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Der neue Golf 7 Ein Rudel neuer Gölfe aus Wolfsburg

 ·  Flacher, sportlicher und coupéhafter sieht der Golf Nummer sieben aus. Die siebte Generation des weltweit am meisten verkauften Kompaktwagens soll in jedem Detail besser als der Vorgänger sein. Nur so kann der Golf im Wettbewerb mit dem Konkurrenten Toyota Corolla bestehen.

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© F.A.Z., Volkswagen AG Auch in der Golf-Familie gilt: die jüngere Generation wird größer als ihre Vorfahren.

Der neue Golf VII ist äußerst wichtig für VW. So wichtig, dass Martin Winterkorn für das Auto sogar auf einen Teil seines Urlaubs verzichtet. Statt sich in Italien in der Sonne zu räkeln, hastete der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns in den vergangenen Tagen durch die Fabrikhallen in Wolfsburg, um beim Anlauf der Produktion des Golf VII, der siebten Version des Kompaktwagens seit 1974, nach dem Rechten zu schauen. Alles muss gelingen. Denn es geht nicht nur um das wichtigste Modell des Konzerns, sondern auch um eine völlig neue, kostensparende Produktionstechnik. Der Golf ist nach dem Kompaktwagen Audi A3 der Ingolstädter Premiummarke erst das zweite Auto des VW-Konzerns, das auf dem „Modularen Querbaukasten“ basiert.

Schon bald sollen sich 40 Modelle und jährlich 3,5 Millionen kompakte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat, deren Motoren quer zur Fahrtrichtung eingebaut sind, aus einem Baukasten mit gleichen Teilen bedienen. Der enthält Fahrzeugboden, Achsen, Motor und Getriebe. Die riesigen Stückzahlen sollen die Kosten senken, bergen aber auch Risiken: Läuft irgendetwas schief, betrifft das gleich hunderttausende Autos.

Die offizielle Weltpremiere des Golf findet zwar erst in zwölf Tagen in Berlin statt, die Produktion hat aber schon begonnen. Jedes zehnte Auto, das in Wolfsburg dieser Tage vom Band läuft, ist ein neuer Golf. Einige Vertreter der Öffentlichkeit durften den Wagen sogar vor Ort betrachten und sich hineinsetzen. Allerdings blieb die Außenhaut des Autos unter einer Folie verborgen. Fotos von dem automobilen Weltstar sind noch tabu, es gibt vorerst nur Zeichnungen. Wer dem Auto nahe kommen will, muss sein Mobiltelefon abliefern.

Kein Wunder: Der Bestseller des VW-Konzerns ist das am meisten verkaufte Auto der Welt und hat einer ganzen Generation ihren Namen gegeben. Fast gleichauf liegt gemessen an den globalen Verkaufszahlen allerdings das Konkurrenzmodell des japanischen Weltmarktführers Toyota – der Toyota Corolla, der in Europa als Auris bekannt ist. Auch der Premiumhersteller Mercedes will sich ein Stück vom Markt der Kompaktwagen abschneiden und hat die A-Klasse völlig neu konstruiert und als Golf-Herausforderer positioniert. Die neue Version des Toyota Auris kommt sogar gleichzeitig mit dem Golf – nämlich nach dem Autosalon in Paris im Herbst – auf den Markt.

VW hat den Golf sehr vorsichtig in jedem Detail weiter entwickelt. „Schließlich wollen wir unsere Überlegenheit wahren, streben aber auch keine Revolution an. Die Leute sollen den Wagen ja auch wiedererkennen“, fasst der oberste VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg das Ziel zusammen. Doch gibt es einige merkliche Veränderungen: Der neue Golf ist flacher, sportlicher, coupéhafter und 100 Kilo leichter. Das Auto ist mit allem Infotainment- und Fahrerassistenz-Schnickschnack ausgestattet, den man sich vorstellen kann. Technik, die bisher nur in der Oberklasse zu finden war, hält am Massenmarkt Einzug – bis hin zum automatischen Abstandsregler, der das Auto notfalls auch zum Stehen bringt.

