler. Es ist ein dramatischer Wandel voller Chancen – und Gefahren.

          In anderen Branchen wäre das ein Desaster, auf dem Markt der Computer und Handys aber erzählen die jeweils jüngsten Marktzahlen nur einen Teil der Geschichte: Schon im sechsten Jahr in Folge ist der Absatz von Laptops und Desktop-Computern gesunken. Das hat das Marktforschungsunternehmen Gartner ausgerechnet.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Der Verfall ist dramatisch. Im vergangenen Jahr wurden nur noch rund 260 Millionen Computer verkauft, nur vier Jahre zuvor waren es noch 60 Millionen mehr. Besonders gravierend: Auf jeden Computer entfallen inzwischen ungefähr fünf neu verkaufte Smartphones – die aber kommen meist von anderen Herstellern als Desktops und Laptops. Das mag für manchen Anbieter bitter sein. Doch die nackten Zahlen sind eben nur das eine. Denn für die Nutzer ist die dramatische Entwicklung ein Segen.

          Kreativ-Werkzeuge

          Warum? Sie können aus einem Meer neuer Möglichkeiten schöpfen und tun das auch. Sie sind jederzeit digital mobil, was sich in den Nutzerzahlen aller Webseiten zeigt. Denn die sind jederzeit dazu in der Lage, zu messen, ob sie von einem stationären oder einem mobilen Endgerät angesurft werden. Ob ein Onlinehändler wie Otto oder eine Webseite wie FAZ.NET: Die Mehrzahl der Nutzer kommt mobil.

          Die These aber, dass wir uns angesichts des Siegeszugs der Handys und der Tablets allesamt zu faulen Sofa-Internetsurfern entwickeln würden, die müde die Finger über den Programmen auf einem iPhone, iPad oder vergleichbaren Geräten mit dem Betriebssystem Android kreisen lassen, hat sich als Quatsch erwiesen. Das war zur Einführung der Geräte unterstellt worden. Tatsächlich sind die neuen Geräte auch Werkzeuge großer Kreativität: Sie schaffen Musik, Kunstwerke oder auch nur kreative Geschichten in Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Snapchat. Der Wandel ist gewaltig. Doch im Geschäft mit der Informationstechnologie ist er normal.

          So zeigt sich am Absturz der PCs, am Siegeszug der Handys und Tablets und am immer dichteren Spinnennetz der digitalen Datenwolke Cloud abermals vor allem eins: Nur wenige Branchen stehen unter einem derartigen Innovationsdruck wie die Informationstechnologie. Es handelt sich um die Branche, in der nur die Paranoiden überleben, wie es der frühere Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers Intel, Andy Grove, einmal treffend formuliert hat.

          Das Gute daran ist, dass man sich deshalb auch künftig keine allzu großen Sorgen darüber machen muss, ob Apple, Microsoft & Co. auch künftig noch durch Wettbewerber in Schach gehalten werden. Denn dafür sorgt ein so wettbewerbsintensiver Markt wie dieser von ganz allein. Wer glaubt, dass das Alte das Bessere sein könnte, wird hier stetig eines Besseren belehrt: Dass es sich nicht lohnt, der Vergangenheit hinterher zu trauen. Und dass ein jeder, Anbieter von Websites, aber auch die Hersteller der Hardware, die Möglichkeiten nutzen müssen, die ihnen dieser technische Wandel bietet.

          Status-quo ist für Anbieter gar nicht so unattraktiv

          Zudem: Der Status-quo ist für die Anbieter gar nicht so unattraktiv. In nicht wenigen deutschen Familien gibt es längst nicht mehr nur einen, sondern mehrere Computer. Und die Geräte sind agiler denn je. Denn sie sind in er allermeisten Fällen standardmäßig mit der Cloud verknüpft, synchronisieren sich auf diesem Weg selbständig. Und, auch das fließt in die Marktzahlen ein: Die Betriebssysteme für die klassischen PCs setzen nicht mehr so wie früher den frühzeitigen Austausch der Altgeräte voraus, da sie eher sparsamer mit den Ressourcen der Rechenleistung umgehen. Immer mehr Nutzer haben nun aber ein Abo für Speicherplatz in der Cloud oder für ein Office-Paket, dessen Lizenz jährlich erneuert wird - und das ebenfalls Speicherplatz in der Cloud bietet. Dieser Rechner läuft und läuft und läuft. Denn die Cloud ist ohnehin stets aktuell.

          Anders sieht es, jedenfalls mit Blick auf das Tempo, in dem die Hardware veraltet, in der so dynamisch wachsenden mobilen Welt aus: Hier werden Akkus alt, und die Innovationsgeschwindigkeit ist eine andere. Die Diskussionen rund um das Thema  „geplante Obsoleszenz“ zum Beispiel von Apples iPhones zeigen es. Viel entscheidender aber: Diese elektronischen Allzweckwaffen können in der Hand ihrer Nutzer immer mehr. Die Investition in schnellere Prozessoren und damit neue Geräte erscheint vielen sinnvoll; ein früherer Austausch wird attraktiv.

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          Wie wird es weitergehen? Zum einen: Die Computerhersteller, die früh darauf geachtet haben, nicht nur PCs, sondern auch die Netzwerkrechner (Server) für die Rechenzentren zu bauen, welche die Cloud am Leben halten, müssen nicht unbedingt schlechter dastehen als zuvor. In Rechenzentren wird kräftig investiert. Es werden Mitarbeiter eingestellt, die Umsätze stimmen - weiteres Wachstum ist programmiert. Diese Art der Speicherung von Daten wiederum ist meist auch die Voraussetzung für das Internet der Dinge oder die Auswertung großer Datenmengen in Echtzeit unter dem Stichwort „Big Data“. Sicherheitsbedenken haben die Deutschen sehr lange davon abgehalten, diesem Trend zu folgen, der sich schon lange abgezeichnet hat. Jetzt aber gibt es offenbar kein Halten mehr.

          Mit dem Internet der Dinge wird sich auch das Tempo Richtung „Mobile Computing“ immer weiter beschleunigen. Ganz neu als Bindeglied zwischen PC, Handy, Tablet und vielen anderen vernetzten Geräten im Haushalt und Beruf kommen nun die ebenfalls mit der Cloud verbundenen Sprachassistenten auf den Markt. Und schon wieder stellt sich für alle Anbieter von digitalen Inhalten die Frage: Was macht man nun daraus? Das ist das Entscheidende: In der Geschichte der Entwicklung des Personalcomputers und der immer neuen Geräte, die zu jeder Zeit um ihn herum entstanden sind, gab es stets Menschen, die nur die vorhandene Technik nur eingesetzt haben, und andere, die alles aus ihnen herausgeholt haben, was geht. Das Schöne ist, dass die zweite Gruppe derzeit immer wieder größer werden dürfte.

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