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Debatte über Sachverständigenrats-Vorstoß Fonds zur Schuldentilgung würde Italien begünstigen

 ·  Der deutsche Sachverständigenrat hat einen europäischen Schuldentilgungsfonds vorgeschlagen. Ein solcher Fonds würde vor allem Italien helfen, seinen Schuldenberg abzutragen. Es könnte die Hälfte seiner Verbindlichkeiten dort abladen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (14)

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Wolfgang Scherf

Irreführende Darstellung

Der Vorschlag des SVR wird m.E. verzerrt dargestellt. Beispielsweise ist Griechenland gar nicht dabei: "Nicht zu den Kandidaten zählen aktuell diejenigen Länder, die sich gerade in einem Anpassungsprogramm befinden und über die EFSF, den IWF oder bilaterale Kredite finanziert werden (Griechenland, Irland, Portugal). Diese können dem Schuldentilgungspakt zwar bereits jetzt beitreten, dürften ihre Schulden aber erst nach dem erfolgreichen Abschluss der Anpassungsprogramme in den Schuldentilgungsfonds auslagern."

Zudem kommt es durch den Pakt nicht zu Transferzahlungen: "Die Zahlungen an den Schuldentilgungsfonds dienen ausschließlich dazu, die jeweils von einem Land ausgelagerten eigenen Schulden zu tilgen und die darauf anfallenden Refinanzierungskosten zu zahlen. Länder, die mehr Schulden auslagern, müssen höhere Zuweisungen leisten."

Quelle: .

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Lorenz Meyer

EuroFonds

Der Vorschlag gewinnt in dem Moment an Charme, wenn man nicht die ueber 60% BIP hinausgehenden Schulden, sondern den unteren 60% (oder auch 40/50%) Sockel in einen EuroFonds umlagert. Dann werden nicht mehr die individuellen Ueberschuldungen vergemeinschaftet, sondern die ohnehin von fast allen Laendern getragenen Grundverschuldungen. Die Zusammensetzung wuerde wie im Artikel beschrieben weitestgehend der BIP-Verteilung der Laender folgen. Die Vorteile fuer die PIIGS-Laender bleiben auf der Zinsseite dieselben wegen des viel besseren Ratings. Fuer die AAA-Laender waere dies moeglicherweise mit einer Verschlechterung der Zinskosten verbunden, wenn der Fonds unter AAA bewertet wuerde, aber dies waere im Gegensatz zu den aktuell diskutierten "Loesungen" zumindest eine kalkulierbare und vermutlich relativ ueberschaubare Solidarleistung.

Fuer die Schulden jenseits des EuroFonds-Blocks sollte man sich dann in It/Sp/Gr evtl mal naeher mit dem finnischen Vorschlag der Pfandbriefe befassen...

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Günter K. Hesse
Günter K. Hesse (v6yz) - 05.07.2012 10:14 Uhr

Pfiffige Italiener

Italein hat, wie man z.B. in der NZZ schon vor einem Jahr lesen konnte, in die Berechnung seines BIP ca. 17% Schattenwirtschaft aufgenommen. Bezogen auf das so aufgeblähte BIP liegt die Schuldenquote bei leicht über 120%. Bezogen auf das tatsächlich zu Zins- und Tigungszahlungszwecken besteuerbare BIP liegt die Schuldenquote bei knapp 150%. Das ist griechische Liga. Das private Haushaltsvermögen pro Kopf ist in Italien wegen verbreitetem Immobilienbesitz zwischen 30% und 40% höher als in Deutschland. Italien könnte seine Staatsschuldenprobleme durch eine Immobilienbesteuerung (kaum wachstumsgefährdend) leicht selbst lösen. Das wissen die Italiener. Deshalb haben die -auch aus Kapitalflucht resultierenden- Target2 Kredite an Italien im letzten Jahr um ca. 280 Milliarden Euro zugenommen. Aber warum selbst die eigenen Lasten tragen, wenn der überwiegende Teil der Deutsche Politische Klasse um jeden Preis den EURO retten will, der nach Monti ja auch zur Hölle fahren kann?

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Cornelia  Holtmann

Der Wahnsinn hat Methode

Ich habe wirklich weder Lust noch Nerven, mich weiterhin mit den ständig neuen Vorschlägen, Verträgen, Vereinbarungen und den ständig neuen Namen und Abkürzungen näher zu befassen (ESM, EFSM, Schuldentilgungsfonds, Euro-Bonds ...). Dieses undurchschaubare Chaos hat seine Ursache vielleicht in der Hilflosigkeit der Akteure. Mittlerweile aber kommt ihnen dieses Chaos wohl auch recht gelegen, dient es doch der Verwirrung der fassungslosen Zuschauer dieses Spektakels.

Die einzige Konstante, die ich entdecke, ist die Kompromissbereitschaft deutscher Politiker oder "Sachverständiger", die sich mit Maximalforderungen anderer Länder konfrontiert sieht.

