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Finanzamt-Kommentar : Das Steuerexperiment

Unternehmen sollen an einem einzigen Anlaufpunkt ihre gesamten Mehrwertsteuerpflichten für alle EU-Staaten erfüllen können, eine gute Idee. Die Frage ist, ob das auch in der Praxis funktioniert. Zweifel sind berechtigt.

          Die Idee klingt gut: Künftig sollen Unternehmen an einem einzigen Anlaufpunkt ihre gesamten Mehrwertsteuerpflichten für alle EU-Staaten erfüllen können – in einer Sprache, nach einem ihnen bekannten Muster. Zumindest für bestimmte Geschäfte soll die Vision bald Wirklichkeit werden. Die EU-Finanzminister wollen den Ansatz an diesem Dienstag in Brüssel beschließen.

          Für die Unternehmen klingt das attraktiv. Wer beispielsweise in Deutschland sitzt, kann die lästige Pflicht aus Anmelden und Zahlen leichter erfüllen. Betriebe im Ausland können wählen, mit welchen Finanzbehörden sie bei der Umsatzsteuer künftig für ihre EU-Geschäfte exklusiv zusammenarbeiten wollen.

          Die entscheidende Frage ist, ob das Experiment am lebenden Objekt gelingen wird. Wie sich in der Euro-Staatsschuldenkrise brutal gezeigt hat, sind etwa die griechischen Finanzbeamten gnadenlos überfordert, auch nur die eigenen Steuern nach eigenem Recht einzutreiben.

          Befürworter der Neuregelung weisen beschwichtigend darauf hin, dass die nationalen Behörden in Zweifelsfällen Rat in anderen Ländern einholen können. Solche Auskunftsersuchen gibt es schon – allerdings nicht immer eine Antwort.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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