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Der IWF und Griechenland Ein Auge zugedrückt

20.02.2012 ·  Die Kritik, dass Griechenland eine Sonderbehandlung durch den IWF erfahre, hat Hand und Fuß. Solange Europa und IWF Griechenland als systemisches Risiko für die Weltwirtschaft ansehen, werden sie immer wieder ein Auge zudrücken.

Von Patrick Welter
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Im Mai 2010, als Griechenland das erste Finanzierungspaket europäischer Staaten und des Internationalen Währungsfonds bekam, hieß es, das Anpassungsprogramm stelle sehr hohe Ansprüche. Das Programm war auf Kante genäht, nichts durfte schieflaufen. Schiefgelaufen ist aber einiges. Die Rezession ist tiefer, als die Retter es geplant hatten. Vor allem aber erwiesen sich die Anforderungen als so hoch, dass die Griechen nicht mehr mitkamen. Sie hielten die Reformzusagen zunehmend nicht oder nur verspätet ein, und das Programm kam mehrfach vom Kurs ab. Soll man dem schlecht gewordenen Geld jetzt noch gutes Geld hinterherwerfen? Die Neigung des Währungsfonds dazu ist begrenzt. Der Fonds fürchtet um seine Finanzen und um seine Glaubwürdigkeit, wenn Zielwerte für den Schuldenstand so gedreht werden, wie es den Euro-Rettern passt.

Wer drückt hier wen?

Die Gemengelage erschwert, dass die Euro-Europäer im Währungsfonds ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben. Ein zweites Griechenlandpaket wird deshalb am IWF nicht scheitern. Das wirft die Frage auf, wer hier eigentlich wen drückt. Ist der Währungsfonds der harte Mann, der Griechen und Europäer mit harten Anforderungen vor sich her treibt - oder ist es nicht so, dass der Fonds doch nur ausführt, was seine größten Kapitalgeber ihm auferlegen? Die Kritik, dass Griechenland eine Sonderbehandlung durch den IWF erfahre, hat Hand und Fuß.

Denn den längsten Hebel in dem Spiel haben weder der Fonds noch die Euro-Retter, ihn hat die griechische Regierung. Solange der IWF und die Europäer Griechenland nicht als rein griechisches Drama, sondern als systemisches Risiko für das globale Finanzsystem und die Weltwirtschaft ansehen, werden sie vor dem Versagen der Griechen immer wieder ein Auge zudrücken. Was sich heute noch als harte Anforderungen für Athen liest, ist morgen schon wieder Verhandlungsmasse, wenn die Unterschriften unter dem zweiten Griechenland-Paket erst einmal stehen. Wichtiger als hehre Anpassungsprogramme wäre es, klar zu analysieren, welche ausländische Bank eigentlich noch Außenstände in Griechenland hat, die nicht abgeschrieben sind.

Die Rolle des Währungsfonds in dem Verhandlungsreigen ist nicht die der Unschuld vom Lande. In Griechenland rückt die Qualität der Fondsweisheiten einmal mehr ins Zwielicht. Das zweite Griechenland-Programm müsse stärker auf Wettbewerbsfähigkeit setzen, heißt es. Wenn das richtig ist, warum empfahl der Fonds das nicht schon im Mai 2010?

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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