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Max Mahlheim
Max Mahlheim (Akkin) - 05.07.2012 07:52 Uhr

Die wollen nur an unser Geld!

Wenn die Italiener ihren Schulden zurückfahren sparen sie Zinsen, das ist nun mal so, und schlechte Schldner müssen eben höhere Zinsesätze Zahlen, bei Unternehmensanleihen ist das nicht anders.

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Gerhard Storm

Unverantwortlicher Sachverstandigenrat unterstützt Eurobonds

Die anhaltenden Verstöße der €-Spitzen gegen die EU-Spielregeln, insb. die No-bail Out-Klausel, haben den Svrat ermuntert, mit dem Europ. Schuldentilgungsfonds den Italienern das Schuldenmachen zu verbilligen, zulasten von D, das dabei auch in Gemeinschaftshaft genommen werden soll.

Mit dem Vorschlag des Schuldentilgungsfonds wird die rote Linie von D überschritten, so wie das auch bei dem Beschluss des ESM erfolgte.

Während sich Italiens Ministerpräsident Mario Monti mit Forderungen nach diesem Instrument gegenwärtig noch zurückhält, kann davon ausgegangen werden, dass Monti gerne auf den unverantwortlichen Vorschlag von Herman Van Rompuy u. dem Svrat in Zukunft zurückgreifen wird. Schließlich hat Italien zu oft falsche Zahlen geliefert u. ist Monti ein Meister der Falschdarstellung von Ergebnissen.

Unser Kanzlerin hat sich von einem unfähigen Staatschef von ihrem konsequenten no go für Eurobonds-Titel abgewendet.

Das kostet die Deutschen Geld!

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Uwe Bussenius
Uwe Bussenius (uwebus) - 04.07.2012 21:55 Uhr

Wie immer!

Schaubild: "Anteile am Schuldentilgungsfonds von Schulden oberhalb von 60% des BIP.
Vorschlag Sachverständigenrat, SPD und Italien."
Geht es darum, die Deutschen zu schröpfen, ist die SPD immer in vorderster Linie mit dabei. Italien selbstverständlich auch, denn die Berlusconis und deren Nachfolger verlangen ja schon lange eine gemeinsame Haftung für Schulden. Man sollte doch mal in Berlin nachfragen, für wen die SPD eigentlich im Bundestag sitzt, für Deutschland kann es doch nicht sein. Erst erlaubte sie den Hedgefonds ungezügeltes Spekulieren mit im Ergebnis riesigen roten Zahlen für uns Steuerzahler und jetzt sollen wir auch noch Bunga-Bunga finanzieren? Da zahl ich doch meine Steuern lieber hier im Freudenhaus statt sie nach Rom zu überweisen.

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Detlef Zander

Kleines Problem

Laut dem Vorschlag soll der Schuldentilgungsfond in 20-25 Jahren abbezahlt werden. Für Italien würde das heissen, pro Jahr Schulden in Höhe von 2,4% des BSP (bei 25 Jahren) zu tilgen. Circa 36 Milliarden Euro pro Jahr. Plus natürlich die Zinsen für noch laufende Schulden bedienen.

Mir ist nicht ganz klar, wie der Sachverstöndigenrat glauben kann, dass dies funktioniert?
Es ist offensichtlich, dass kurz nach der Einführung Forderungen für eine Streckung des Zeitrahmens kommen würden.

Und wenn einige Länder dies nicht wollten, kann man immer noch drohen (durch die Blume natürlich), die Tilgungszahlungen einzustellen. Bei gemeinschaftlicher Haftung hätten dann die restlichen Länder ein Problem.
Die grosszügige Verlängerung des Tilgungszeitraums ist quasi schon einprogrammiert. Wieso haben die Wirtschaftsweisen dies nicht gesehen (oder nicht sehen wollen)?

Dazu kommt natürlich die Frage, wie sich die Zinsen für Schulden ausserhalb des Fonds entwickeln? Höheres Risiko, höhere Zinsen?

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Klaus Schmid
Klaus Schmid (Pinin) - 04.07.2012 21:32 Uhr

Kann mir bitte mal jemand erklären ...

Kann mir bitte mal jemand erklären mit welcher Berechtigung ein reiches Land wie Italien, das aber unter Steuerhinterziehung, Korruption, Bürokratie, Gewerkschaften und der Mafia leidet jetzt von Nachbarländern Geld fordert um seine Schulden zu bezahlen?
Die Nachbarn, auch ärmere Nachbarn und Bürger sollen dafür zahlen, dass man seine eigenen vermögenden Bürger schonen kann?

Und kann mir bitte mal jemand erklären warum das die deutsche Regierung und die deutsche Opposition gut und richtig finden und zahlen wollen?

