http://www.faz.net/-gqe-ze68

D&O-Policen : Was ist eine Managerhaftpflicht-Versicherung?

Managerhaftpflicht-Versicherungen schützen Top-Manager vor Schadenersatzansprüchen bei Fehlverhalten. Kritiker verspotten die Versicherungen bisweilen auch als „Nieten-Policen“. Jetzt verlangt die Politik zumindest einen verbindlichen Selbstbehalt.

          Bankenmanager haben ohne Zweifel im Vorfeld der Finanzkrise fatale Fehler gemacht: Sie haben zugelassen, dass ihre Institute in Massen Kredite vergeben, ohne ausreichend die Bonität der Kreditnehmer zu prüfen. Bankenmanager haben Bonussysteme entwickelt, die Anreize zur Umsatzmaximierung setzten, die Risiken aber völlig ausblendeten. Andere Banken haben jahrelang zweifelhafte Wertpapiere und Ramschhypotheken gekauft, deren Wert sie überhaupt nicht einschätzen konnten.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die schuldigen Bankmanager müssen persönlich zur Verantwortung gezogen werden, fordern Politiker in seltener Einigkeit. Von Schadensersatz und persönlicher Haftung ist dieser Tage viel die Rede. Aber geht das überhaupt so einfach?

          Gegen Schadensersatzansprüche sind Top-Manager im Regelfall versichert. Mit der Managerhaftpflicht - im Fachjargon D&O (Directors & Officers) genannt - versichern Unternehmen ihre Top-Manager gegen Ansprüche, die gegen sie erhoben werden. Die Prämien für die Versicherung zahlt dabei das Unternehmen, versichert aber sind die Manager.

          Innenhaftung und Außenhaftung

          Dabei können die Ansprüche gegen die Manager von außen kommen (etwa von Aktionären), aber auch vom Unternehmen selbst. Im Rahmen der Innenhaftung stellt das Unternehmen Ansprüche gegen die eigenen Manager. Dazu ist der Aufsichtsrat sogar verpflichtet. Das gilt zumindest in Deutschland, denn im Jahr 1997 hat der Bundesgerichtshof in einem richtungsweisenden Urteil entschieden, dass Aufsichtsräte von ihren Vorständen Schadensersatz verlangen müssen, wenn sie dem Unternehmen einen Schaden zugefügt haben. Ansonsten muss der Aufsichtsrat selbst Schadensersatzklagen von Aktionären fürchten.

          Nahezu alle großen Unternehmen haben für ihre oberste Führungsriege nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs Ende der 90er Jahre Managerhaftpflichtversicherungen abgeschlossen - Fachleute nennen sie D&O-Policen (Directors & Officers); Kritiker verspotten sie bisweilen auch als „Nieten-Policen“. Grob fahrlässig verursachte Schäden werden übernommen - bei Vorsatz aber zahlt die Versicherung nicht.

          Ganz billig sind die Policen nicht: „Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, zahlen für eine Millionen Euro Deckungssumme zwischen 800-2000 Euro im Jahr“, erklärt Arnd Briese, Rechtsanwalt und Niederlassungsleiter bei der auf D&O-Policen spezialisierten Beratungsagentur Hendricks & Co GmbH in Düsseldorf. Sind die Unternehmen an der Börse notiert, dann wird es deutlich kostspieliger. Besonders teuer sind die Prämien für Unternehmen die an einer amerikanischen Börse gelistet sind, weil im dortigen Rechtssystem Anleger einfacher hohe Schäden einklagen können.

          Kein Wunder, dass es die Policen in Amerika seit Jahrzehnten gibt. In Deutschland waren sie bis Mitte der 80er Jahre gar nicht zugelassen. Erst im Jahr 1986 brachte der amerikanische Versicherer Chubb die erste Police auf den deutschen Markt - nach schleppendem Anfang breiteten sich die Policen Ende der 90er Jahre dann auch in Deutschland rasch aus. Heute werden D&O-Policen hierzulande von über 30 Versicherern angeboten, zu den größten gehören AIG, Allianz, HDI Gerling, Chubb und der in Köln ansässige Versicherungspool VOV. Besonders prekär: Ausgerechnet der Marktführer AIG ist im Zuge der Finanzkrise selbst ins Taumeln geraten.

          Schadensstatistiken werden nicht publiziert

          Über die Folgen der Finanzkrise hüllen sich die Versicherer in Schweigen: Schadensstatistiken werden nicht publiziert. Das Segment ist vergleichsweise klein - insgesamt wird das Prämienaufkommen aus D&O-Versicherungen in Deutschland auf unter 500 Millionen Euro geschätzt - bei einem Versicherungsgesamtmarkt von über 160 Milliarden Euro jährlich.

          Die im Dax gelisteten Unternehmen haben im Regelfall eine Deckungssumme zwischen 50 und 500 Millionen Euro, erläutert Arnd Briese. Laut Fachleuten sind D&O-Policen jedoch inzwischen mitnichten nur in Dax-Konzernen üblich - vor allem in schadensträchtigen Branchen wie Finanzdienstleistungen ist der Schutz verbreitet, obgleich die Prämien hier wesentlich teurer sind. Auch Landesbanken, Sparkassen und Genossenschafsbanken gehören dem Vernehmen nach zu den Kunden der D&O-Versicherungen.

          Nun entwickelt sich ein Streit über den Selbstbehalt: Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt den Unternehmen, nur Versicherungen mit Selbstbeteiligung der Manager abzuschließen. Doch die Unternehmen halten sich nur selten an die Empfehlung. Jetzt hat sich die Koalition darauf verständigt, dass ein Selbstbehalt vorgeschrieben wird. Und zwar in Höhe von mindestens einer Gesamt-Jahresvergütung des Managers.

          Weitere Themen

          Italien schwächt den Euro

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Der Brexit-Kompromiss bindet die Briten an die EU

          Was der Deal bedeutet : Der Brexit-Kompromiss bindet die Briten an die EU

          Die Briten hätten sich auf Standards eingelassen, hinter die sie nicht mehr zurück könnten, heißt es in Brüssel. Doch rettet der Kompromiss einen geordneten Brexit? Eine wirtschaftliche Einordnung.

          Topmeldungen

          Um diese Grenze dreht sich der Streit: Hinweisschild auf eine Zollstation in Nordirland.

          Was der Deal bedeutet : Der Brexit-Kompromiss bindet die Briten an die EU

          Die Briten hätten sich auf Standards eingelassen, hinter die sie nicht mehr zurück könnten, heißt es in Brüssel. Doch rettet der Kompromiss einen geordneten Brexit? Eine wirtschaftliche Einordnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.