20.10.2009 · Nobelpreisträgerin Ostrom besuchte die Fischer im türkischen Alanya. Diese einigen sich selbst darauf, wer wie viele Fische fangen darf. Ökonomen hielten solche Lösungen lange für unmöglich.
Der Traum vom ganz persönlichen Ozean mit den ganz persönlichen Fischen darin ist schön, er endet aber spätestens mit dem Aufwachen. Denn auf den Weltmeeren fischen alle, bloß nicht alle denselben Fisch. Denn den Thunfisch, den einer fängt, kann sonst niemand fangen. Die Fischer sind nicht Kollegen, sondern Rivalen, die einander ertragen müssen - jedenfalls, solange niemand freiwillig an Land bleibt.
Tragisch ist das, sagen diejenigen, die solche Situationen in Theorien packen. Sie vermuten, dass jeder Fischer versucht, selbst möglichst viel zu fangen. Das Desaster scheint programmiert, einzig der Zeitpunkt, bis zu dem der letzte Fisch aus dem Wasser gezogen sein wird, bleibt strittig. Zumal niemand bezahlen könnte, viele kleine Meere so einzuzäunen, dass nicht doch ein eigener Fisch zum Nachbarn schwimmt und dort ins Netz geht.
In Alanya ist Überfischung kein Thema mehr
Die Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom hält dagegen. Sie war bei den Fischern im türkischen Alanya und stellte fest: Dort funktioniert's doch. Zwar jagten auch an der Türkischen Riviera die Fischer einst gleichzeitig den großen Schwärmen hinterher und dezimierten sie damit übermäßig. Als ihnen das jedoch bewusst wurde, einigten sich alle auf eine Regel für die Zukunft: Sie teilen die Fanggründe so auf, dass für jeden Fischer ein Gebiet definiert ist, in dem er allein fischen darf. Wer wo Fische fangen darf, entscheidet das Los. Und genau das ist der Trick: Denn so bekommt jeder mal die guten, mal die weniger guten Gegenden ab.
Überfischen ist dort heute kein Thema mehr, zugleich kommen alle Fischer zum Zuge, niemand wird benachteiligt. Und wenn doch mal jemand ausschert, dann können sich die Fischer auch noch an den örtlichen Gendarmen wenden. Oft muss er sich allerdings nicht kümmern, weil die Fischer die Regeln fair finden. So oder ähnlich wie in Alanya machen die Fischer das mittlerweile auch an vielen anderen Orten. Sie einigen sich selbst darauf, wer angeln darf, und legen oft sogar fest, wie viele Fische jemand höchstens an einem Tag fangen darf. Die Ökonomen, die solche Lösungen lange unmöglich fanden, nahmen es staunend zur Kenntnis. Sie konnten gar nicht glauben, dass der Fischfang funktioniert auch ohne Privatozeane.
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