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Daimler Nicht mehr als Hoffnung

28.04.2009 ·  Im Quartalsbericht von Daimler wird das Elend der Autoindustrie auf einen Blick greifbar: Daimler hat zwischen Neujahr und Ende März 171.564 weniger Personenwagen und Nutzfahrzeuge verkauft als vor einem Jahr. Allen Mitarbeitern schwant: auch eine Industrieikone ist nicht vor dem Niedergang gefeit.

Von Susanne Preuß
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Das wahre Leben spielt in Quartalsberichten kaum eine Rolle. Mitarbeiter und Produkte tauchen lediglich als Kostenfaktor oder Umsatzerlös auf. Aus ihrem Zusammenwirken resultieren Gewinne oder Verluste, die wiederum das Börsengeschäft beleben. Im Quartalsbericht von Daimler aber wird das Elend der Autoindustrie auf einen Blick greifbar: Nur 332.252 Personenwagen und Nutzfahrzeuge hat Daimler zwischen Neujahr und Ende März verkauft, 171.564 weniger als vor einem Jahr. Das heißt ein Drittel weniger Blech, Reifen, Außenspiegel, Lenkräder, Türschlösser. Wie viel Arbeit wäre notwendig gewesen, um diese Teile herzustellen und daraus Luxuslimousinen, Transporter und Schwerlaster zusammenbauen?

Mehr als eine Viertelmillion Frauen und Männer beschäftigt Daimler rund um den Erdball. Viele von ihnen hatten in den letzten Wochen nichts zu tun, weil die Fahrzeuge zu Ladenhütern wurden. Viele von ihnen hatten umso mehr zu tun, weil sich Erfolg nach der Krise nur einstellt, wenn mit Fleiß und Phantasie an der Zukunft gearbeitet wird.

Auch eine Industrieikone ist nicht vor dem Niedergang gefeit

Allen Mitarbeitern schwant: auch eine Industrieikone ist nicht vor dem Niedergang gefeit. Für die Mitarbeiter in Deutschland wird die Krise jetzt auch finanziell spürbar. Zugeständnisse von 2 Milliarden Euro hat der Daimler-Vorstand der Belegschaft abgerungen. Im Einzelfall mag das bitter sein, aber meist wird noch auf hohem Niveau gejammert. Wer bei Daimler arbeitet, hat dies nie für einen Hungerlohn getan. Ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise erbringen die Mitarbeiter in der Erwartung, dass bald wieder bessere Zeiten anbrechen. Mehr als Hoffnung aber hat der Vorstand nicht zu bieten. Hoffnung, dass ein Sparprogramm von vier Milliarden Euro ausreicht, um das Ausbluten des Stuttgarter Konzerns zu verhindern, der seit dem Herbst Monat für Monat mehrere hundert Millionen Euro mehr ausgibt, als er einnimmt.

Sicher, einen Investor hat Daimler kürzlich gewonnen, der fast zwei Milliarden Euro einbrachte. Aber der Einstieg zum günstigen Preis, verbunden mit weitgehenden Kooperationsversprechen, wirkte nicht wie eine strategische Langzeitplanung, sondern eher wie eine Notoperation. Das hat das Vertrauen nicht gestärkt. Nun muss Daimler-Chef Zetsche, wenn er als großer Krisenbewältiger in die Konzerngeschichte eingehen möchte, wirklich originelle Ideen nachlegen.

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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