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Dennis Meadows im Gespräch : „Wir haben die Welt nicht gerettet“

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„Ich heize mein Haus mit Holz und ernähre mich größtenteils aus meinem Garten“: Dennis Meadows ist als Professor inzwischen emeritiert und lebt in New Hampshire im Nordosten der Vereinigten Staaten Bild: action press

Vor 40 Jahren hat das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ die Welt verändert. Im Interview erzählt Autor Dennis Meadows über die Entstehung des Buches und zieht Bilanz: „Für den Stand der Forschung haben wir 1972 einen guten Job gemacht“.

          Professor Meadows, vor 40 Jahren haben Wissenschaftler unter Ihrer Leitung die Studie „Grenzen des Wachstums“ vorgelegt - eine Sensation. Wer hatte die Idee dazu?

          Ja, das war spannend, damals in jenem März 1972. Ich war ein blutjunger Wissenschaftler, noch nicht mal 30 Jahre alt. Und ich durfte mit meinen Kollegen nach Washington zum berühmten Smithsonian Institute fahren, um die Ergebnisse unserer Computersimulationen vorzustellen, aus denen das Buch „Die Grenzen des Wachstum“ entstehen sollte. Die Idee hatte der „Club of Rome“ gehabt.

          Was war das für ein Verein?

          Es war ein Kreis von Intellektuellen, Wissenschaftlern, Industriellen und sonstigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich um den italienischen Fiat-Industriellen Aurelio Peccei geschart hatten. Leute aus allen möglichen Ländern, auch aus Deutschland, die alle irgendwie mit ihm befreundet waren. 1970 kam der Club zu seinem ersten offiziellen Jahrestreffen in der Schweiz zusammen. Er hat lange herumdiskutiert und wollte ein Forschungsprojekt anstoßen, in dem es um die Zukunft der Welt gehen sollte.

          Es ist ein Buch, das die Welt verändert hat: Als vor genau vierzig Jahren „Die Grenzen des Wachstums“ erschienen, war mit einem Schlag die Nachkriegsgeschichte zu Ende

          Wie wurde das konkreter?

          Es gab ein Mitglied des Clubs, der eine konkrete Idee hatte. Das war Jay Forrester, ein damals schon berühmter Professor vom MIT, dem Massachusetts Institute of Technology hier in Amerika. Er schlug vor, dass seine Computermodelle helfen könnten, die künftige Entwicklung der Weltbevölkerung, der Industrialisierung und den Ressourcenverbrauch zu simulieren. Er lud kurzerhand interessierte Mitglieder des Clubs, das sogenannte „Steering Committee“, für eine Woche zu sich ans MIT ein.

          Waren Sie damals schon dabei?

          In dieser Woche lernte ich die Leute kennen. Ich war damals bereits am MIT. Ich legte einen Vorschlag vor, wie man die Modelle von Forrester in der Computersprache Dynamo so verbessern könnte, dass man daraus ein sogenanntes „Weltmodell“ entwickeln könnte. Die Idee war, das Systemverhalten der Erde als Wirtschaftsraum unter der Voraussetzung verschiedener Szenarien zu simulieren. Und zu gucken, wie lange die Ressourcen der Welt halten. Mein Vorschlag fand die Zustimmung des Clubs.

          Solche Programme liefen damals nur auf teuren Großrechnern. Wie kamen Sie an den Computer?

          Nun, der Computer war kein Problem. Ich war ja am MIT. Das Forschungsinstitut hatte einige der besten Computer der Welt.

          War denn die Weiterentwicklung der Computertechnik Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre eine Voraussetzung dafür, dass man solche Simulationen überhaupt anstellen konnte?

          Sicher, wir brauchten für unser Weltmodell einen leistungsfähigen Computer. Die technische Entwicklung stand ja damals noch ganz am Anfang. Heute würde unser Weltmodell sogar auf meinem iPhone laufen. Noch wichtiger als die Fortschritte bei der Hardware aber war die Entwicklung der Software gewesen. Computerprogramme, die so genannte Systeme simulieren, also wechselseitige Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Variablen. Das war die große Leistung am MIT damals gewesen.

          Das Projekt war aufwendig. Wie kamen Sie an das Geld?

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