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Davos 2005 Westliche Investoren klagen über verzerrtes Rußland-Bild

27.01.2005 ·  Die Yukos-Affäre hat Rußlands Ansehen in der Wirtschaftswelt geschadet. Westliche Investoren versuchen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, Moskaus Ruf zu retten.

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Auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos gibt es zwar einen russischen Abend, doch nur erstaunlich wenige Manager und Politiker aus Moskau versuchen vor Ort die Gelegenheit zu nutzen, ausländische Investoren über die irritierenden Vorgänge in ihrem Land aufzuklären. Somit bleibt unklar, ob das westliche Medienbild richtig ist, wonach die Affäre um den Energiekonzern Yukos eine autoritäre Entwicklung im Kreml zeigt und damit eine schleichende Verstaatlichung der Grundstoff-Industrie bevorsteht.

Um Aufklärung bemühen sich auf dem Forum einzig westliche Investoren, die in Rußland engagiert sind und um ihr Vermögen fürchten. Das britische Investmenthaus Hermitage Capital Management, das 1,6 Milliarden Dollar in russische Fonds gesteckt hat, beurteilt die Lage zum Beispiel viel positiver, als es die Börse in Moskau wegen der negativen Medienberichte tut.

Der Unternehmer ist kein Märtyrer

Die höhere Risikoprämie und damit die Unterbewertung russischer Wertpapiere seien überhaupt nicht gerechtfertigt, versicherte am Donnerstag William Browder, der Geschäftsführer von Hermitage Capital in Davos. "Ich sehe keine Renationalisierung unter Präsident Wladimir Putin", sagte er. Nach seiner Meinung ist der Konflikt zwischen Putin und dem inhaftierten Yukos-Gründer Michail Chodorkowskij rein politischer Natur. Putin zähle Chodorkowskij zu jenen Oligarchen, die sich ungerechtfertigt bereicherten. Überdies habe Chodorkowskij Parteien "kaufen" wollen und eine politische Rolle gesucht.

Weil die Kapitalstruktur von Yukos so kompliziert gewesen sei, habe die Regierung nicht den Anteil des Gründers einziehen können, sondern das Unternehmen zerschlagen müssen. Den Unternehmer als Märtyrer zu betrachten sei somit unzulässig. Dieses Bild habe allein eine von Yukos finanzierte Medienkampagne im Westen gezeichnet. Browder, der schon länger in Moskau tätig ist, attestierte Putin, daß er ein "ehrlicher Politiker" sei und sich nicht bereichern wolle.

Treffen von Bush und Putin im Februar

Die westliche Einschätzung gegenüber der russischen Wirtschaft und damit auch der Börse habe sich nur deshalb so stark verändert, sagte der Hermitage-Geschäftsführer weiter, weil die Affäre um Yukos in übertriebener Weise alte Vorurteile reaktiviert habe. Am Beispiel der Ukraine lasse sich zeigen, daß solche Reflexe falsch seien. Moskau habe dort demokratische Wahlen letztlich zugelassen, ein von vielen befürchteter Konflikt mit dem Westen sei nicht entstanden. Browder bezeichnete es auch als falsch, daß die Wirtschaftsreformen in Rußland beendet seien.

Mit ökonomischen Kennziffern versuchte der Investor zu begründen, warum Rußland gegenwärtig zu schlecht eingeschätzt wird. "Die Börse spiegelt nicht die Stärke der Wirtschaft wider", sagte er. Das Wachstum des Sozialprodukts werde auch im Jahr 2005 etwa sechs Prozent erreichen, die Währungsreserven der Notenbank stiegen und der Staatshaushalt habe - im Gegensatz zur Volksrepublik China - einen Überschuß. "Russische Aktien sind zur Zeit die billigsten auf der Welt; sie kosten - gemessen am Preis-Gewinn-Verhältnis - nur die Hälfte dessen, was man für Titel aus anderen aufstrebenden Volkswirtschaften zahlt", wirbt der Hermitage-Geschäftsführer. Browder sieht eine schnelle Korrektur an der Börse in Moskau, sobald sich das westliche Medienbild der Realität annähere. Ein erster Schritt könne schon das Treffen von Putin und dem amerikanischen Präsidenten George Bush im Februar in der Slowakei sein.

Quelle: km., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005, Nr. 23 / Seite 14
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