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Ungleichheit : Hollywoods Frauen gehen auf die Barrikaden

Gemeinsamer Kampf für gleiche Gehälter: Marc Benioff von Salesforce (links) und Schauspielerin Jennifer Lawrence Bild: Getty

Jennifer Lawrence, Amy Adams, Robin Wright: Die Debatte um Gehaltsdifferenzen zwischen den Geschlechtern ist voll entbrannt. Sie wird auch im Silicon Valley aufmerksam registriert.

          Sie ist als Frau des amerikanischen Präsidenten auf dem Bildschirm zu sehen, aber es ist alles andere als eine Nebenrolle. Robin Wright spielt in der Netflix-Serie „House of Cards“ Claire Underwood, und dabei ist sie nicht nur ebenso präsent wie ihr von Kevin Spacey verkörperter Mann Frank, sondern auch ähnlich eiskalt und berechnend. Für ihre Arbeit gewann sie einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in einer Fernsehserie, Spacey bekam den Preis als bester männlicher Hauptdarsteller erst ein Jahr nach ihr. Und trotzdem wurde Wright zunächst schlechter bezahlt als ihr Kollege. Vor wenigen Tagen hat sie auf einer Veranstaltung in New York verraten, wie sie sich durch Erpressung ihrer Produzenten mehr Geld erkämpfte.

          Robin Wright
          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sie sagte, sie habe sich auf Statistiken berufen, wonach ihre Figur zeitweise populärer gewesen sei als diejenige von Spacey, und dann gedroht, mit der Gehaltsdifferenz an die Öffentlichkeit zu gehen. Daraufhin hätten die Produzenten nachgegeben und die Bezahlung aufgestockt. Die genauen Summen verriet Wright nicht. Amerikanischen Medienberichten zufolge bekam Spacey im Jahr 2014, als die zweite Staffel der Serie ausgestrahlt wurde, 500.000 Dollar je Episode. Wrights Bezahlung wurde von der Zeitschrift „Forbes“ auf rund 420.000 Dollar geschätzt. Mittlerweile sind vier Staffeln veröffentlicht worden, die Zahlen könnten also heute noch deutlich höher liegen.

          Robin Wright ist nur die jüngste in einer Reihe von amerikanischen Schauspielerinnen, die die Diskussion um unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen angeheizt haben. Es ist eine Debatte, die sich nicht auf die Unterhaltungsindustrie in Hollywood beschränkt, sondern zum Beispiel auch die Technologiebranche im Silicon Valley beschäftigt. Auch die Politik nimmt sich der Gehaltslücke an. Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel in Kalifornien ein Gleichstellungsgesetz verabschiedet, das nach Ansicht des dortigen Gouverneurs Jerry Brown zu den stärksten in ganz Amerika gehört. Es fordert, dass Männer und Frauen nicht nur für die exakt gleiche Arbeit, sondern auch für „im Wesentlichen ähnliche Arbeit“ gleich entlohnt werden. Die Realität sieht heute freilich noch anders aus. Regierungsstatistiken zufolge verdienen Frauen, die Vollzeit arbeiten, heute im Mittel nur knapp 80 Prozent dessen, was Männer bekommen.

          „Es ist unsere Zeit, ein für alle Mal Gleichberechtigung bei den Gehältern zu haben.“

          In Hollywood trifft die Benachteiligung auch einige der größten Stars. Ein besonders prominentes Beispiel ist Jennifer Lawrence, Hauptdarstellerin in der populären Filmreihe „Die Tribute von Panem“ und Oscar-Preisträgerin für den Film „Silver Linings“. Als das Filmstudio Sony 2014 zum Ziel eines Hackingangriffs wurde, kamen pikante E-Mails mit Angaben zur Bezahlung der Schauspieler in der Krimikomödie „American Hustle“ ans Licht. Demnach wurden Lawrence und ihrer Kollegin Amy Adams 7 Prozent der mit dem Film erwirtschafteten Gewinne zugesprochen. Mit den drei männlichen Hauptdarstellern Bradley Cooper, Christian Bale und Jeremy Renner wurde dagegen ein Gewinnanteil von 9 Prozent vereinbart. Lawrence sagte im vergangenen Jahr in einem Blogeintrag, sie habe selbst erst durch den Hackingangriff erfahren, dass sie weniger bekommen habe als „die glücklichen Leute mit Schwänzen“. Sie gab dafür aber nicht Sony die Schuld, sondern sich selbst. Sie habe beim Verhandeln versagt und zu früh aufgegeben, um nicht als schwierig oder als verwöhnt dazustehen. Und sie warf die Frage auf, ob es womöglich ein Problem vieler Frauen sei, dass sie zurückstecken und nicht hart kämpfen, weil sie sich nicht unbeliebt machen wollen.

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