http://www.faz.net/-gqe-9b2zl

VDA-Präsident Mattes : „Schafft die Zölle ab“

  • Aktualisiert am

VDA-Präsident Bernhard Mattes beim Neujahrsempfang des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) im Januar 2018. Bild: dpa

Nach dem Eklat beim G7-Gipfel in Kanada sind amerikanische Zölle auf deutsche Autos ein Stück näher gerückt. Die Autolobby wart vor einer Eskalation – und plädiert für Pragmatismus.

          Angesichts der jüngsten Andeutungen des amerikanischen Präsident Donald Trump zu möglichen Importzöllen befürchtet Deutschlands Autobranche eine Eskalation des Handelsstreits mit Amerika. „Ich bin über die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen sehr besorgt“, sagte der Präsident des Autoverbands VDA, Bernhard Mattes, der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag).

          „Aktuell wird eine Politik der Abschottung und des Protektionismus verfolgt.“ Die EU baue gerade eine Gegenposition zu amerikanischen Zöllen auf. Allerdings könnten Zölle auf Produkte aus den Vereinigten Staaten auch neue Gegenreaktionen mit sich bringen. Seit Anfang Juni gelten auch für die EU sogenannte amerikanische Strafzölleauf Stahl- und Aluminiumeinfuhren.

          „Ich bin weiterhin für freien und fairen Handel und sehe die Lösung in der Fortsetzung der Verhandlungen. Schafft die Zölle ab und setzt dafür auf beiden Seiten des Atlantiks gegenseitige Standards“, forderte Mattes. Trump hatte in einem Twitter-Statement anlässlich des Rückzugs von der geplanten G7-Abschlusserklärung erklärt, Amerika prüfe weiter Zölle auf „den amerikanischen Markt flutende Automobile“. Trump hatte schon häufiger mit Importzöllen auf deutsche Autos von BMW und Daimler gedroht. Bei dem Treffen in in Kanada hatte der amerikanische Präsident aber auch eine Null-Zoll-Zone der sieben großen Industrienationen ins Gespräch gebracht.

          Berater: Autostrafzölle bringen massiven Schaden für Deutschland

          Deutsche Autos könnten mit Importzöllen in Amerika zwar teurer werden, sagte Mattes. Dennoch sei nicht zu erwarten, dass den deutschen Autobauern das Geschäft komplett wegbreche: „Schon bisher haben sich deutsche Modelle in Amerika nicht in erster Linie über den Preis verkauft.“

          Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat sich indes zuversichtlich gezeigt, dass der Handelskonflikt zwischen Amerika und Europa beigelegt werden kann. „Alle wissen, wie viel auf dem Spiel steht“, sagte Grenell den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Montag). Beide Seiten seien daran interessiert, weitere Konflikte zu vermeiden, aber es dauere seine Zeit.

          Die von Trump ins Spiel gebrachten Strafzölle auf Autoimporte aus der Europäischen Union würden Regierungsberatern zufolge Deutschland merklich treffen. „Weitere Strafzölle von Trump auf Autoimporte würden je nach Ausmaß einen massiven Schaden für die deutsche Wirtschaft verursachen, der makroökonomisch sichtbar würde“, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates des Bundeswirtschaftsministeriums, Hans Gersbach.

          „Schätzungen sind nicht einfach, aber eine Verringerung um 0,1 oder 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sind zu erwarten.“ Gersbach rät dazu, auf die Drohung Trumps mit einer Stärkung der Verhandlungsposition der EU zu reagieren – etwa durch eine einheitliche Haltung der EU-Staaten und weiterer Mitglieder der Welthandelsorganisation WTO.

          „Die Androhung weiterer Strafzölle auf der Seite der EU ist im Moment nicht sinnvoll“, sagte Ökonom
          Gersbach, der an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) lehrt. Stattdessen sollten Verhandlungsangebote für die Reduktion von Zöllen in der EU unterbreitet werden. In die Diskussion gebracht sollten zudem neue vertragliche Formen der Welthandelsorganisation oder ein transatlantisches Freihandelsabkommen

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt

          Digitaler Marktplatz : Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt

          Internetkonzerne bauen eigene Bezahlsysteme auf – und sind damit Vorbild und Bedrohung zugleich. Die Deutsche Bank gibt sich aber nicht geschlagen und arbeitet an einer eigenen Finanzplattform, die mehr als die eigenen Produkte zeigen soll.

          Brexit-Verhandlungen : Schlichtweg inakzeptabel

          Die Zurückweisung auf dem EU-Treffen in Salzburg hat die Briten schockiert. Premierministerin Theresa May reagiert trotzig. Die Gegner ihres Plans im Land sehen sich aber bestätigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.