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Daten-Verwirrung : Empörung über die Dauer von Langzeitarbeitslosigkeit

Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann Bild: dpa

Die Linkspartei und die Sozialverbände schlagen Alarm. Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit werde immer schlimmer. Die Daten blenden aber vieles aus.

          Am Dienstag haben Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zur Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland für Verwirrung und Empörung gesorgt. Ausgangspunkt waren Daten aus einer Antwort auf eine Anfrage von Sabine Zimmermann, der Vizevorsitzenden der Linkenfraktion im Bundestag. Demnach ist die Bezugsdauer von Hartz-IV-Empfängern (länger als ein Jahr ohne Arbeit) von 2011 bis 2016 von 555 auf 625 Tage gestiegen – ein Plus von 74 Tagen oder 13,3 Prozent.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Für Zimmermann bedeutet das: „Die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende hat in den letzten Jahren zugenommen.“ Sie spricht von einem blamablen Ergebnis für die Bundesregierung und einer logischen Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstandes. Auch die Sozialverbände schlagen Alarm. „Menschen, die seit mehr als einem Jahr arbeitslos sind, haben es besonders schwer, einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden“, sagte Ulrike Mascher, die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, und forderte einen aus staatlichen Mitteln finanzierten sozialen Arbeitsmarkt für diese Gruppe. Noch drastischer formulierte es Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes: „Hartz IV ist für viele Menschen schlicht eine Sackgasse.“

          Dagegen weist die Arbeitsagentur bei der Interpretation auf konjunkturelle Einflüsse hin. Was die Linkenpolitikerin Zimmermann in den medial verbreiteten Daten nämlich nicht erwähnte: Im Jahr 2008, also nur drei Jahre vor dem gewählten Ausschnitt, hatte der Durchschnittswert volle 633 Tage betragen – also vier Tage mehr als zuletzt. Der Grund liegt auf der Hand: 2011 gab es in der konjunkturellen Erholungsphase nach der Wirtschafts- und Finanzkrise einen überproportionalen Wirtschaftsaufschwung. Vom Aufschwung haben alle Arbeitslosen-Gruppen profitiert, die durchschnittliche Dauer war geringer als vorher.

          Die Langzeitarbeitslosigkeit verringert sich

          Dass sich die Langzeitarbeitslosigkeit seit Jahren sowohl absolut wie auch prozentual sogar verringert, zeigt eine andere Statistik der Arbeitsagentur: Im Jahr 2007 waren noch 1,73 Millionen länger als ein Jahr arbeitslos gewesen, was einem Anteil von 6,3 Prozent an allen Erwerbspersonen entsprach. Im Jahr 2016 waren es dagegen im Durchschnitt nur noch 993000 und auch die Quote hat sich mit 3,2 Prozent nahezu halbiert.

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