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Kommentar : Daimlers Kotau

Daimler hat den Dalai Lama zitiert – und bittet China wieder und wieder um Entschuldigung. Ein unwürdiges Schauspiel.

          Es ist ein unwürdiges Schauspiel, das Daimler in China aufführt: Wieder und wieder entschuldigt sich der Autobauer in demütigen Worten für einen kleinen Interneteintrag mit einer Lebensweisheit eines Friedensnobelpreisträgers, des Dalai Lamas. Das ist das Gegenteil der Integrität, die sich der Stuttgarter Konzern wie so viele westliche Unternehmen auf die Fahnen schreibt.

          Ob es Daimler hilft, dass nun gar Vorstandschef Dieter Zetsche in vorauseilendem Gehorsam wie ein Dissident nach dem Folterverhör seinen Peinigern gelobt, er werde niemals Chinas Souveränität in Frage stellen, ist keineswegs ausgemacht.

          Weder Wirtschaft noch Politik haben im Westen eine Antwort darauf, wie mit Chinas Streben nach Weltherrschaft umzugehen ist, das dessen Führung immer unverhohlener zum Ausdruck bringt. Längst versucht China in Europa Politiker, Medien und Hochschulen zu beeinflussen. „Teile und herrsche“ lautet das Prinzip. In China will die Kommunistische Partei die ausländische Wirtschaft entzweien, um in allen Unternehmen (mit-)bestimmen zu können. Diese Angriffe, lehrt die Erfahrung, lassen sich nur mit Selbstbewusstsein und Geschlossenheit abwehren. Daimler sendet ein Zeichen der Schwäche.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

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