Neuer Golf soll nicht mehr kosten als altes Modell

Ähnliches lässt sich auch über die Ausstattung des Toyota Auris sagen. Golf und Corolla/Auris entscheiden in den nächsten Jahren darüber, ob Volkswagen wirklich wie geplant in einigen Jahren Toyota an der Weltspitze ablösen wird. Die Konkurrenz der beiden Kompaktwagen wird also hart. Einige Details über den Wettbewerb stehen nun fest: So soll der neue Golf in der Einstiegsvariante ohne besondere Ausstattung nicht mehr kosten als sein Vorgänger – also ungefähr 18.000 Euro. Dabei hat das Auto etliche Fortschritte gemacht. Zum Beispiel wird der Verbrauch im Durchschnitt der gesamten Flotte um 14 Prozent niedriger liegen. Ein Benziner wie der Golf 1.4 TSI mit 140 PS verbraucht dann nur 4,8 Liter. Ein sparsamer Diesel in der TDI-Version bringt es auf gerade einmal 3,8 Liter – obwohl das Auto sogar einen reichlichen Zentimeter breiter und gut drei Zentimeter länger geworden ist, also mehr Platz auf der Rückbank und im Kofferraum bietet.

Einer der Gründe für den verringerten Verbrauch ist das gesenkte Gewicht. Der Golf VII wiegt 100 Kilogramm weniger als sein Vorgänger und ist mit insgesamt 1145 Kilo sogar leichter als die vierte Generation des Kompaktwagens, die 1997 auf den Markt kam. „Damit haben wir erstmals die Gewichtsspirale durchbrochen“, sagt Markus Kleimann, bei VW für den Leichtbau verantwortlich. Dafür war viel Kleinarbeit an allen denkbaren Details notwendig. Den Löwenanteil der Gewichtsreduktion habe man in der Karosserie erzielt, indem hoch- und höchstfeste Stahlgüten verwendet und die Blechdicke reduziert wurde. Das sparte zwölf Kilo. „Wir sind ohne neue teure Werkstoffe wie Karbonfaser oder Aluminium ausgekommen, so dass der Golf erschwinglich bleibt“, sagt Kleimann. In die dafür notwendigen Maschinen hat VW viele Millionen Euro investiert. Herausgekommen ist ein neues Produktionsverfahren, das ein halbes Dutzend Arbeitsschritte eingespart hat: Die Stahlbleche werden auf rund 1000 Grad erhitzt und glühend heiß umgeformt.

Größer, aber leichter

Durch die neue Produktionstechnik können die Autos wieder leichter werden, nachdem sie zuvor Jahrzehnte lang schwerer geworden waren, um die Sicherheit auch bei hohem Tempo gewährleisten zu können. Was bislang die Knautschzone aus Stahl bei Unfällen leistete, übernimmt nun immer mehr intelligente neue Sicherheitstechnik. Dazu zählt beim Golf etwa die so genannte „Multikollisionsbremse“. Sie sorgt nach einem Aufprall – etwa an der Leitplanke der Autobahn – dafür, dass der Wagen die Spur hält und keine zusätzlichen Auffahrunfälle verursacht.

Wie wichtig der Golf für VW ist, zeigt auch die Tatsache, dass von dem Modell allein im vergangenen Jahr 914.000 Einheiten in den verschiedenen Versionen vom Band liefen. In Europa ist der Golf unbestritten Klassenbester; mehr als 568.000 Einheiten kamen davon nach Daten des Essener Marktforschungsinstituts Polk im vergangenen Jahr in Europa neu auf die Straßen. Erst mit einigem Abstand folgte der Opel Astra, von dem 295.000 Exemplare verkauft wurden, dicht gefolgt vom Ford Focus mit 282.000 Einheiten.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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