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Franziskus in Amerika : Das Geschäft mit dem Papst

  • -Aktualisiert am

Papp-Papst mit seinen Schöpfern Bild: Catholic to the Max

Papp-Päpste, Papst-T-Shirts und Papst-Aufkleber für Autokennzeichen und Hundemarken: Wenn Franziskus in der kommenden Woche die Vereinigten Staaten besucht, ist das ein großer Rummel.

          Papst Franziskus macht seinen ersten offiziellen Besuch in den Vereinigten Staaten – und das Land wird schon ganz verrückt darüber. Kein Tag vergeht ohne Papst-Neuigkeiten aus aller Welt, gerade ist er in Kuba, oder Neuigkeiten zu Sicherheitsvorkehrungen in Washington, New York, Philadelphia, den drei Städten, die Franziskus besucht. Ihn erwarten Hunderttausende Fans und Gläubige. Karten für die wenigen Veranstaltungen, die öffentlich sind, wurden in New York unter den Bürgern verlost, in Philadelphia waren sie den Schnellsten vorbehalten – und binnen 30 Sekunden weg. Sie wurden kostenlos vergeben, mittlerweile bekommt man sie zu Preisen von mehreren hundert Dollar auf dem Schwarzmarkt.

          In Philadelphia allein werden 1,5 Millionen Fans erwartet. Denn obwohl viele bei Kirchen in Amerika zuerst an Baptisten oder Mormonen denken: Mehr als 70 Millionen Amerikaner sind Katholiken, fast ein Viertel der Bevölkerung. Die Gruppe bekommt stetig Zulauf durch die Einwanderer aus Süd- und Mittelamerika. Allerdings gibt es auch immer mehr Katholiken, die ihren Glauben nicht mehr praktizieren, so dass die Gesamtzahl derer, die sich als Katholiken bezeichnen, stabil bleibt oder sogar fällt, je nach Umfrage.

          Zum Papstbesuch erinnern sich viele wieder an ihre Konfession. Schulen, Kindergärten, Kirchen bereiten sich vor. Überall hängen Poster, stehen jetzt schon lebensgroße Papp-Päpste. Hergestellt werden sie häufig von einer Firma: „Catholic to the Max“ heißt sie und gehört der elfköpfigen Familie Nelson, die in Steubenville, einem Örtchen nahe Pittsburgh, eine Farm und fünf Internetshops betreibt. Außerdem hat sie sich auch die Seite mit der Adresse www.popefrancisvisit.com reserviert. Dort findet man Informationen über den Papstbesuch - um dann auf den Shop hingewiesen zu werden. Wer in Amerika den Papstbesuch googelt, landet als Erstes bei den Nelsons.

          600 Papp-Päpste verkauft

          „Es fing alles 2002 an“, erzählt Mark Nelson, der 44-jährige Vater der Familie. Damals stellte er den ersten Papst-Papp-Aufsteller her, Johannes Paul II. in Lebensgröße. Es war Weltjugendtag in Toronto, Kanada, die Nelsons verkauften schon länger christliche Souvenirs, aber sie wollten etwas ändern. „Wir wollten den Papst so darstellen, dass es den Jüngeren gefällt“, erzählt Nelson. „Dann fanden wir dieses Bild, auf dem der Papst so eine süße Sonnenbrille aufhatte.“ Es war eine echte Fotografie, nicht verändert. Nelson druckte sie auf T-Shirts, die sich bestens verkauften, und produzierte zum ersten Mal einen lebensgroßen Papp-Aufsteller. „Wir haben damals leider nur einen hergestellt, für uns“, erzählt er. Doch schon in den nächsten Jahren wurde der Papp-Papst zum Renner.

          Buttons mit dem Bild des Papstes sind auch in New York der Renner.

          In diesem Jahr macht Nelson wieder Papp-Aufsteller. Dieses Mal von Franziskus. Der Papp-Papst für 160 Dollar ist begehrt in Nelsons Internet-Geschäft. „Wir haben jetzt schon 600 Stück verkauft“, sagt Nelson. Noch besser verkauft sich ein T-Shirt mit einem großformatigen Papst-Foto, auf dem er den Daumen hochreckt, darüber steht: „Papa Francis“.

          Der Internet-Shop von „Catholic to the Max“ hat auch für andere Papst-Fans etwas: vom Auto-Aufkleber „I love Pope Francis“ über eine Umrandung fürs Autokennzeichen mit gleicher Aufschrift bis zur Hundemarke mit Papstfoto. Außerdem verkauft Nelson über seine anderen Internetseiten auch eher gewöhnlicheres religiöses Handelsgut: Kreuze, Papst-Poster, Kühlschrankmagneten. Zudem beliefert er 1000 Andenkenläden im ganzen Land mit über 65000 Produkten.

          Alles mit dem Konterfei des Papstes läuft gut

          Gerade läuft aber vor allem all jenes gut, was einen Papst aufgedruckt hat. Nelson schickt von diesen Produkten ganze Lkw-Ladungen in die Städte, die Franziskus besucht. „Wir haben 10.000 T-Shirts und 20.000 Postkarten nach Philadelphia geschickt“, erzählt Nelson. Das Geld, das er in diesem Jahr verdient, will Nelson investieren, um weiter zu wachsen. Er ist ein Geschäftsmann, der sich genau überlegt, wo noch „neue Märkte“ für katholische Produkte zu erobern sind.

          Er ist aber auch tief religiös. Bevor er und seine Frau Gretchen die Papst-Andenken zum Geschäft machten, waren sie einige Jahre lang als Missionare in Nordamerika unterwegs. „Wir haben uns um Frauen gekümmert, die überlegten, abzutreiben“, erzählt Nelson. „Wir haben versucht sie zu überzeugen, andere Wege zu wählen.“ „Pro Life“-Aktivisten werden solche Leute in Amerika genannt.

          Nach fünf Jahren als Missionare wollten die Nelsons aussteigen und eine Familie gründen. Einziges Problem: Sie hatten kein Geld und keine Ausbildung. „So kam ich auf das Einzige zurück, von dem ich etwas verstehe, für das ich Talent besitze“, sagt Nelson: „Holzarbeiten“. Er produzierte Schreine, Holzkreuze, Betstühle für daheim. Erst deckten die Nelsons nebenher auch mal ein Dach, doch nach sechs Jahren konnten sie vom Geschäft leben.

          Die zur Schau getragene Religiosität der Familie ist für Deutsche allerdings ungewohnt. Mark und Gretchen Nelson schicken ihre neun Kinder, zwischen 21 und einem Jahr alt, nicht auf öffentliche Schulen, Gretchen unterrichtet sie daheim. Und zum Abschied kommt ihnen ein „Gott segne dich“ ganz natürlich über die Lippen.

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