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Milliarden-Projekt : „Achtes Weltwunder“: Trump feiert neue Foxconn-Fabrik

  • -Aktualisiert am

Spatenstich: Präsident Trump beim Synchronschaufeln mit Wisconsins Gouverneur Scott Walker und Foxconn-Chef Terry Gou Bild: Reuters

Bis zu 13.000 Arbeitsplätze soll die neue Fabrik eines Apple-Zulieferers in Amerika schaffen. Der Präsident freut sich – große Kritik gibt es an der Rolle der Steuerzahler.

          Der taiwanesische Technikriese und Apple-Zulieferer Foxconn baut im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin eine knapp neun Milliarden Euro teure LCD-Fabrik. Die Anlage soll bis zu 13.000 Arbeitsplätze schaffen. Beamte gehen davon aus, dass in Zuliefererbetrieben weitere 20.000 bis 25.000 Menschen beschäftigt werden könnten.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump feiert den Bau der Fabrik als Ergebnis seiner Handelspolitik und spricht vom „achten Weltwunder“. Tatsächlich führt das Unternehmen den Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China als Grund für die Investition an. Ebenso dürfte jedoch eine Rolle gespielt haben, dass der amerikanische Steuerzahler ordentlich Geld dazu gibt und das Unternehmen mit umgerechnet beinahe 3,5 Milliarden Euro subventioniert – 2,6 Milliarden Euro an staatlichen Hilfen und 0,9 Milliarden Euro an lokalen Subventionen, etwa für die Autobahn-Anbindung.

          Kritisiert wird der Bau vor allem von Seiten der demokratischen Partei. Die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Senat von Wisconsin, Jennifer Shilling, nennt die Subventionen „das größte von Steuerzahlern finanzierte Geschenk an ein ausländisches Unternehmen in der Geschichte Amerikas“. Insgesamt wird jeder Arbeitsplatz in der neuen Fabrik mit umgerechnet knapp 200.000 Euro subventioniert, berichtet der Finanzdienst Bloomberg.

          Präsident Trump mit dem Investor Masayoshi Son während einer Rede in Wisconsin Bilderstrecke

          Weniger als 50 Kilometer entfernt von der neuen Produktionsstätte zeichnet sich ein anderes Bild der amerikanischen Handelspolitik: Dort steht die Zentrale des Motorradherstellers Harley-Davidson. Der hat kürzlich bekanntgegeben, aufgrund des Handelsstreits zwischen Trump und Europa einen Teil seiner Produktion aus den USA zu verlagern.

          Wisconsin ist wichtig für Trump

          Präsident Trump unternahm in einer Rede in Wisconsin laut Financial Times einen weiteren Versuch, den Motorradhersteller umzustimmen: „Harley-Davidson, bitte baut diese wunderschönen Motorräder in den USA. Führt die Vereinigten Staaten nicht an der Nase herum – eure Kunden mögen das nicht.“

          Bei der Präsidentschaftswahl 2016 war Wisconsin einer der Schlüsselstaaten für Trumps Erfolg. Erstmals seit der Wahl Ronald Reagans im Jahr 1984 ging der Bundesstaat an die Republikaner. Am Ende gaben 0,8 Prozentpunkte den Ausschlag für Trump.

          Am 6. November dieses Jahres sind in Wisconsin außerdem Gouverneurswahlen. Der amtierende Republikaner Scott Walker bewirbt sich um eine dritte Amtszeit und hat in vergangenen Wahlkämpfen gern mit Harley-Davidson-Motorrädern posiert.

          Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, Harley-Davidson würde seine Produktion nach Europa verlagern. Bekannt ist bisher jedoch nur, dass das Unternehmen einen Teil seiner Produktion aus den USA verlagert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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