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Crédit Mutuel Die unbekannte Großbank aus Frankreichs Osten

Die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel kauft für 4,9 Milliarden Euro das deutsche Privatkundengeschäft der amerikanischen Großbank Citigroup. Die Deutsche Bank hat beim Bieterwettkampf den Kürzeren gezogen. Jetzt fragen sich viele: Crédit Mutuel - Was ist das für eine Bank?

© AP Vergrößern Crédit Mutuel hat knapp 5.000 Zweigstellen in Frankreich

Der Käufer der Citibank ist außerhalb Frankreichs so gut wie unbekannt, in seinem Heimatland aber eine feste Größe. Der Crédit Mutuel ist nicht nur - nach dem Crédit Agricole - die zweitgrößte genossenschaftliche Bankengruppe in Frankreich, sondern in einzelnen Geschäftsbereichen wie der Finanzierung von Immobilien und der Landwirtschaft die zweitgrößte Bank des Landes. Mit einer Bilanzsumme von 553,3 Milliarden Euro (Ende 2007), einem Eigenkapital von 26 Milliarden Euro, knapp 60 000 Mitarbeitern und einem Gewinn nach Steuern von 2,7 Milliarden Euro ist sie in ihrer Größe in etwa mit der Commerzbank vergleichbar. Allerdings besitzt sie als eine vor allem auf dem Land stark vertretene genossenschaftliche Bankengruppe eine völlig andere Struktur.

Die Dachgesellschaft der Gruppe steuert 18 Regionalbanken mit 5148 Niederlassungen, von der allerdings eine Regionalbank mit Zuständigkeit für das Pariser Becken und Ostfrankreich den größten Teil des Gewinns der Gruppe erzielt. Ostfrankreich besitzt für den Crédit Mutuel ohnehin eine besondere Bedeutung. Die erste Genossenschaftsbank der Region wurde im Jahre 1882 von Friedrich Wilhelm Raiffeisen nahe Straßburg gegründet, als Elsass-Lothringen zu Deutschland gehörte. Bis heute bildet das Elsass eine Hochburg für den Crédit Mutuel.

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Stark im Privatkundengeschäft

An der Spitze des Crédit Mutuel steht der 1941 geborene Etienne Pflimlin, ein Sohn des bedeutenden bürgerlichen Politikers Pierre Pflimlin. Etienne Pflimlin führt den Crédit Mutuel seit 21 Jahren, was für einen Manager an der Spitze einer Großbank ungewöhnlich ist und die Stabilität der Bankengruppe symbolisiert. Pflimlin hatte in seiner Jugend drei Elitehochschulen absolviert und dann in verschiedenen Ministerien gedient, ehe er zum 1987 zum Crédit Mutuel wechselte.

Infografik / Banken im Vergleich © F.A.Z. - Unternehmensangaben Vergrößern

Der Crédit Mutuel ist eine stark im Privatkundengeschäft und in Geschäften mit Klein- und Mittelunternehmen verankerte Bankengruppe. Sie zählt 14,9 Millionen Kunden, darunter 13,3 Millionen Privatleute. Mit Spareinlagen in Höhe von 469 Milliarden Euro zählt der Crédit Mutuel zu den größten Kapitalsammelstellen in Frankreich. Er profitiert von einem nur wenigen Finanzgruppen gewährten Privileg des Staates, ein steuerlich begünstigtes Sparbuch („Livret Bleu“) auszugeben. Die dort gesammelten Gelder werden an die staatliche Finanzgesellschaft Caisse des Dépôts weitergeleitet und von ihr zu einem erheblichen Teil für die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus verwendet. Stark ist der Crédit Mutuel auch im Verkauf von Versicherungspolicen über den Bankschalter („bancassurance“).

Expansion nach Deutschland bedeutet Strategiewende

Seit rund zehn Jahren besitzt der Crédit Mutuel mit dem Crédit Industriel et Commercial (CIC) ein zweites Standbein. Der CIC ist die älteste Einlagenbank Frankreichs und eine mittelgroße Regionalbank, die ebenfalls überwiegend das Privatkundengeschäft betreibt. Dagegen ist der Crédit Mutuel im Investmentbanking kaum vertreten. Die dort ohnehin nicht beeindruckende Präsenz wurde in den vergangenen Jahren reduziert, nachdem eine Tochtergesellschaft des CIC nahezu eine halbe Milliarde Euro an den Terminmärkten verspekuliert hatte.

Die Expansion nach Deutschland bedeutet für den Crédit Mutuel eine Strategiewende - allerdings eine nachvollziehbare. Bisher hatte sich die genossenschaftliche Bankengruppe weitgehend auf ihren französischen Heimatmarkt konzentriert. Allerdings war es ihr in den vergangenen Jahren nicht gelungen, an der Konsolidierung innerhalb der Bankbranche teilzunehmen, und angesichts des harten Wettbewerbs der Großbanken um die Privatkunden erscheint ein kräftiges Wachstum auf dem französischen Markt kaum mehr möglich; jedenfalls nicht ohne hohe Kosten für die Akquisition von Neukunden. Daran aber zeigten die Genossen kein Interesse. Als sich die britische Großbank HSBC im Frühjahr von einem Teil ihres französischen Filialnetzes trennen wollte, hielt sich der Crédit Mutuel mit einem hohen Gebot zurück. Den Zuschlag erhielt mit den Banques Populaires eine rivalisierende genossenschaftliche Bankengruppe.

Bisher ist der Crédit Mutuel im Ausland kaum vertreten. Zwar boten sich ihm die Möglichkeiten, andere Banken zu kaufen, doch waren die französischen Genossen auch hier in der Vergangenheit nicht bereit, aus ihrer Sicht zu hohe Preise zu zahlen. Insofern stellt der Kauf des deutschen Privatkundengeschäfts der Citibank für den Crédit Mutuel eine Zeitenwende dar, auch wenn es der finanziell gesunden Bankengruppe keine Mühe bereiten dürfte, den Kaufpreis von 4,9 Milliarden Euro zu mobilisieren.

Quelle: FAZ.NET

 
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