Home
http://www.faz.net/-gqe-6xeyp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Denkfehler, die uns Geld kosten (1) Wer schneller entscheidet, ist glücklicher

Warum geben wir zu viel Geld aus? Warum sparen wir kaum fürs Alter? Solche Denkfehler behandelt eine neue Serie. Erster Teil: Oft ist es besser, auf die eigene Intuition zu vertrauen

© Getty Images Vergrößern

Denken Sie gerade darüber nach, beim Börsengang von Facebook mitzumachen? Sie wollen moderne Technik und kräftiges Wachstum in ihr Depot bringen? Natürlich ist die Facebook-Aktie riskant, denken Sie - aber Google und Apple, Microsoft und SAP haben ihren Aktionären viel Geld gebracht.

Patrick Bernau Folgen:         Winand von Petersdorff-Campen Folgen:  

Wer so denkt, macht einen typischen Denkfehler, der teuer werden kann. Niemand weiß heute, ob die Facebook-Aktie in Zukunft mehr wert sein wird oder ob der Firma irgendwann die Puste ausgeht. Doch wer bei der Entscheidung über eine Facebook-Investition nur an Google und Apple denkt, der wird leicht von der Gier übermannt und kauft mehr Facebook-Aktien, als er eigentlich haben sollte. Die großen Erfolgsadressen verwirren die Sinne des Anlegers, die Psyche spielt Streiche.

Denn Google und Apple sind nicht die einzigen Technikfirmen, die die Börse gesehen hat. Da war auch Gigabell, ein gefeierter Internet-Anbieter aus Frankfurt, der am Tag der Sonnenfinsternis 1999 die ersten Aktien verkaufte und seinen Kurs binnen weniger Wochen vervierfachte. Ein Jahr später war Gigabell pleite. Heute spricht niemand mehr über die Firma, deshalb vergessen Anleger sie viel zu leicht und denken nur an die guten Unternehmen, die bis heute überlebt haben. Psychologen nennen das den „Survivorship Bias“.

Wer die Fehler kennt, kann gegensteuern

Solche und andere Denkfehler stellt die Sonntagszeitung von heute an in einer Serie vor, jede Woche. All diese Denkfehler haben eines gemeinsam: Sie kosten uns Geld, manche sogar ein Vermögen. Wir machen diese Fehler, wenn wir Geld verdienen, wenn wir es anlegen und wenn wir es ausgeben. Doch wir müssen nicht alle Fehler hinnehmen. Wenn wir sie kennen, können wir gegensteuern. Manchmal.

Im Schatten der klassischen Ökonomie hat sich in den letzten 20 Jahren eine neue Disziplin entwickelt, die Verhaltensökonomik, die ökonomisches Verhalten der Akteure nicht voraussetzt, sondern empirisch ergründet. Wie verhalten sich die Akteure in wirtschaftlichen Entscheidungssituationen, warum verhalten sie sich so, und welche Logik steckt hinter ihrer gelegentlichen Irrationalität?

Nicht zu viele Informationen sammeln

Warum zum Beispiel beschäftigt die Menschen ein Verlust von 10 Euro genauso so sehr wie ein Gewinn von 25 Euro? Das ist eine der ältesten Erkenntnisse in einer jungen Disziplin - erst 2002 vergab eine Jury aus Wirtschaftsforschern dafür einen Nobelpreis. Inzwischen ist das Wissen gewachsen. Forscher haben Thesen getestet und wieder verworfen, alte Ideen präzisiert und ergänzt. Jetzt ist die richtige Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen, jetzt können Verbraucher und Anleger aus der Forschung richtig brauchbare Dinge lernen.

Zum Beispiel diejenigen, die eine neue Digitalkamera kaufen wollen. Noch vor einigen Jahren hätte der Ratschlag geheißen: Informiere dich gut, verstehe jedes Detail und lege dann eine Liste der Vor- und Nachteile der wichtigsten Kameras an. So kannst du dich für die Passende entscheiden. Selbst wenn diese Auswahl keinen Spaß macht - es ist am besten, wenn du deine Entscheidung mit möglichst vielen Informationen triffst. Heute würde das kaum noch ein guter Psychologe empfehlen. Wer diesem Muster folgt, gibt viel Geld aus und macht sich trotzdem selbst unglücklich.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Werbung im Netz Lesen Sie bitte auch unsere Anzeigen

Die Werbefinanzierung von Inhalten im Netz ist manchen ein Dorn im Auge. Aber nicht sie ist der Sündenfall, sondern die neoliberale Haltung, Nutzer grundsätzlich nur als Konsumenten zu betrachten. Mehr Von Evgeny Morozov

16.12.2014, 20:16 Uhr | Feuilleton
High Tech in Amerika Die App-Verrückten

Sind die USA noch Supermacht? In der Technologie scheint die Antwort klar: Firmen wie Facebook, Google, Microsoft und Apple sorgen teils seit Jahrzehnten für eine Technik-Vormacht - und das weltweit. Mehr

05.12.2014, 12:05 Uhr | Technik-Motor
Verkaufsfunktion Facebook auf Ebay-Wegen

Autos und alte Schreibtische kaufen - das geht jetzt auch auf Facebook. Der Konzern testet eine neue Funktion. Mehr

19.12.2014, 10:25 Uhr | Wirtschaft
Googles Vision von der totalen Vernetzung

Aktienkurse, Katzenvideos, Nachrichten: Wer im Internet sucht, der findet - und das meist mithilfe der Suchmaschine Google. Doch der Technologiekonzern will längst mehr sein: Das Internetunternehmen hat sich selbst zum Weltverbesserer erklärt. Und schraubt schon heute an einem komplett vernetzten Morgen Mehr

03.09.2014, 11:04 Uhr | Wirtschaft
Monopolkommission Die Zähmung der Internet-Giganten

Monopole im Internet haben auch ihr Gutes – aber nur so lange, wie sie um ihre Vorherrschaft kämpfen müssen. Die Monopolkommission plädiert für mehr Schlagkraft in der Wettbewerbskontrolle. Mehr Von Helmut Bünder, Bonn

18.12.2014, 17:32 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.02.2012, 15:39 Uhr

Der Dauerstreik

Von Carsten Knop

Die Amazon-Mitarbeiter streiken, nur kaum jemand merkt es. Doch in den Versandzentren tut sich was. Mehr 2 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1