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Demografie für Unternehmen : Jenseits der 50

Länger fit: Unternehmen müssen sich für ihre älteren Mitarbeiter etwas einfallen lassen Bild: Jan Roeder

In den entwickelten Industriestaaten altert die Bevölkerung, und kein Unternehmen kommt daran vorbei: Nach Angaben der Seniorenliga repräsentieren die Konsumenten jenseits der 50 Jahre fast die Hälfte der gesamten Kaufkraft in Deutschland.

          Das Thema Demografie ist in der Wirtschaft angekommen - und das mit voller Wucht. Alle Unternehmen müssen sich mit den Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell beschäftigen, vor allem auf die Zusammensetzung der Belegschaft und auf das Produktangebot. Allerorten sind die Folgen der alternden Bevölkerung zu spüren: Die Brauer merken es am sinkenden Bierkonsum, der Ventilatorenhersteller EBM Papst merkt es an der um 25 Prozent gesunkenen Zahl der Lehrstellenbewerber, die Bauindustrie merkt es daran, dass die Zahl der Aufträge steigt, in denen es um den Rückbau oder Abriss von Häusern geht.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Während noch vor einigen Jahren die starken Jahrgänge 1958 bis 1964 - die sogenannten Babyboomer - die negativen Auswirkungen der demografischen Entwicklung überdeckten, ist das schrumpfende Arbeitskräfteangebot jetzt deutlich zu spüren. Vor allem in den Jahrgängen, die jetzt die Schule verlassen und sich auf Lehrstellen bewerben, schlägt die geringere Jahrgangsgröße voll durch. Der Arbeitsmarkt in den neuen Bundesländern steht dabei schon kurzfristig vor erheblichen Veränderungen. Bis zum Jahr 2015 wird sich die Zahl der 19- bis 24-Jährigen dort nahezu halbieren. Ursache dafür ist vor allem die niedrige Geburtenzahl unmittelbar nach der Wende.

          Aber auch in den alten Bundesländern geht mit Ausnahme der Ballungsräume Hamburg, München und Rhein-Main das Potential an jungen Arbeitskräften zurück. Im gesamten Bundesgebiet nimmt ihre Zahl bis zum Jahr 2025 um 1,2 Millionen ab, geht aus einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung hervor. Studien der Deutschen Bank zeigen, dass bis 2050 je nach Zuwanderung in Deutschland die Zahl der Erwerbsfähigen um ein Viertel bis ein Drittel abnehmen wird.

          Weil es immer schwerer wird, gute Mitarbeiter zu bekommen, haben schon in der jüngsten Krise die meisten Unternehmen versucht, ihre Beschäftigten über Kurzarbeit zu halten statt sie zu entlassen. Vielen Unternehmen ist durch Demografieberater erst in diesen Wochen klar geworden, wie gefährlich ihr innerbetrieblicher Altersaufbau ist und wie wenig sie auf die zunehmende Alterung der Belegschaft eingestellt sind. Altersstruktursimulationen ergeben für viele Unternehmen, dass sie das steigende Durchschnittsalter ihrer Belegschaften nicht einmal mehr aufhalten, geschweige denn senken können.

          BMW simuliert das Jahr 2017

          Der Autohersteller BMW hat in seinem Werk Dingolfing rechtzeitig Konsequenzen gezogen. Die dortige Belegschaft wird im Jahr 2017 im Durchschnitt 47 Jahre alt sein - und damit nach heutigen Maßstäben zu alt, um die hohe Produktivität eines modernen Autoherstellers zu gewährleisten. Drei Führungskräfte hatten die Idee zu dem Projekt „Arbeitssystem 2017“. Sie stellten eine Gruppe von Mitarbeitern zusammen, die schon heute so alt sind wie der Werksdurchschnitt in sieben Jahren. Die Gruppe erarbeitete 70 Verbesserungsvorschläge von schwingenden Fußböden über Ausruhmöglichkeiten bis hin zu Leselupen zur Erleichterung der Arbeit vor allem an der Fertigungsstraße.

          Auch das Augsburger Medienunternehmens Weltbild baut sein Logistikzentrum so um, dass heute noch notwendiger körperlicher Einsatz möglichst durch Technik ersetzt wird. „Als Vorbereitung auf die demografischen Herausforderungen müssen gewerbliche Tätigkeiten weitgehend automatisiert beziehungsweise mechanisiert werden“, sagt Carel Halff, Vorsitzender der Weltbild-Geschäftsführung.

          Akzeptanz älterer Mitarbeiter nicht sehr hoch

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