19.05.2010 · Er kommt Jahre zu spät, aber jetzt hat Airbus den ersten A380 an die Deutsche Lufthansa übergeben. Von Ulrich Friese und Carsten Knop
HAMBURG/FRANKFURT, 19. Mai
Für Manager der Lufthansa und Anhänger der Luftfahrt ist es ein historisches Ereignis: Das größte Passagierflugzeug der Welt, der Airbus A380, wird jetzt auch von der Deutschen Lufthansa geflogen. Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber hat das Flugzeug, das in der Lufthansa-Version Platz für 526 Passagiere bietet, am Mittwoch übernommen. Airbus-Chef Thomas Enders betonte die Bedeutung der größten deutschen Fluggesellschaft als Kunde für sein Unternehmen; er erinnerte zur Auslieferung in Hamburg-Finkenwerder aber auch an die Schwierigkeiten und die Verzögerungen beim Bau. "Wir verbessern uns mit jeder Auslieferung", versprach Enders.
In diesem Jahr sollen mehr als 20 Flugzeuge dieses Typs ausgeliefert werden. Airbus liegen nach Angaben von Enders 202 Festbestellungen von 17 Kunden vor. Im Anschluss an die Feier flog das doppelstöckige Flugzeug mit einem aufgeregten Piloten, der die Maschine in seiner Begrüßung zunächst als A 320 bezeichnete, und geladenen Gästen an Bord nach Frankfurt, der größten Lufthansa-Basis in Deutschland. Dort hat Oberbürgermeisterin Petra Roth den Airbus am Mittwochabend auf den Namen "Frankfurt am Main" getauft. Zum ersten Langstreckenflug soll die "Frankfurt am Main" am 6. Juni starten und die Fußballnationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Südafrika bringen. Für den 11. Juni ist dann der erste Linienflug nach Tokio geplant.
Weitere planmäßige A380-Ziele sind ab Ende August Peking und ab Ende Oktober Johannesburg. Der Airbus mit dem Namen "Frankfurt am Main" und der in Kürze folgende "München" sind die ersten beiden von 15 Großraum-Flugzeugen, die die Lufthansa beim Hersteller aus Toulouse bestellt hat. Der derzeit gültige Listenpreis erreicht 346 Millionen Dollar (300 Millionen Euro). In der Branche sind allerdings hohe Rabatte von bis zu 50 Prozent durchaus üblich.
Die Flugzeuge sind im Fall der Lufthansa mit Triebwerken des britischen Herstellers Rolls-Royce ausgestattet. Die britischen Triebwerke gelten im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten des amerikanischen Herstellers Pratt & Whitney und des französischen Anbieters Snecma als geräuscharm und sparsam. Das sind Eigenschaften, die bei Einsätzen auf Groß-Flughäfen in dicht besiedelten Regionen, besonders wichtig sind. Zudem gilt es, künftig mögliche Auflagen für den Klimaschutz zu erfüllen. So verbraucht der A 380-800 rund 3 Liter Kerosin auf 100 Kilometern Flugstrecke und je Passagier. Auf dem Flug von Hamburg nach Frankfurt erinnerte die Ruhe im Flugzeug an das Fahrgefühl in einem Niederflurbus.
Die Auslieferung des A380 an die Deutsche Lufthansa sollte nach ursprünglicher Planung eigentlich schon im Jahr 2007 erfolgen. Doch eine Reihe von technischen Pannen sowie interne Rivalitäten zwischen den Programm-Managern des deutsch-französischen Flugzeugkonzerns machten den Zeitplan zur Makulatur. Die Lufthansa ist der fünfte Abnehmer des Prestige-Flugzeugs. Den Vortritt musste die deutsche Fluglinie dem Wettbewerber Singapore Airlines überlassen, der inzwischen sogar schon zehn Maschinen dieses Typs einsetzt.
"Das neue Flugzeug bietet uns durch seine Größe die Möglichkeit, auch dort zu wachsen, wo fehlende Flughafenkapazitäten dies sonst verhindern würden", sagt Mayrhuber. Gemeint sind damit Ziele in den Zukunftsmärkten Asien, Afrika und Südamerika. Trotz der Folgen der Wirtschaftskrise, die im vergangenen Jahr zu kräftigen Buchungsrückgängen bei Geschäftsreisenden führten, scheint sich das Marktumfeld für den neuen Lufthansa-Jumbo aufzuhellen. Im Monat März habe die Zahl der Fluggäste im gehobenen "Business- und First-Class"-Segment in der gesamten Branche um 11 Prozent zugelegt, teilte der internationale Fluglinien-Verband Iata jüngst mit.
Die Ankunft des Airbus-Jumbos in Frankfurt wurde von den Bodendiensten der Lufthansa sowie vom Personal des Flughafenbetreibers Fraport seit Monaten akribisch vorbereitet. Denn die Dimensionen des A380 übersteigen die des konkurrierenden "Jumbojets" von Boeing, der seit Ende der sechziger Jahre das größte Passagierflugzeug der Welt war, um ein Vielfaches. Während der amerikanische Großraumjet Boeing 747 je nach Bestuhlung nur bis zu 580 Passagieren Platz bietet, lassen sich in dem sieben Meter breiten und 8,50 Meter hohen Rumpf der Airbus-Neuheit zwischen 550 und 850 Fluggäste vergleichsweise bequem unterbringen. Um jedoch von Airbus auf diesem Feld des Flugzeugmarktes nicht abgehängt zu werden, legt der Hersteller aus Chicago mit einer modernisierten (und gemeinsam mit der Lufthansa entwickelten) Variante des "Jumbojets" nach und will dem A380 zudem auf den lukrativen Übersee-Routen mit seinem "Dreamliner" Paroli bieten.
Um für die neuen Modelle von Airbus und Boeing gerüstet zu sein, waren an der größten Lufthansa-Basis in Deutschland aufwendige Umbauarbeiten erforderlich. Allein 130 Millionen Euro investierte der Flughafenbetreiber Fraport, um drei neue Abstellpositionen für den A380 an einem neuen Riegel-Bauwerk auf dem Flughafen zu schaffen. Dabei erstrecken sich die Parkplätze für den 72 Meter langen und 24 Meter hohen Passagierjet auf einer Fläche von 80 mal 80 Meter - darauf ließen sich bequem zwei Flugzeuge herkömmlicher Bauart abstellen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |