Home
http://www.faz.net/-gqe-74np8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Das triste Ende einer Drogeriekette Schlecker-Inventar unter dem Hammer

Vor einem Jahr schlug im Schlecker-Zentrallager noch das Herz des Drogerie-Imperiums. Nun wird dort ausverkauft. Handwerker und Einzelhändler sichern sich bei einer Auktion das letzte brauchbare Inventar.

© dpa Vergrößern Ladeneinrichtungen im Schleckerzentrallager bei Ehingen

Es sieht aus wie auf einem riesigen Flohmarkt. In Wühlkisten liegen alte Regale, Einkaufskörbe und ein paar übrig gebliebene Fliesen - mehrere tausend Einzelstücke insgesamt. Das ist alles, was vom Inventar des Drogerie-Imperiums von Anton Schlecker noch übrig ist. Am Mittwoch hat der Insolvenzverwalter das verbliebene Anlagevermögen von Schlecker versteigern lassen, um für die Gläubiger zumindest ein bisschen Geld einzutreiben. Doch viel rauszuholen gibt es nicht.

Hunderte Menschen sind in das Schlecker-Zentrallager nach Ehingen gekommen. Viele aus reiner Neugier, einige Gewerbetreibende in der Hoffnung auf ein Schnäppchen. In den großen Lagerhallen sind die Waren vor der Versteigerung ausgestellt. Handwerker interessieren sich für Bohrmaschinen, Kabelrollen und Werkzeugkoffer, die bei Schlecker früher in Werkstätten und Lagern genutzt wurden. „Ich hoffe, dass man hier günstig was bekommen kann“, sagt ein Maler aus Biberach. Aus den Schlecker-eigenen Kfz-Werkstätten gibt es Hebebühnen, Reifenauswuchtgeräte und einen Bremsprüfstand.

Inventarversteigerung Schlecker Früher war hier mehr Verkehr: Zwei Männer gehen über den fast leeren Hof des Schlecker Zentrallagers. © dpa Bilderstrecke 

Einzelhändler schauen nach Regalen, Kisten oder nach Einkaufskörben, in denen Schlecker-Kunden jahrelang Schampoo und Toilettenreiniger gesammelt haben. Aus den Büros gibt es alte Computer, Laserdrucker und durchgesessene Schreibtischstühle. „Die könnten wir mit ordentlich Gewinn bei Ebay wieder verkaufen“, sagt einer der Interessenten.

Aber im Angebot ist auch Kleinkram: Pinsel und Farbeimer, benutzte Putzkellen und Mörteleimer, angebrochene Schmierölfläschchen und Teppichreste. Nichts scheint zu klein und zu alt, um bei der Auktion zumindest ein bisschen Geld dafür bekommen zu können. Ein wenig ist es wie früher: Es gibt fast nichts, was es bei Schlecker nicht gibt.

Der Auktionator hat Bierbänke aufstellen lassen

Die Versteigerung hat die Industrieverwertungsgesellschaft HT mit Sitz in Hamburg übernommen. Wer bei Auktionen bislang an das edle Ambiente gedacht hat, das man von manchen Kunst-Auktionen aus dem Fernsehen kennt, wird enttäuscht. In einer große Lagerhalle hat der Auktionator Bierbänke aufstellen lassen. In der Halle riecht es nach Bratwürsten, die ein Caterer hinten grillt.

Doch die Versteigerung kommt schnell in Gang. Mit einem Akku-Aufbruchhammer geht es los. „10, 20, 30, 40...“, verkündet der Auktionator die Gebote. Die Handwerker treiben gegenseitig die Preise in die Höhe. Weit über 100 Euro bieten sie für die ersten Elektrogeräte. Einige schütteln den Kopf. „Zu teuer“, sagt einer. „Den bekomme ich anderswo billiger.“ Nachdem der Auktionator die ersten hundert Positionen aufgerufen hat, verlieren die ersten die Geduld. Die Schlange am Bratwurst-Stand wird länger. Immer weniger bieten mit, die Preise sinken.

