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Illegaler Online-Handel : Im Darknet

  • -Aktualisiert am

Obwohl sich viele Kriminelle im undurchsichtigen Darknet tummeln, misst dem BKA-Präsident Holger Münch einen Wert bei. Bild: iStock, Bearbeitung F.A.S

Das Darknet ist ein versteckter und verruchter Teil des Internets. Dort floriert der illegale Handel mit Waffen und Drogen. Warum schaltet man es nicht einfach ab?

          Henry ist häufig im Stress. Der junge Mann studiert an einer renommierten Münchner Universität und will auf der Suche nach der perfekten „Study-Life-Balance“ sowohl Leistung bringen als auch Spaß haben. Für Ersteres nimmt er Ritalin ein, das Mittelchen zur Beruhigung hyperaktiver Kinder, das gerne als Droge zweckentfremdet wird. Damit befindet er sich „im Tunnel“ und kann sich auf das Lernen oder die Klausur fokussieren. In seiner Freizeit ist dagegen Cannabis das Mittel der Wahl. Wenn er bekifft ist, vergisst er den Stress, macht Musik, lacht und feiert.

          Zur Beschaffung seiner Drogen lungert er nicht etwa in der Nähe des Hauptbahnhofs herum und hofft, beim Erwerb in der Öffentlichkeit nicht erwischt zu werden. Die Digitalisierung verändert unser Leben, auch den illegalen Handel. Vertriebswege ändern sich auch für Drogen radikal.

          Das Angebot ist vielfältig, die Geschäfte sind geheim

          Dazu muss man nur in den dunklen Bereich des Internets vordringen, ins „Darknet“, wo die Angebote vielfältig und die Geschäfte geheim sind. Im Schutze der Anonymität lässt sich vieles einfädeln. Nicht nur Kriminelle profitieren davon. Aber vor allem die. Das Darknet erreicht man nur über einen speziellen Internetbrowser. Firefox würde die URL-Adressen nicht erkennen. Der Browser „Tor“ aber findet sie problemlos. Er öffnet die Tür, an der der Rechtsstaat endet. Dahinter verbergen sich mehr als 30 Plattformen, auf denen munter mit allerlei Illegalem gehandelt wird. Von gefälschten Pässen und prall gefüllten Paypal-Accounts über Drogen und scharfe Waffen bis hin zu Kinderpornographie ist alles dabei. Selbst ein Auftragskiller kann angeblich über eine Internetseite für mörderische Absichten beauftragt werden.

          Das Darknet ist der Wilde Westen des digitalen Zeitalters. Es revolutioniert den Schwarzmarkt. Sein Anteil etwa am internationalen Drogenumsatz ist zwar mit weniger als einem Prozent noch sehr gering. Einer Studie des amerikanischen Forschungsinstituts Rand Corporation zufolge betrug der Umsatz der Plattformen mit Drogen im Jahr 2015 maximal 19 Millionen Euro im Monat. Gegenüber den zwei Milliarden Euro Umsatz im analogen Handel ist der Online-Anteil also noch winzig. Doch das Wachstumspotential ist enorm, fürchten Fahnder.

          Eine ernstzunehmende Alternative für Händler

          Im Gegensatz zu vielen Heroinabhängigen, die auch künftig analog an Bahnhöfen und dunklen Ecken einkaufen werden, sind gerade junge Menschen wie Henry mit dem Internet groß geworden. Sie erledigen alles online. Nicht nur den Klamottenkauf, sondern auch ihre Drogen-Bestellung. Damit wird es immer schwerer, dem Problem beizukommen. Viel schwieriger als an der Bahnhofsecke.

          Auch für Händler ist das Internet eine ernstzunehmende Alternative, jedenfalls in der westlichen Welt. Die meisten Verkäufer kommen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland. Der Schwerpunkt im Drogenverkauf liegt einer Studie der Rand Corporation zufolge auf Cannabis, Aufputschmitteln wie Kokain, Ecstasy-Produkten und psychedelischen Substanzen. Derweil spielt der Waffenhandel noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch: Dem Darknet wird eine rosige Zukunft prophezeit.

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