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Daimler und BYD Chinas saftlose Elektromobilität

 ·  An diesem Montag stellt Daimler auf der Automesse in Peking sein neues Elektrofahrzeug vor. Der Denza ist das erste allein für das Land entwickelte Elektroauto eines deutschen Herstellers - entsprechend viel Aufmerksamkeit dürfte er erhalten.

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Vielleicht ist der „Denza“ so flach ausgefallen, weil derart hohe Erwartungen auf ihm lasten. An diesem Montag stellt Daimler auf der Automesse in Peking sein neues Elektrofahrzeug vor, einen recht schnittigen Viertürer auf Basis der alten B-Klasse. Das Gefährt ist das bisher einzige Modell der gleichnamigen Marke, die Daimler mit dem chinesischen Batterie- und Autohersteller BYD ins Leben gerufen hat. Das Auto soll im Jahr 2013 auf den Markt kommen, in China und nur für China, wie beide Partner immer wieder beteuern. Der Denza ist das erste allein für das Land entwickelte Elektroauto eines deutschen Herstellers - entsprechend viel Aufmerksamkeit dürfte er erhalten.

Doch die Neugier sagt noch nichts über die Marktchancen aus. Trotz großer Versprechen und enormer Subventionen steckt die Elektromobilität in China noch in den Kinderschuhen. „Seit 2009 wurden in China 6700 Elektroautos verkauft“, sagt Axel Krieger, Partner bei McKinsey in Peking und Leiter einer neuen Studie zu dem Thema. „Das steht in keinem Verhältnis zu den Plänen der Regierung, bis 2015 eine halbe Million Elektroautos auf chinesische Straßen zu bringen.“ Im Jahr 2011 betrug der Elektroanteil am Gesamtverkauf im größten Neuwagenmarkt der Welt 0,03 Prozent. Ähnlich schwach sieht es bei der Infrastruktur aus. In drei Jahren sollten eigentlich 400 000 Ladestationen fertig sein, 2011 wurden aber nur 16 000 errichtet.

Die Ergebnisse der Fachleute sind ernüchternd. 95 Prozent der befragten Entscheider aus Wirtschaft, Politik, Verbänden und der Wissenschaft gaben an, in China fehle weiterhin die nötige Kompetenz für verlässliche Batterieautos. Trotz hoher staatlicher Förderung seien die Modelle rund 150 Prozent teurer als konventionelle Fahrzeuge. Auch unter Betrachtung der Gesamtkosten würden Batteriewagen in China nicht vor dem Jahr 2020 wettbewerbsfähig, heißt es.

Das zeigt sich an dem bekanntesten chinesischen Elektroauto, dem „E6“ von BYD. Es kostet trotz hoher staatlicher Kaufbeihilfen von 60 000 Yuan den Endkäufer noch immer 250 000 Yuan (30 000 Euro). Für den gleichen Preis bekommt man einen gut ausgestatteten VW Passat, der hier Magotan Luxury Style heißt. Der E6 ist ein Fiasko für den Daimler-Partner BYD. Es sind nur einige hundert Fahrzeuge im Einsatz, vor allem als Taxis am Unternehmenssitz Shenzhen, wo auch der Denza gebaut werden soll. Die Markteinführung erfolgte viel später als angekündigt, der Export nach Amerika lässt weiter auf sich warten.

BYD-Chef lässt sich nicht beirren

BYD-Chef Wang Chuanfu, einst der reichste Mann Chinas, lag mit seinen Ankündigungen schon oft daneben. Weder ist BYD der größte Hersteller Chinas geworden noch auf dem Weg zur Weltmarktführerschaft. Im Gegenteil: Absatz, Gewinn und Aktienkurs sind gesunken. Dennoch lässt sich Wang nicht beirren. Der Denza werde von Technik und Design her viel attraktiver als der E6 werden, sagte er der F.A.Z. Allerdings noch teurer. Dennoch glaubt er: „Denza ist auf dem richtigen Weg, Marktführer für die Elektrofahrzeuge in China zu werden.“ Das allerdings wollen auch andere, Volkswagen zum Beispiel. Im Jahr 2014 will man eigene chinesische Entwicklungen in kleiner Serie anbieten, von 2018 an rechnet man mit einem „Massenmarkt“.

Wie bei Daimler scheint das Engagement eher auf chinesischen Druck als auf eigene Überzeugung zurückzugehen. Denn die Regierung erwartet von den ausländischen Herstellern, dass sie sowohl eine eigene chinesische Marke als auch ein im Land entwickeltes Elektrofahrzeug auf den Markt bringen. Ansonsten könnten sich Genehmigungen verzögern - etwa für den Bau neuer Werke. Der Einfluss ist auch deshalb so groß, weil der Staat wegen des Zwangs zu Gemeinschaftsunternehmen direkt an den Gesellschaften beteiligt ist.

Wie Daimler schlägt VW beide Fliegen mit einer Klappe, indem es für die neuen Marken gleich zu Beginn Elektromodelle entwickeln lässt. Mit dem Partner FAW hat man die Marke Kaili gegründet, mit SAIC Tantus. Im Jahr 2014 sollen deren erste Elektromodelle kommen. Offenbar gibt es aber Verzögerungen, denn anders als beim Denza existiert bisher kein präsentables Konzeptauto, geschweige denn eine Testflotte. Man sei noch relativ am Anfang, heißt es hinter den Kulissen, die Luft sei ein bisschen raus. Möglicherweise nutzt VW Kaili und Tantus als Feigenblätter, um die Auflagen aus Peking zu erfüllen, in Wirklichkeit aber die eigenen E-Modelle einzuführen. Tatsächlich ist seit einigen Monaten eine Testflotte in ganz China unterwegs: aus Elektro-Golfs und Touareg-Hybrid-Fahrzeugen.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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