Mehr zum Thema

Wie viel Geld die Auktion am Ende bringen würde, war auch für den Auktionator noch völlig unklar. Bei gebrauchten Gegenständen lasse sich das immer schwer abschätzen, hatte er im Vorfeld der Auktion gesagt. Hohe Gewinne hatte der Insolvenzverwalter ohnehin nicht erwartet - vor allem nicht, wenn man die gewaltigen Forderungen der Gläubiger gegenüberstellt. Sie verlangen Angaben der Insolvenzverwaltung zufolge mehr als eine Milliarde Euro. Die Versteigerung soll vor allem dazu dienen, die 13 Regionallager zu leeren, für die ein Makler im Moment nach Käufern sucht.

Ganz hinten im Versteigerungssaal sitzen drei Frauen, die einmal bei Schlecker gearbeitet haben, und beobachten das Geschehen. Durch die Insolvenz haben sie genau wie ihre rund 25 000 Kolleginnen in Deutschland den Job verloren. Die Lichter bei Schlecker waren Ende Juni endgültig ausgegangen. „Wir wollten einfach schauen, was hier passiert“, sagt eine. Doch die Stimmung ist gedrückt. „Das ist unwürdig“, findet ihre Kollegin. „Schlecker war einmal mein Leben. Heute ist es nur noch Ramsch.“

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Versteigerung Mehr als 10.000 Euro für Middelhoffs Armbanduhr

Diese Uhr hat ein Gerichtsvollzieher dem ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff weggenommen. Jetzt ist sie versteigert worden - für das Vierfache ihres eigentlichen Wertes. Mehr

17.10.2014, 16:21 Uhr | Wirtschaft
Banksy nennt Auktion seiner Werke "widerlich"

Der Graffiti-Künstler Banksy hat sich klar von einer Auktion distanziert, bei der einige seiner Werke zu Höchstpreisen versteigert werden sollen. Mehr

28.04.2014, 10:09 Uhr | Feuilleton
Auktion Kennedys Hochzeitsfotos versteigert

Als John F. Kennedy Jacqueline Bouvier heiratete, war es das größte gesellschaftliche Ereignis seiner Zeit. Nun wurden 13 Fotos des Hochzeitstages in einer Auktion verkauft. Mehr Von Christiane Heil, Los Angeles

15.10.2014, 16:58 Uhr | Gesellschaft
’Birkin bag’ soll mehr als 150.000 Dollar bringen

Manchmal ist eine Handtasche eben nicht nur eine Handtasche: Diese so genannte Birkin bag, mit Weißgold und Diamanten besetzt, sollte unter den Hammer kommen, bei einer Versteigerung von Luxus-Accessoires. Die Auktionatoren erwarten mehr als 150.000 Dollar für das Schmuckstück. Mehr

23.09.2014, 13:27 Uhr | Stil
Hoffen auf Beatles-Fans Elternhaus von George Harrison wird versteigert

Der ehemalige Beatle George Harrison wuchs nicht in der schönsten Ecke Liverpools auf. Die heutigen Besitzer seines Elternhauses hoffen, dass es einem leidenschaftlichen Beatles-Fan trotzdem viel Geld wert ist. Mehr

19.10.2014, 17:09 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.11.2012, 13:01 Uhr

Tests mit Schlagseite

Von Markus Frühauf

Bestünden alle Banken den Stresstest, hätte die EZB als künftige Bankenaufseherin schon vor dem Beginn versagt. Doch sie kann auch kein Interesse daran haben, die Schwächen der Banken schonungslos aufzudecken. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Viel Fleisch nicht zum Verzehr geeignet

Entzündliche Reaktionen der Haut, Hämatome oder abgemagerte Tiere: Fast 16.000 Tonnen Geflügelfleisch aus deutschen Schlachtbetrieben wurden 2013 aussortiert. Die häufigsten Ursachen gibt es in unserer Grafik des Tages. Mehr 2

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden