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Business mit Asylbewerbern : Der Mann, der mit Flüchtlingen reich wird

Marktführer in Skandinavien: Kristian Adolfsen versorgt 10.000 Flüchtlinge in siebzig Einrichtungen. Bild: danapress

Kristian Adolfsen betreibt in Norwegen und Schweden Unterkünfte für Tausende Asylbewerber. Der Millionär macht damit prächtige Gewinne. Jetzt will er auch das deutsche Flüchtlingsbusiness aufmischen.

          Arbeiten macht Spaß, das weiß Kristian Adolfsen schon als Grundschüler. Nach der letzten Unterrichtsstunde rennt er hinunter zum Hafen, um sich seine Rohstoffe zu sichern, die Köpfe von frisch geschlachteten Dorschen. Es ist kalt, es stinkt nach Fisch, das Blut spritzt. Adolfsen spießt einen Fischkopf nach dem anderen auf eine spitze Stahlstange, damit sich der Gaumen nach außen wölbt, und schneidet dann die zentimeterlange Zunge heraus, die Feinschmecker als Delikatesse preisen. So verdienen sich fast alle Schüler in Andenes, einem Fischerdorf im Norden von Norwegen, ihr Taschengeld. Der Wettbewerb ist hart, die Tage sind lang. Nach der Akkordarbeit in der Fabrik kommt der Vertrieb, das Klinkenputzen bei den Restaurants. Kristian Adolfsen gefällt das. Es dauert nicht lange, dann ist er mit Messer und Stahlspieß der Schnellste.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fast fünfzig Jahre ist das jetzt her. Adolfsen ist zum Multimillionär geworden, zu einem der umstrittensten Unternehmer in Norwegen noch dazu. Er scheffelt Geld auf Kosten der Flüchtlinge, sagen seine Kritiker. Denn kein anderer im Land betreibt so viele Flüchtlingsunterkünfte wie die Firma Hero, die Kristian Adolfsen und seinem Bruder Roger gehört. Im vergangenen Jahr, als nach Norwegen mehr Flüchtlinge kamen als je zuvor, hat sich die Zahl der Unterkünfte verdoppelt, die Hero betreibt. Genauso wie der Umsatz. Der Gewinn stieg sogar noch mehr.

          Schreibt der Staat neue Aufträge aus, bekommt meistens Hero den Zuschlag. Kein anderer in der Branche kalkuliert so eng wie Kristian Adolfsen. Für umgerechnet 22 Euro je Tag und Flüchtling bietet er das Komplettpaket: Dach und Bett, Strom und Kleidung, Essen und Trinken. Manchmal liegt er damit dem Vernehmen nach 10 Euro unter der Konkurrenz. „Drei Prozent Rendite“, sagt er, „sind da auch schon drin.“

          Großes Potential im deutschen Flüchtlingsbusiness

          So viel wie Adolfsen nehmen die großen Anbieter auch in Deutschland, obwohl das Preisniveau sonst hierzulande viel niedriger ist als in Norwegen, wo die Öl- und Gasförderung zu allgemeinem Reichtum geführt hat. Kein Wunder, dass Kristian Adolfsen nun auch auf den deutschen Flüchtlingsmarkt schielt. Es ist eine andere Welt: Nach Deutschland sind 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge gekommen, in Norwegen leben zurzeit nur rund 30.000 in Lagern und Unterkünften. In Deutschland sind Wohltäter wie das Rote Kreuz und die Malteser die wichtigsten Anbieter, in Norwegen haben ihnen auf Profit gepolte Unternehmen wie Hero den Rang abgelaufen. Anders gesagt: Das Potential im Flüchtlingsbusiness ist hierzulande riesig. „Wir waren letztes Jahr mit dem Wachstum in Skandinavien zu beschäftigt“, sagt Adolfsen. „Jetzt würden wir aber auch gerne nach Deutschland kommen.“

          Der Angreifer aus dem Norden ist allerdings noch ein Neuling im Geschäft. Hero, die Flüchtlingsfirma, gehört erst seit knapp zwei Jahren zur Adolfsen-Gruppe, dem Geflecht aus einem Dutzend Firmen, das Kristian und Roger Adolfsen in den vergangenen 25 Jahren geknüpft haben. Der Kauf war ein Schnäppchen. Für umgerechnet 16 Millionen Euro hat ISS, einer der größten Dienstleistungskonzerne der Welt, die Sparte losgeschlagen. Die Manager wollten sich vor dem damals anstehenden Börsengang unbedingt auf die Kerngeschäfte Hausmeisterservice, Gebäudereinigung und Kantinenbetrieb konzentrieren, den Investoren zuliebe.

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