23.06.2004 · Bilanzskandale, überhöhte Abfindungen, undurchsichtigeVergütungsregeln für die Vorstände: Damit sollen Leitlinien für gute Unternehmensführung aufräumen, die zwei Tage lang in Berlin debattiert werden.
Das Geld der Aktionäre ist ihr höchstes Gut. Und doch tun sich viele große deutsche Konzerne noch immer schwer, das seit der Börsenkrise brüchig gewordene Vertrauen der Anleger mit mehr Offenheit zu stärken. Vor allem Genaueres zu den Millionensalären der Manager halten die meisten AGs eisern im Verborgenen. Aber der Druck wächst - wenn auch nur sanft.
Seit zwei Jahren gibt der „Corporate Governance Kodex“ Leitlinien für gute Unternehmensführung vor. Die Transparenz ist damit deutlich gestiegen, urteilen Experten wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Doch bis zur Offenheit anderer internationaler Märkte sei es noch weit. Wie stark die Akzeptanz für „Corporate Governance“ voran gekommen ist, wollen Fachleute aus Unternehmen und Politik an diesem Mittwoch und Donnerstag bei einer Tagung in Berlin diskutieren.
Von einem „ermutigenden Ergebnis“ bei der Umsetzung spricht Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp und Vorsitzender der Regierungskommission, die den Kodex im Jahr 2002 vorlegte. Die 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex Dax befolgten inzwischen im Schnitt 95 Prozent der 72 Empfehlungen von der Organisation der Hauptversammlung bis zum Zusammenspiel von Vorstand und Aufsichtsrat. Was über geltende Gesetze hinausgeht, ist allerdings nicht zwingend. Wenn sie Empfehlungen ignorieren, müssen die Konzernlenker dies aber jedes Jahr ausdrücklich erklären.
Der Schleier des Schweigens
„Der Kodex lebt von der Anerkennung durch die Unternehmen“, heißt es auch bei Aktionärsschützern. Zwar könne ein Schweigen zu vermeintlich brisanten Themen für die Anleger ebenfalls aufschlußreich sein. Doch in wichtigen Feldern sei mehr Transparenz dringend nötig. „Immer wenn es ums eigene Geld geht, hapert es“, kritisiert DSW-Sprecher Jürgen Kurz. So lüftet sich der Schleier des Schweigens bei der Frage der Managergehälter nur ganz langsam. Gerade einmal neun der 30 Dax-Konzerne schlüsselten die Bezüge ihrer Vorstände und Aufsichtsräte wie im Kodex empfohlen einzeln und auch mit variablen Bestandteilen auf. Zwei nennen immerhin das Salär ihres Vorstandsvorsitzenden.
So wissen die Aktionäre der Deutschen Post, daß Konzernchef Klaus Zumwinkel vergangenes Jahr 1,7 Millionen Euro (ohne Aktienoptionen) bekam und auch wie viel seine Kollegen in der Geschäftsleitung. VW- Boß Bernd Pischetsrieder weist dagegen zum Beispiel seine Bezüge nicht einzeln aus - Anleger erfahren im Geschäftsbericht nur die Summe für den gesamten Vorstand. Daß sich ein Schweigen lange halten läßt, glauben Aktionärsschützer aber nicht. „Den Unternehmen müßte klar sein, daß einmal eine gesetzliche Regelung kommt“, sagt DSW- Sprecher Kurz.
Die Liste ist noch lang
Überhaupt ist die Liste noch lang, wie das Anlegervertrauen in die Unternehmensführung zu stärken sei - einige Vorlagen liefert der Kodex. So sollten Vorstände eine „angemessene“ Eigenbeteiligung an der Managerhaftpflichtversicherung tragen, die sie vor finanziellen Ansprüchen wegen falscher Entscheidungen sichert. Der Wechsel eines Ex-Vorstandschefs direkt in den Aufsichtsratsvorsitz solle nicht grundsätzlich tabu, aber wenigstens eine begründete Ausnahme sein.
Gerade die Kontrollgremien geraten derzeit immer stärker in den Blick. Kleiner und effizienter sollten Aufsichtsräte werden, sagt Joachim Schwalbach, Professor für internationales Management an der Humboldt-Universität in Berlin. Die anteilige Besetzung mit Arbeitnehmervertretern sei international „ein Hindernis für Investitionen“. Überkreuzverflechtungen von Aufsichtsräten mehrerer Firmen sollten untersagt werden. Auch die EU will die Aufsichtsräte stärken, um Betrügereien zu verhindern. In Erwartung der Vorgaben aus Brüssel stellte die Cromme-Kommission ihre jährliche Ergänzungen am deutschen „Corporate Governance Kodex“ denn auch erst einmal zurück.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2478 | −0,08% |
| Rohöl Brent Crude | 106,73 $ | −0,11% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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