http://www.faz.net/-gqe-9cp23

Amerika gegen Europa : Handelskrieg auf Eis

Jean-Claude Juncker und Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses. Bild: AP

Donald Trump und Jean-Claude Juncker haben den Konflikt zwischen Amerika und der EU vorerst beigelegt. Doch wenn es um Flüssiggas und Sojabohnen geht, steckt der Teufel im Detail. Eine Analyse.

          Das Weiße Haus versucht die überraschende Vereinbarung zwischen Donald Trump und dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker zur Beilegung des Handelskonfliktes als Erfolg der überlegenen Verhandlungsführung des Präsidenten darzustellen. Trump habe der EU Zugeständnisse abgerungen, verbreiten sein Mitarbeiter. Jean-Claude Juncker ließ dagegen durchblicken, dass er Trump an die historische Freundschaft zwischen Amerika und Europa erinnert und damit Bewegung in die Gespräche gebracht habe. Eigenmarketing gehört zum Geschäft, dass einer nachgegeben hätte am Verhandlungstisch kommt darin nicht vor.        

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Im Zentrum der Absprache der beiden Männer steht der Beschluss der Verhandlungspartner, den Handelskonflikt nicht weiter eskalieren zu lassen. Trumps vor allem von Deutschland gefürchteten Autozölle kommen zunächst nicht, die bereits von Washington in Kraft gesetzten Zölle auf Stahl und Aluminium und die Vergeltungsmaßnahmen aus Brüssel sollen im Wege der Verhandlungen beseitigt werden. Gemeinsam wollen beide Seiten daran arbeiten, die Industriezölle auf Null zu reduzieren sowie sonstige Importbeschränkungen und Subventionen in dem Sektor komplett abbauen. In anderen Branchen und im Dienstleistungssektor sollen die Handelsbarrieren verkleinert werden.

          Nur ein Hafen

          Wenn die Verhinderung eines möglichen Schaden als Erfolg gilt, dann hat hier die EU gewonnen, weil die Autozölle auf Eis gelegt und die Stahlzölle neu verhandelt werden sollen. Der Rest klingt wie die Wiederbelebung der Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP, die unter Präsident Barack Obama schon weit gediehen waren, bevor Trump die Gespräche abbrechen ließ.

          Trump verbucht für sich das Zugeständnis der Europäische Union, mehr Flüssiggas einzuführen und mehr Sojabohnen zu kaufen. Wenn es um Sojabohnen geht, war die Entwicklung allerdings schon ohne Vereinbarung absehbar, denn: Chinesische Vergeltungszölle haben Amerikas Sojabohnen verteuert, die Chinesen kaufen deshalb mehr von Brasilien. Damit kann Brasilien weniger in die EU liefern, die Amerikaner springen teilweise in die Bresche. Das ist grob zusammengefasst das Ergebnis einer Studie der Rabobank von Ende Juni dieses Jahres. Unter dem Strich bleibt das globale Handelsbilanzdefizit der Amerikaner höchstens gleich, das Trump so sehr stört. 

          Die vage Ankündigung, die EU wolle ihren Energiebezug diversifizieren und den Amerikanern mehr Flüssiggas abnehmen, stößt auf technischen Limitationen und Nachfrage-Probleme. Im Moment haben die Amerikaner an ihrer Europa zugewandten Ostküste nur einen Hafen, in dem das Gas verflüssigt und auf entsprechende Tanker verladen wird, sechs weitere im Bau befindliche werden aber vor Ende 2019 nicht fertiggestellt sein. Die Terminals in Europa, die das Flüssiggas wieder gasifizieren, sind unterausgelastet mangels Nachfrage, die tendenziell eher zurückgeht. 

                                  

          Ein wichtiges Element der Absprache zwischen Juncker und Trump ist die Reform der Welthandelsorganisation WTO, die besser und schneller auf den Raub geistigen Eigentums, Industriesubventionen, Überkapazitäten und marktverzerrende Eingriffe durch Staatskonzerne reagieren können soll. Hier ist die Interessenlage der beiden Wirtschaftsmächte gleich gelagert. Das Vorhaben richtet sich vor allem gegen chinesische Handelspraktiken und Industriepolitik.

          Am Ende bleibt die EU vom schlimmsten Szenario verschont, während Trump seine Drohungen vorerst eingefroren hat. Dazu bewogen hat ihn aber vermutlich nicht Juncker. Trump fürchtete zum ersten Mal jene Republikaner, die sich weigerten, mit ihm in einen Handelskrieg gegen Bündnispartner zu ziehen. Gesetzentwürfe, Trumps Autorität in Handelsfragen einzuschränken, sind in Vorbereitung. Zudem fürchtete der Präsident offenbar den Zorn der amerikanischen Verlierer eines Handelskrieges: Die Bauern zeigten sich trotz eines Hilfspakets missgestimmt, die Autoindustrie beklagt steigende Rohstoffkosten infolge der Stahlzölle und gab Gewinnwarnungen aus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mays Position nach dem Deal : Der Brexit macht einsam

          Premierministerin Theresa May verliert immer mehr Rückhalt. Nicht nur ein geordneter Brexit, auch ihre eigene Zukunft steht jetzt auf dem Spiel. Kann sie das verkraften?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.