11.10.2009 · In der Bundesbank herrscht seit Tagen helle Aufregung, und sie wird alsbald nicht geringer werden. Präsident Axel Weber will seinem Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin wegen dessen Äußerungen die meisten Kompetenzen wegnehmen. Man muss Sarrazins Meinung nicht teilen, aber seine Courage sollte eine Demokratie aushalten.
Von Holger AppelIn der Bundesbank herrscht seit Tagen helle Aufregung, und sie wird alsbald nicht geringer werden. Präsident Axel Weber will seinem Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin wegen dessen Äußerungen zur Integration von Migranten die meisten Kompetenzen wegnehmen. Am Dienstag soll der Vorstand – in dem nichts gegen den Präsidenten entschieden werden kann und in dem der Präsident im Zweifelsfall ein Doppelstimmrecht besitzt – Sarrazin die Zuständigkeit für Bargeldumlauf und Risikocontrolling entziehen und ihm allein die Informationstechnologie lassen.
Weil Weber die Entlassung von Vorständen nur in einem komplizierten juristischen Verfahren durchsetzen kann, versucht er, ein öffentlichkeitswirksames Symbol zu setzen, seinen Kollegen letztlich zum Abschied zu animieren. Das ist aus dem Rollenverständnis der Bundesbank schlüssig, kann aber nach hinten losgehen, auch weil Weber mit seinem Plan scheitern könnte.
Sarrazin hat für seine – übrigens deutlich differenzierter als nun gemeinhin verkürzt dargestellt – gemachten Äußerungen einigen Rückhalt in der Bevölkerung. Man muss Sarrazins Meinung nicht teilen, aber seine Courage sollte eine Demokratie aushalten. Mindestens.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.150,90 | −1,96% |
| EUR/USD | 1,2395 | +0,27% |
| Rohöl Brent Crude | 98,46 $ | −3,11% |
| Gold | 1.558,00 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?