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Christine Hohmann-Dennhardt saß 2016 bei Volkswagen im Vorstand und verdiente dort ein hohes Gehalt. Bild: dpa

Begehrte Kandidatinnen : In Vorständen verdienen Frauen mehr als Männer

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In den 30 Dax-Unternehmen gibt es noch immer wenige Frauen in den Vorständen. Aber die wenigen Frauen werden sehr gut bezahlt. Warum?

          Im vergangenen Jahr haben die Frauen in den Vorständen der Dax-30-Konzerne zum ersten Mal ein leicht höheres Durchschnittsgehalt erzielt als ihre männlichen Kollegen. Jedenfalls dann, wenn man die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden herausrechnet, die traditionell mehr verdienen als einfache Vorstände. Unter die Vorstandsvorsitzenden haben es Frauen bis heute ohnehin noch nicht geschafft: Bis heute gibt es keine Frau auf einem der obersten Chefposten im deutschen Leitindex.

          In einer Studie des Beratungsunternehmens EY kam nun heraus, dass die 18 weiblichen Dax-Vorstände, die das gesamte Jahr 2016 über im Amt waren, in einer Hinsicht allerdings aufgeholt haben: Sie kamen auf ein Jahres-Durchschnittsgehalt von rund 3 Millionen Euro brutto, die 125 männlichen Dax-Vorstände (ohne CEOs) nur auf durchschnittlich 2,86 Millionen Euro. Gegenstand der Untersuchung war die Summe aus fixem und variablem Gehalt. Eingeflossen sind nur Daten von Vorständen, die das komplette Jahr über in dem jeweiligen Gremium vertreten waren.

          „In den Vorständen der Dax-Unternehmen ist zumindest bei der Vergütung die Gleichberechtigung erreicht“, sagte EY-Partner und Vergütungsfachmann Jens Massmann. Den Grund sieht er darin, dass sich die Konzerne mächtig für mehr Vielfalt ins Zeug gelegt hätten. Fähige Frauen für das oberste Führungsgremium zu finden sei aber gar nicht so leicht, weil es nur wenige Kandidatinnen gebe. Die wenigen, so die Theorie, können aufgrund ihres Marktwertes hohe Gehälter fordern – und lägen deshalb am Ende im Durchschnitt vor ihren männlichen Kollegen.

          Gunther Friedl, BWL-Professor an der TU München und Fachmann für das Thema Vorstandsvergütung, hat allerdings Zweifel an dieser Schlussfolgerung. Er weist auf die geringe Fallzahl bei den Vorstandsfrauen hin – nur 18 im Vergleich zu 125 Männern. „Üblicherweise gibt es zwei Einflussfaktoren auf die Gehälter in den Dax-Chefetagen: die Unternehmensgröße und die Höhe der variablen Vergütung, die von der Gewinnentwicklung bestimmt wird“, sagt Friedl. Da die Differenz zwischen den Gehältern der Männer und Frauen nicht groß und die Fallzahl der Frauen eher klein sei, glaubt Friedl nicht, dass ein generell größerer Marktwert für fähige Kandidatinnen dahinter steckt. Es gebe kein „Goldröcke“-Phänomen, es würden also keine übermäßigen Halteprämien an fähige weibliche Vorstände fließen. „Schließlich gibt es ja für Vorstände hierzulande auch keine Quote“, sagt er.

          Tendenziell seien es vielmehr die größeren und gewinnstärkeren Unternehmen, in denen überhaupt eine oder zwei Frauen in den Vorständen vertreten seien. „Es stimmt zwar, dass der Kreis der Frauen, die für diese Posten infrage kommen noch klein ist“, sagt Friedl. „Aber diejenigen verhandeln wie Männer und kriegen auch das Gleiche wie die Männer.“ Dax-Unternehmen mit zwei weiblichen Vorständen gibt es durchaus; gerade im laufenden Jahr sind noch etliche hinzugekommen. Mittlerweile haben zum Beispiel Daimler, SAP und die Münchner Rück jeweils zwei weibliche Vorstandsmitglieder. Auch Siemens und die Allianz kommen beide auf zwei Frauen in der obersten Chefetage. So weit die Vorzeigeunternehmen in punkto weibliche Note im Vorstand. Andere Dax-Unternehmen sind dagegen immer noch komplett männlich in ihrer Führungsetage, zum Beispiel Linde, Eon, Infineon oder Heidelberger Cement.

          Laut EY hat es innerhalb der Gruppe der Frauen keine größeren „Ausreißer“ gegeben; es sei nicht so gewesen, dass eine oder einige wenige Frauen den Schnitt übermäßig nach oben gezogen hätten, sagte ein Sprecher. Das niedrigste Jahresgehalt für weibliche Vorstände lag bei 1,8 Millionen Euro, das höchste bei 5 Millionen Euro. Bei den männlichen Vorständen lag die Spreizung zwischen 1,17 Millionen Euro und 5,16 Millionen Euro. In den kleineren Börsenindizes M-Dax, S-Dax und Tec-Dax verdienten weibliche Vorstände laut der EY-Untersuchung dagegen noch immer weniger als ihre männlichen Kollegen. Im S-Dax und Tec-Dax liegen sie im Schnitt sogar um mehr als ein Fünftel hinter den Männern. Auch die absolute Zahl der Frauen, die es in diesen Segmenten überhaupt auf einen Vorstandsposten schafften, ist klein: 7 Frauen gab es im M-Dax, 9 im S-Dax und 4 im Tec-Dax.

          Die Studie zeigt auch, dass Frauen in den Vorständen prozentual einen deutlich höheren Anteil Fix-Gehalt bekamen. Bei den männlichen Vorständen waren sowohl im Dax als auch im M-Dax, S-Dax und Tec-Dax die variablen Gehaltsanteile im Schnitt höher. Außerdem geht aus dem Berechnungen hervor, dass Vorstände im Dax im Durchschnitt 3,275 Millionen Euro Bruttojahresgehalt einstreichen. Das ist etwa dreimal so viel wie das Durchschnittsgehalt der S-Dax-Vorstände. In diese Rechnung flossen sowohl Männer als auch Frauen sowie die Vorstandsvorsitzenden mit ein.

          Quelle: nab.

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