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Das Brennholz wird knapp Tannen zapfen

 ·  Das Holz wird knapp. Im Wald sieht man das nicht. Gleichwohl hat ein Wettlauf ums Holz begonnen. Und nicht nur Strom und Wärme, sondern auch Plastik und Pullover werden aus Bäumen gemacht.

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© Henner Rosenkranz Vergrößern Sieht der Wald rot? Ein Förster markiert Brennholz

Groß-Gerau verfügt über vergleichsweise kümmerlichen Wald. Dünne Roteichen stehen im Nieselregen. Der Wald ist von Großstädten umzingelt: Mainz, Wiesbaden, Rüsselsheim, Darmstadt, Frankfurt, Offenbach. Dort heizen Zehntausende - und wegen des teurer werdenden Öls von Jahr zu Jahr mehr Menschen - ihre Wohnungen mit Kaminholz. Wie lang hält dieser Wald das aus?

Wo also, wenn nicht in diesem kümmerlichen Wald, müsste sie zu beobachten sein, die beginnende Brennholzknappheit, von der zu Wochenbeginn zu erfahren war? Würden alle Kamin- und Holzofenbesitzer - das ist etwa jeder vierte Haushalt - nur mit Holz heizen, gäbe der deutsche Wald schon jetzt nicht genug Holz her, hatte die Holzwirtschaft schlagzeilentauglich herausgefunden.

Der Waldboden hier in Nauheim bei Groß-Gerau: voller Holz. Einige Menschen im Frührentenalter stehen am Waldrand auf Schneematsch und braunem Laub. Der Förster kommt. Sie gehen in den Wald. Der Förster teilt jedem so viel Brennholz zu, wie er will. „Wir könnten noch mehr Holz verkaufen“, sagt der Förster. „Obwohl die Nachfrage riesig ist.“

Wie riesig, zeigt die Statistik. Der Brennholzverbrauch verdoppelte sich in nur zehn Jahren. Es ist fast doppelt so teuer wie 2005. Rund um die Großstädte werde es knapp, hatte der Holzindustrieverband Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) am Wochenbeginn behauptet. Es war überall zu lesen. Danach riefen beim Verband viele Leute aufgeregt an. Die einen sagten: Lüge - wir werden unser Holz doch gar nicht los! Die andern: Lüge - es ist viel schlimmer, die Preise für das Holz sind noch viel höher, als ihr behauptet! Denn die einen riefen aus dünn bevölkerten Regionen an, die anderen etwa aus München, wo Holz wegen großer Nachfrage schon fast doppelt so teuer ist.

Die Holzindustrie macht sich Sorgen

Im Verband staunte man auch, wie viele Journalisten sich meldeten. Die Meldung schien einen Nerv getroffen zu haben: Ob es die alte deutsche Sorge um den Wald ist, oder reale Ängste, dass wir bald im Kalten sitzen müssen, wenn es mal kein Gas aus Russland gibt und kein Öl aus Arabien - ja, kann selbst unser Holz ausgehen?

Der Förster aus Groß-Gerau verweigert sich jeder Aufregung, er lässt sich routiniert die Motorsäge-Scheine der Kunden zeigen und führt die Kunden zu farbig markierten Baumstämmen. 30 Euro kostet hier ein Raummeter (Kubikmeter Stammholz minus Luft) - etwas mehr, als der vom Land Hessen festgelegte Mindestpreis und doppelt so viel, wie noch 2005. „In Groß Gerau wird trotzdem noch jeder, der Holz sucht, fündig“, sagt der Förster.

Wenn sich hier Knappheit anbahnt, dann ohne Wagner-Ouvertürenklänge. Brennholz ist immer noch relativ günstig, sonst würden es ja nicht so viele Leute verheizen. Ernste Sorgen macht sich aber die Holzindustrie. Die kann nach eigenen Angaben kaum mehr mithalten mit den Preisen. Sie zahlt für den Rohstoff in der Regel weniger, als Privatkunden. Der Preis ist staatlich mitbestimmt - grob ein Drittel des deutschen Waldes ist Staatsforst -, und auch die Industrie soll versorgt sein. So auch in Groß-Gerau: Der Förster sagt, Industriekunden hätten die Kontingente aber schon gekürzt worden, weil nun so viel mehr Privatkunden Holz wollten. In jedem Jahr mehr: Das Forstamt Groß Gerau verkaufte 2005 erst 10.000 Festmeter, zuletzt 18.000. Drei Viertel als Brennholz, den Rest an die Industrie. Und dieser Anteil ging merklich zurück.

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01.02.2013, 14:16 Uhr

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