Home
http://www.faz.net/-gqe-7h2zj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Cyber-Spionage Amerikas Geheimdienste hacken Zehntausende Computer

Dass auch westliche Geheimdienste zu Hacker-Methoden greifen, ist für Experten schon lange klar. Aus den Snowden-Unterlagen geht nun erstmals die Dimension der amerikanischen Cyber-Attacken hervor.

© REUTERS Vergrößern NSA-Chef General Keith Alexander

Die amerikanischen Geheimdienste haben offenbar Zehntausende Computer auf der ganzen Welt mit Software-Hintertüren versehen, über die sie Zugriff auf Daten oder ganz Netzwerke erlangen. Bis Ende dieses Jahres soll es demnach mindestens 85.000 solcher präparierten Rechner geben, schreibt die „Washington Post“ auf Basis von Unterlagen aus dem Fundus des Informanten Edward Snowden. Der Geheimdienst NSA habe aber auch ein System entwickelt, das Millionen infizierter Computer automatisch kontrollieren könne.

Im Jahr 2011 hätten die amerikanischen Geheimdienste insgesamt 231 Cyberangriffe ausgeführt, heißt es. Die Zahl stehe in einem von Snowden zugespielten Budgetentwurf. Von diesen „offensiven Operationen“ waren laut Budget fast drei Viertel gegen Ziele mit höchster Priorität gerichtet. Nach Angaben ehemaliger Beamter seien darunter Aktionen gegen Ziele in Ländern wie Iran, Russland, China und Nordkorea.

Nähere Informationen über diese Angriffe gab es nicht. Amerikas Geheimdienste definierten gemäß einer Präsidentendirektive vom Oktober 2012 offensive Cyber-Operationen als Manipulation oder Zerstörung von Informationen in Computern oder in Computernetzwerken oder der Rechner und Netzwerke selbst. Die meisten dieser Aktionen hätten unmittelbare Auswirkungen nur auf Daten und Funktionsfähigkeit von Computern des Gegners: Die Verbindungen würden beispielsweise langsamer.

Codename „Genie“

Als bekanntestes Beispiel eines staatlichen Cyberangriffs gilt der Computerwurm Stuxnet, der vor einigen Jahren das iranische Atomprogramm sabotierte. IT-Sicherheitsexperten sind sich sicher, dass hinter Stuxnet westliche Geheimdienste stecken, auch wenn dies nie offiziell bestätigt wurde.

Viel häufiger brechen die Geheimdienst-Hacker dem Bericht zufolge in Computer ein, um Daten abzuschöpfen. Die Aktionen liefen unter dem Code-Namen „Genie“ (Geist). Bis Ende dieses Jahres solle im Rahmen von „Genie“ spezielle Software auf mindestens 85.000 strategisch ausgewählten Computern weltweit plaziert werden. Diese Software könne zum Beispiel Daten mitschneiden und übermitteln.

Im Jahr 2008 seien erst 21.252 Computer auf diese Weise angegriffen worden, schreibt die „Washington Post“ unter Berufung auf den Geheimdienstetat. Allerdings könne in großen Computernetzwerken auch nur ein infiziertes Gerät den Zugang zu Hunderttausenden weiteren öffnen.

Codename „Turbine“

Die geheime Software diene oft nur als Hintertür für mögliche spätere Zugriffe, sagte ein ehemaliger Beamter der „Washington Post“. Den Unterlagen zufolge wurden im Jahr 2011 von den fast 69.000 befallenen Computern nur 8448 voll ausgebeutet. Das habe auch mit personellen Kapazitäten zu tun, obwohl in dem Projekt bereits 1870 Personen beschäftigt gewesen seien.

In Zukunft solle aber ein System mit dem Codenamen „Turbine“ für den automatischen Betrieb auch von Millionen eingeschleuster Spionage-Programme auf fremden Rechnern sorgen. Spezialisten der NSA arbeiteten zudem an verdeckter Software, die relevante Gespräche in Computernetzwerken ausfindig machen und mitschneiden könne.

Die Geheimdienst-Hacker könnten in Verbindungs-Geräte wie Router und auch hinter Firewall-Sicherheitssysteme verschiedener Anbieter einbrechen, hieß es. Sie schreckten auch nicht vor dem Kauf von Informationen über Software-Schwachstellen zurück. Dafür seien für dieses Jahr 25,1 Millionen Dollar vorgesehen. Die USA werfen China seit Jahren vor, mit ähnlichen Methoden Cyberspionage im Westen zu betreiben. Ein entscheidender Unterschied sei aber, dass die amerikanischen Programme nicht für Wirtschaftsspionage eingesetzt würden.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anonymous Barrett Brown Märtyrer der Pressefreiheit oder Krimineller?

Barrett Brown galt als Sprecher des Hacker-Kollektivs Anonymous. Seit zwei Jahren sitzt er in Untersuchungshaft. Ihm drohen etliche Jahre Gefängnis. Warum eigentlich? Eine Spurensuche. Mehr Von Jan Ludwig, Dallas

15.12.2014, 17:24 Uhr | Feuilleton
Geheimdienst NSA soll auch Telekom-Netz kontrollieren

Der amerikanische Geheimdienst NSA und der britische Nachrichtendienst GCHQ verfügen über verdeckte Zugänge in die Netze der Deutschen Telekom und des Kölner Anbieters Netcologne. Das berichtet Der Spiegel unter Berufung auf geheime Dokumente aus dem Archiv des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden. Mehr

15.09.2014, 12:58 Uhr | Politik
Sony sagt Kinostart ab Amerika vermutet Nordkorea hinter Hackeraffäre

Hacker haben mit Anschlägen gedroht, sollten Kinos den Film The Interview zeigen. Sony zieht Konsequenzen - und Amerika vermutet, dass Nordkorea dahinter steckt. Mehr

18.12.2014, 06:59 Uhr | Gesellschaft
Lob für Cyber-Angriff Hacker greifen Sony für den Frieden an

Die Hackergruppe Guardians of Peace soll die Server von Sony gehackt haben. Der Angriff scheint wegen des Films Das Interview ausgeführt worden sein, den Sony in den Verleih bringt. Dieser handelt von zwei Journalisten, die den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un umbringen wollen. Die Hacker fordern, dass der Film nicht gezeigt wird, damit der Frieden in der Region nicht gefährdet würde. Nordkorea stritt ab, dass das Land selbst hinter dem Angriff stecke, fand aber lobende Worte für die Verantwortlichen. Mehr

09.12.2014, 15:55 Uhr | Feuilleton
Folterbericht wird öffentlich Obama in großer Sorge

Amerikas Präsident greift selbst zum Telefonhörer. Er will mögliche Folgen der Veröffentlichung des Folterberichts mildern. Dass das Dokument heute freigegeben wird, ist einer hartnäckigen 81 Jahre alten Dame zu verdanken. Mehr

09.12.2014, 12:14 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.08.2013, 12:00 Uhr

Bescherung im Bundesrat

Von Heike Göbel

Die jüngsten Beschlüsse im Bundesrat bringen den Ländern mehr Geld. Für den Bund ist das nicht so gut. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Weniger Geld für Startups

Software-Startups finden in Amerika leichter Investoren als andere Firmengründer. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden