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Demographie Deutsche wissen Kinder weniger zu schätzen

 ·  Auf dem Demographiegipfel betont die Kanzlerin den Wert von Familie. Eine lautlos veröffentlichte Studie für die Regierung zeigt aber: Für viele Deutsche sind Kinder nur noch eine Option unter vielen.

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© dpa Vergrößern Die gewünschte Kinderzahl ist in Deutschland im europäischen Vergleich gering.

Für Altkanzler Konrad Adenauer war die Sache klar: „Kinder kriegen die Leute immer“, sagte er Ende der fünfziger Jahre. Auch der spätere Regierungschef Gerhard Schröder tat Familienthemen 1998 noch als „Gedöns“ ab. Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Von August an erhalten alle Kinder, die zumindest ein Jahr alt sind, einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Auf dem zweiten Demographiegipfel stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nun sogar in Aussicht, dass Mütter und Väter, die in Teilzeit arbeiten, einen Anspruch auf die Rückkehr in eine Vollzeitstelle erhalten. „Hier werden wir mit Sicherheit einiges weiter auch gesetzlich regeln müssen“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Ferner kündigte sie an, die Effizienz der rund 180 familienpolitischen Leistungen zu prüfen.

Die Kanzlerin vergaß darauf hinzuweisen, dass diverse Forschungsinstitute im Auftrag der Regierung genau dies seit vier Jahren machen. Die Ergebnisse werden dieser Tage so lautlos wie möglich veröffentlicht, weil die derzeitige Familienministerin Kristina Schröder (CDU) den großen Wurf scheut (F.A.Z. vom 30.April). So blieb bislang völlig unbemerkt, dass das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) vor kurzem die von der Regierung bestellte Studie veröffentlichte, wie sich die familienpolitischen Leistungen in Deutschland auf die Kinderzahl auswirken.

„Im Zweifel wird das Kind gestrichen“

Die Bestandsaufnahme fiel ernüchternd aus: „Deutschland gehört zu den europäischen Ländern mit der niedrigsten gewünschten Kinderzahl“, schrieben die Autoren. Viele Jahre lang wünschten sich die Deutschen im Durchschnitt 1,75 Kinder, faktisch geboren wurden statistisch gesehen pro Frau dann nur knapp 1,4 Kinder. Zuletzt gingen die Zahlen leicht nach oben, allerdings ist noch unklar, ob der jahrzehntelange Sinkflug der Geburtenrate damit tatsächlich beendet ist. Eines der grundlegenden Probleme sei nämlich, dass viele potentielle Eltern den Wert von Kindern verlernt hätten, sagte die Forschungsdirektorin am HWWI, Christina Boll, der F.A.Z. „Früher gehörten Kinder dazu. Insbesondere von jungen Leuten werden alternative Modelle heute aber als gleichwertig oder sogar höherwertig wahrgenommen.“ Viele Frauen glaubten, sie müssten sich in Deutschland zwischen Kindern und Karriere entscheiden. „Und im Zweifel wird das Kind gestrichen.“

Politisch brisant sind vor allem jene Teile, in denen die Forscher einzelne staatliche Leistungen bewerten. Besonders schlecht schneidet das Betreuungsgeld ab, das im Sommer eingeführt werden soll. Davon seien „wenn überhaupt, positive Fertilitätseffekte bei nichterwerbstätigen Müttern mit niedriger Bildung zu erwarten“. Das politisch derzeit heftig umstrittene Ehegattensplitting sehen die Wissenschaftler ebenfalls skeptisch. Voll des Lobes sind sie hingegen für den Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung. Dieser wirke sich insbesondere auf die Entscheidung zum ersten Kind positiv aus. Um die prinzipielle Bereitschaft für Kinder zu beeinflussen, brauche die Politik indes in jedem Fall „einen langen Atem“.

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