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Der Kronprinz und der Schotte Wer wird Zumwinkels Nachfolger?

15.02.2008 ·  Jetzt hat der Post-Vorstandsvorsitzende seinen Rücktritt angeboten - und das öffnet den Spekulationen über die Nachfolge natürlich Tür und Tor. Denn der als Kronprinz bekannte Kandidat Frank Appel hat noch einen Konkurrenten: John Allen ist bei den Aktionären äußerst beliebt.

Von Helmut Bünder
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Dieser Tage sah man Frank Appel in eher ungewohnter Rolle: Mit bunten Textmarkern malte der Logistikvorstand der Deutschen Post fünfeckige Sterne auf Pappkarten; die drückte er einem Boten in die Hand, der in seiner Tagesarbeit eigentlich Wirtschaftsjournalist ist. Das Simulationsspiel ist normalerweise für Post-Mitarbeiter gedacht. Denn die sollen optimale Abläufe in einem imaginären Logistikunternehmen lernen und auf Kundenorientierung sowie rationelle Prozesse getrimmt werden.

Appel hatte sich trotz des vollen Terminkalenders einen halben Nachmittag freigeschaufelt. Dass der Zwei-Meter-Mann das „First Choice“ genannte Programm verantwortet, war ein Grund. Für den in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Manager war es aber auch eine Gelegenheit, die Fähigkeiten im Umgang mit den Medien zu perfektionieren.

Appel gilt schon länger als Nachfolgekandidat

Das braucht er jetzt. Appel gilt seit geraumer Zeit als Kronprinz des Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel; ein Attribut, das er nicht gern hört. Aber der durch eine undurchsichtige Steueraffäre belastete Postchef, der seinen Rücktritt angeboten hat, hat ihn selbst in diese Rolle befördert, indem er dem 46 Jahre alten Vorstandskollegen wichtige Ressorts anvertraut und seine Zuständigkeiten kräftig ausgeweitet hat. Neben der Logistik, dem mit Abstand umsatzstärksten Geschäftszweig, verantwortet Appel das internationale Briefgeschäft. Er betreut die wichtigsten Großkunden und leitet eine Reihe von Zentralfunktionen. In der Auseinandersetzung um Mindestlöhne und Briefmonopol übertrug ihm Zumwinkel im vorigen Jahr die Verantwortung für die Regulierung, die zuvor dem Vorstandsvorsitzenden zugeordnet war.

Spätestens seit diesem „Ritterschlag“ sind viele davon überzeugt, dass Appel aufrückt, wenn Zumwinkel geht. Der promovierte Neurobiologe, der ebenso wie Zumwinkel bei McKinsey angefangen und sich dort in die deutsche Geschäftsführung hochgearbeitet hat, ist erst im Jahr 2000 zur Post gewechselt. Zwei Jahre später gehörte er bereits dem Vorstand an. Bei gemeinsamen Auftritten ist zu spüren, dass Appel Zumwinkels Vertrauen genießt: Es gibt nicht viele Postmanager, die es sich leisten können, dem Vorstandschef auf öffentlicher Bühne ins Wort zu fallen. Abgehoben hat der begeisterte Mountainbiker nicht, auch wenn sein gesundes Selbstbewusstsein schon mal durchkommt.

John Allan - potentieller Konkurrent

Ob er den Sprung schaffen wird, ist nun allerdings wieder etwas ungewisser. Denn aufgrund seines vorzeitigen Rücktritts gleitet Zumwinkel die Nachfolgeregelung aus der Hand. Und Appel ist im Herbst vorigen Jahres ein potentieller Konkurrent erwachsen, als John Allan, sein Vorgänger als Logistikvorstand, für den glücklosen Edgar Ernst Finanzvorstand des Konzerns wurde.

Die Anleger mögen den Schotten, der bis 2005 den von der Post übernommenen britischen Logistikkonzern Exel erfolgreich geleitet und dabei ein Gespür für die Investoren entwickelt hat. Schon sein Wechsel in das Finanzressort hatte einen Kursanstieg ausgelöst. Nun verbinden sich mit dem 59 Jahre alten Allan die Hoffnungen auf eine Sanierung des Amerika-Geschäfts und eine lukrative, möglichst zeitnahe Verwertung der Postbankanteile. „Der Finanzmarkt würde wohl Allan bevorzugen“, hieß es im Konzernumfeld. Doch hat der Schotte bisher offengelassen, ob er seinen Vertrag überhaupt über 2008 hinaus verlängern wird. Zudem ist keineswegs ausgemacht, ob die Bundesregierung als wichtigster Anteilseigner für die Deutsche Post nicht eine deutsche Lösung bevorzugt.

Quelle: F.A.Z., 15.02.2008, Nr. 39 / Seite 19
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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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