12.09.2009 · Im Bundesleistungszentrum Kienbaum können Spitzensportler künftig ihre Muskeln in einer Kältekammer pflegen. Bezahlt wird mit Geld aus dem Konjunkturpaket. Teil 8 aus der Serie: Hier gibt Deutschland Ihr Geld aus.
Von Anne-Katrin SchadeHalbnackte Wanderungen bei Minusgraden hält kein Mensch lange durch. Die Haut färbt sich rot-blau, sie wirft Blasen, das Herz schlägt langsamer: Man erfriert.
Diese Tortur bietet die brandenburgische Gemeinde Grünheide Spitzensportlern an, als Trainingsmethode. Sie können sich hier einer Temperatur von minus 110 Grad aussetzen. Seit etwa zwei Monaten steht in ihrem Bundesleistungszentrum im Ortsteil Kienbaum eine Kältekammer, neu gebaut mit 303 000 Euro aus dem Konjunkturpaket des Bundes.
2,5 Minuten geht es in die Kammer
In der Kammer ist es frostiger als in Sibirien. Die Sportler müssen Handschuhe und Mundschutz tragen, um sich zu schützen. Damit sich ihr Körper an die Kälte gewöhnt, laufen sie zuerst durch eine Kammer mit minus 10 Grad, dann in eine mit minus 60, bis sie in den dritten Raum mit minus 110 Grad gelangen.
Die eisige Temperatur kühlt die Haut ab, und das Blut verteilt sich neu, von der Oberfläche ins Innere. Dort überflutet es die Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffen. Um die 2,5 Minuten lang laufen die Athleten langsam in der Kammer umher. Dann müssen sie wieder ins Warme. Danach könnten Athleten etwa eine halbe Stunde lang ihre Leistung um 1 bis 2 Prozent steigern, sagt der Sportprofessor Winfried Joch von der Universität Münster, der die Kältekammer mit seinem Team erforscht hat. Dank der Kälte erhitzt sich der Körper im Training nicht so sehr, und es bleibt mehr Energie für den Sport. Und die Stimmung der Sportler steigt: "Einige sind danach euphorisiert", erzählt Joch, der sich selbst schon ein paar Mal der Kälte ausgesetzt hat und das Gefühl kennt. Jeder dritte Sportler fühle sich dann ausgeschlafen, frisch und "wie neu geboren". Ohne Nebenwirkungen.
Bislang in Rheumakliniken eingesetzt
Mit Doping habe das nichts zu tun, betont der Geschäftsführer des Zentrums Klaus-Peter Nowack. Er wünscht sich schon seit Jahren eine Kältekammer. Sie sei unbedingt nötig, damit die Konkurrenz aus dem Ausland die Deutschen nicht abhänge. Denn während Kältekammern in Deutschland bisher nur in Rheumakliniken eingesetzt wurden, nutzen sie Sportler anderswo schon lange.
Früher haben die Einkäufer hierzulande jedoch gar nicht erst nach Froststuben Ausschau gehalten: "Andere Anschaffungen waren wichtiger." Offenbar kamen die deutschen Sportler auch gut ohne sie klar. Denn eigentlich hat das Bundesinnenministerium den Standort seit der Wende mit etwa 50 Millionen Euro für Baumaßnahmen gefördert. Aber für eine Kältekammer hat es bisher nicht gereicht - bis das Bundesinnenministerium 3,8 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket bewilligt hat. Genug Geld für den Kühlraum. Und mit dem Rest wird in Kienbaum noch ein neues Verwaltungsgebäude errichtet.
Der Bau ging dann ganz schnell: Ein Neu-Ulmer Unternehmen lieferte die Kammer, nach drei Monaten weihten sie die Sportler ein.
Fachleute bezweifeln allerdings, dass die deutschen Leichtathleten bei der diesjährigen Weltmeisterschaft nur dank dieser Abhärtung so viele Medaillen abgeräumt haben. Denn die Kammer wurde erst zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft fertig. Die Deutschen schafften es also auch ohne viel Frost aufs Siegertreppchen.
hau weg das Steuergeld...
Michael Meier (never1)
- 12.09.2009, 12:14 Uhr
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