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Andreas Seidl
Andreas Seidl (ASeidl) - 04.07.2012 21:24 Uhr

Blendwerk

Also: die Euroländer übertragen einen Teil ihrer Schulden in einen Tilgungsfond. Dann sind zunächst mal die Bilanzen aufgehübscht, d.h. das Verhältnis Schulden zu BIP. Nun kommt das Wörtchen Tilgung. Egal wo die Schulden bilanziert werden, ist die Voraussetzung einer Tilgung keine neuen mehr zu machen und Überschüße zu erwirtschaften. Sonst zahlt man alte Schulden mit neuen zurück und hat am Ende noch mehr Schulden.

Es gibt zwei ökonomische Fehler, die sicher in den Ruin führen: mehr ausgeben als einnehmen und alte Schulden mit neuen zurückzahlen.

Ein Schuldentilgungsfond ohne Haushaltsüberschüße ist also eine reine Bilanzkosmetik. Oder will man das Deutschland die italenischen Schulden zurückzahlt - mit neuen deutschen Schulden, denn auch die deutsche Regierung gibt mehr aus als sie einnimmt. Also Eurobonds durch die Hintertür.

Der Sachverständigenrat sollte einpacken und nach hause gehen. Diese Experten haben auch die Krise nicht kommen sehen bis sie eingetreten war.

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Rolf Jakober
Rolf Jakober (ro-ja) - 04.07.2012 20:32 Uhr

Es würgt!

Bei allen sonstigen Vorbehalten gegen einen gemeinsamen Schuldentopf verstehe ich nicht, warum der 60% übersteigende Teil vergemeinschaftet werden sollte. Zur Erleichterung für die extrem klammen Länder könnte man doch eher vorschlagen, die Hälfte der erlaubten Schulden – also 30% des BIP – gemeinsam zu sichern, sonst würde die Selbstverantwortung gewaltig aufgeweicht.

Die etwas höhere Zinslast für neue Anleihen wäre für die bessergestellten Länder schon zu tragen. Der Knaxpunkt ist natürlich die Haftung und somit die Frage nach Garantie oder Pfand. Dabei müssen die bedrängten Länder zuallererst die zum Teil (vs D) deutlich höheren Privatvermögen in Verantwortung nehmen.

Aber: Wenn schon Substanz verpfändet ist – kann dann noch mit günstigeren Zinsen für neue Anleihen gerechnet werden?

Ich wünschte mir den goldenen Schlüssel für die Öffnung der Garrotte!
Oder die Idee, wie Millionen von internationalen Handelskontrakten ohne Weltwirtschaftskrise "renoviert" werden können.

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Klaus Schmid
Klaus Schmid (Pinin) - 04.07.2012 20:21 Uhr

Expansion über alles

Es ist ein eigenartiges Gefühl – wenn man die Geschichte der letzten 100 Jahre betrachtet, denkt man soviel Expansions-Wahnsinn kann doch nicht so viele Leute befallen haben, dass sie nicht bemerkt haben wie sie das Volk ins Unglück stürzen.

Aber jetzt wiederholt sich auf unglaubliche Weise das Drama: Eine deutsche Parteien-"Elite" sah damals und sieht heute das Schicksal der Leute nur als Figuren für ihre visionären Sandkastenspiele. Dabei ist das Ende genauso klar wie bei den Beispielen aus der Geschichte.

Für die europäischen "Freunde" sieht die Sache natürlich anders aus, hier gilt es vor dem unausweichlichen crash noch möglichst viel aus Deutschland herauszuholen.

Und für die Zeit nach dem crash sieht das Drehbuch die finale Transferunion vor.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.07.2012 21:33 Uhr
Andreas Seidl
Andreas Seidl (ASeidl) - 04.07.2012 21:33 Uhr

Ihre Schlußfolgerung teile ich nicht

In Europa werden die Verteilungskämpfe zunehmen je mehr die Krise sich verschärft. Am Ende werden nationalistischen Strömungen Oberwasser bekommen und die EU in Nationalstaaten zerfallen.

Man hätte 2010 Griechenland und 2008 die Banken pleite gehen lassen sollen und die Sparer und die Griechen retten sollen. Nicht die Banken und die Großfinanz retten und damit häßliche Vorurteile wie "faule betrügerische Griechen", "hochnäsige Nazi-deutsche" u.s.w. aufflammen lassen. Ich glaube es hätte in Deutschland große Hilfsbereitschaft für die Griechen gegeben aus dem Desaster der Pleite herauszukommen aufgrund jahrelanger Verbundenheit. Heute fahren viele nicht mal mehr in den Urlaub hin und haben große Vorurteile. Das bedrückt mich sehr, da ich viele Griechen jahrelang gut kenne.

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thomas röver

tilgungsfonds

das ist doch auch wieder so ein krankes finazkonstrukt. italiens staat hat enorme schulden, er muss die mafia und korruption auflösen, den riesigen beamtenapparat, und das arbeitsrecht reformieren.
diese ganzen finanzkonstrukte sollen die eu bürger m.e. nur weiter vernebeln,....

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Jahrgang 1962, Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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