19.10.2009 · Nach dem Datenmissbrauch im Online-Forum SchülerVZ ist Haftbefehl gegen einen 20 Jahre alten Verdächtigen erlassen worden. Gegen ihn bestehe der Verdacht der versuchten Erpressung, teilte das Landeskriminalamt Berlin mit.
Nach dem großangelegten Datenmissbrauch im Online-Forum SchülerVZ ist am Montagabend Haftbefehl gegen einen 20 Jahre alten Verdächtigen erlassen worden. Gegen ihn bestehe der Verdacht der versuchten Erpressung, teilte das Landeskriminalamt Berlin mit. Ein Richter erließ deswegen den Haftbefehl. Der aus Erlangen stammende Mann wurde am Sonntagabend in den Firmenräumen der VZ-Netzwerke im Berliner Stadtbezirk Pankow festgenommen. Er wurde am Montag den ganzen Tag verhört.
Ob der Verdächtige ein VZ-Mitarbeiter ist, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Die VZ-Netzwerke betreiben die Portale SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ. Nach Angaben der Firma sind dort über 15 Millionen Mitglieder aktiv. Jeden Tag werden mehr als eine Million Fotos hochgeladen und neun Millionen Nachrichten an Freunde, Kollegen und Bekannte versendet.
„Daten können nur schwer gegen Missbrauch geschützt werden“
Der Verdächtige soll nicht nur illegal Daten aus vielen Nutzerprofilen kopiert, sondern diese auch weiteren Personen zur Verfügung gestellt haben. Nach Firmenangaben stellte der Hacker die kopierten Daten in einem geschlossenen, passwortgeschützten Internetforum zum Download bereit - insgesamt 17 Nutzer hätten diese dort heruntergeladen.
Der 20-Jährige wollte zudem mit den Daten weit über 20.000 Euro erpressen. Das bestätigte die Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag. „Der Kern des Vorwurfs gegen den Mann ist derzeit nicht die datenschutzrechtliche Frage, sondern der Erpressungsversuch“, sagte Sprecher Martin Steltner. Der Erpresser habe zunächst 20.000 Euro, dann sogar ein Mehrfaches davon vom VZ-Netzwerk als Betreiber von SchülerVZ gefordert und angedroht, die Daten sonst nach Osteuropa zu schaffen. Der Verdächtige sei der Polizei bereits aus anderen Zusammenhängen bekannt.
Mehr als eine Million Datensätze von SchülzerVZ-Usern
Dem Internetblog „netzpolitik.org“ wurden nach eigenen Angaben mehr als eine Million Datensätze von SchülzerVZ-Usern angeboten. Es seien aber nur Daten kopiert worden, die von den Schüler-VZ-Anwendern als „für alle Nutzer sichtbar“ eingestuft wurden, hatte der Geschäftsführer der VZ-Netzwerke, Markus Berger-de León, erklärt.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte unterdessen gewarnt, persönliche Daten ins Netz zu stellen. „Der Fall zeigt, dass man sich überlegen muss, wo man Daten preis gibt, speziell im Internet“, sagte Schaar der „Berliner Zeitung“. „Daten, die im Internet stehen und von einer großen Zahl von Menschen genutzt werden, können nur schwer gegen Missbrauch geschützt werden.“ Auch der Branchenverband der Internetwirtschaft reagierte mit Besorgnis. „Beim Datenschutz von Kindern und Jugendlichen in Online-Netzwerken muss ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet sein. Das muss allerhöchste Priorität genießen“, sagte Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom). Glücklicherweise gehe es bei SchülerVZ nicht um sensible Daten wie Kontonummern. Doch zeige der Fall, wie wichtig es sei, dass Eltern genau darauf achteten, was ihre Kinder in Online-Netzwerken tun.
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